Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1596241
354  Antonio Allegri.  
 
Jahren 1511-1513 zu erhärten und liess zu die- insbesondere an den Dcekcngemälden, wo die 
sem Zwecke namentlich nach Urkunden suchen. Formen immer in der perspektivischen Richtung 
Von L. C. Volta (dem Verfasser von Notizie su von unten nach oben gesehen sind  dieser 
gli Artitici Mantovani, 1777) hatte er die Nach- Zug, sowol die Vorliebe für diese Darstellungs- 
richt, dass dieser vvor Jahren in handschriftlichen weise als die grosse Geschicklichkeit, welche C. 
Denkwiirdigkeitenu, welche nachher in denWech- darin bewährt, sind nur durch den Anschluss an 
selfäillen des Krieges verloren gegangen, eine Mantegna zu begreifen. In der fiorentinisch- 
genaue Angabe der Zeit gefunden, da der junge römischen Malerei findet sich nichts von diesem 
Allegri mit den Herren von Correggio in Mantua Streben nach dem vollen Schein der Wirklich- 
gewesen sei. Pungileoni wandte sich an Pasquale keit in der räumlichen Darstellung der mensch- 
Cotlilfn der sich mit der Mnntuunnr Kuntgn- liehen Gestalt; auch in den übrigen oberitalieni- 
Schichte viui beschäftigte, um aus den dortigen sehen Schulen tritt es zu dieser Zeit nicht hervor. 
Archiven die erwünschte Auskunft zu erhalten; ES iSt Maningnn und Seinen Sniiiilnin linlniianS 
ihn] lißgg 3,111 Herzgn, 0b sich nicht iyggnd ein eigenthümlich. Die SO folgerichtig durchgeführte 
Dokument finden lasse, aus dem sich die Auwe- Vnikiiizilng bedingt aiiei eine S0 fäiiiniiliniie 
scnheit des Antonio in Mnutun zivisclien 1511 Kenntniss des menschlichen Körpers in allen sei- 
und 1513 mit Sicherheit ergebe. Indess fiihrten nen Lagen und Bewngnngen, Wie Sie nur iininii 
die von Codde angestellten Nachforschungen zu die fortgesetzte Arbeit eines ganzen Lebens oder, 
keinem Resultat (s. diesenBriefwechsel bei Carlo Snil Sie rät-Scher CYWOTbSII Weinen, durch iiaS V01" 
(i'm-eo, Arte di Mnntnvn_ 1I_ 240._244)_ bereitende Studium nach einem schon vorhan- 
Alleiu wenn auch alle geschichtlichen Bn- denen Muster ermöglicht wird. Offenbar kam 
weise fehlen; uns inneren Gründen ist nicht Correggio zu dieser Darstellungsweise, deren er 
weniger gewiss , dass der junge Allegri in Man- bald mächtig war, auf dem letzteren Wege. Und 
tua unter dem entschiedenenEinflusse Mantegntüs die Aningilng r die Reniiiiii der Eisniieinnng in 
seine letzte Lehrzeit durchgemacht hnhe_ Hier dieser Weise festzuhalten, empfing er in Mantua 
hat sich die rasche Entfaltung vollzogen, die um SO eher, als der Zllg UfLCll (10111 vollen  
wahrscheinlich schcn in Modsna begonngn, und der Natürlichkeit in seinem eigenen Talente lag. 
hier wurde CQi-i-eggin zum Meisteig S0 grnss Mantila war damals und noch nachdem der 
seine Naturanlage war, sowol ihre glückliche Sitz einer sehr mannigfaltigen und reich ent- 
Entwiclzlung- als bestimmte Eigenschaften seiner wickelten Knnstiibnng, Welche auf den jungen 
Darstellung lassen sich-wenigstens nach einer Antonio tief und nachhaltig einwirken musste. 
Seite  schlechterdings nur erklären durch die lllantcgna, von Lod. Gonzaga seit 1468 berufen, 
gründliche Kenntniss und den tief eingreifenden hatte dort mit seiner Schule die grösste 'l'hä,tig" 
Einfluss der Werke von Mantegna. keit entfaltet in Staifeleibildern sowol als in 
Indem sich in liiantegna mit dem eingehenden monumentalen Malereien. Schon im J. 1474 
Studium der Körperformen nach der Antike die (nicht 1484, Wie die Herausgeber des Vasari Ed. 
naturalistisehe Richtung seiner Zeit verband, L8 Mnnninl", V. 170 und 213 irrthiimlich angeben) 
kam es ihm vor Allem darauf an, auf der gemnl- war ein Hauptwerk des Meisters vollendet: die 
ten Fläche die menschliche Gestalt und ihre Be- Ffßßiäßn in der Cnnlera de" Sposi im Cnstello di 
wegung sowol mit aller plastischen Bestimmt. Corte; im alten Schloss der Gonzaga in den Räu- 
heit ihrer Formen, als mit voller Realität wie im mcn, welche jetzt zum Archivio notarile verwen- 
Raume und an ihrem Platze erscheinen zu lassen. (iet Sinßi- An den Wänden die Familie (iCS LOU- 
Daher sein unabliissiges Bestreben den richtigen Gnnzßgn bis 111 (lßn jüngeren Knaben herab in 
Augenpunkt zu finden, darnach die Darstellung verschiedenen Situationen; die gewölbte Decke 
streng perspektivisch durchzuführen, somit auch grau in grau gemalt mit einer Ornamentation, 
aus demselben die Körperformen zu Verkürzen; welche von zwölf Medaillons mit römischen Kai- 
insbesondere aber noch den Augenpunkt im serbiisten, die von Genien getragen werden, ge- 
Bilde selber so zu nehmen, dass er mit demjeni- bildet ist (S- den Art. liiantcgna). Was von den 
gen des Beschauers sich decke; und weiterhin, Wßnßllnnlßfßißn I10Cl1 erhalten (kaum der dritte 
auch in der malerischen Behandlung, namentlich Tliöiil , effiiiit auch ilßnjßnigen, der die grossen 
in der Freskotechnik, weiter zu gehen als bisher, Werke Ralaets und Michelangelds zu Rom ge- 
um es auch in dieser Beziehung zum überzeu- sehen, mit unbedingter Bewunderung; überwäl- 
genden Schein- der Realität zu bringen. Daher tigend ist der Eindruck der vollen Realität, der 
auch der Versuch den Gestalten ihre volle Run- greifbaren Gegenwärtigkeit des Lebens, verbun- 
dnng zugeben, durch das mannigfaltige Wechsel- den mit der edelsten Erscheinung. Hier scheint 
Spie] von Licht und Schatten und die Ahtönung mit einem Male das Höchste erreicht, und mit 
der Farben je nach der Entfernung. Wir werden Jener ursprünglichen, noch durch nichts abge- 
sehen, wie entschieden dieselben Eigenschaften Scllwäßhten Kraft, welche den bahnbrechenden 
in den Malereien unseres Meisters hervortreten. Gßißllern eigen ist und ihren Werken eine fast 
Vor Allem aber ein hervortretender Zug der- erschütternde Grösse gibt. Und in der That, 
selben, die Verkürzung der Figuren von dem Grösseres hat in dieser Art die Kunst nie und 
Augenpunkte des Beschauers aus genommen, nirgends geleistet. Die Wirkung schon dieser
        

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