Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1596180
iä 
Antonio Allelgri. 
Künstlichen und Gemaehten, die überzeugende an den Meister, und wer immer von Künstlern 
Wahrheit der Erscheinung, ihr gegenwärtiges und Kennern des C. erwähnt, gibt riiekhaltlos 
Leben wiederholt hervor; er nennt das die Auf- der zaubcrischen Wirkung Ausdruck, welche 
richtigkeit und Reinheit des Meisters und drückt Seine Werke auf einen offenen Sinn ausüben. 
dies ein ander Mal so aus: in den Werken der Auch jetzt wieder wird der malerische Reiz her- 
Anderen seien die Dinge dargestellt, wie sie vorgchobcn; aber nicht mehr in dem bedingten 
allenfalls sein können, in den Werken dieses Sinne, wie es das 16. Jahrh. getlntn hatte. Eine 
Mannes aber, wie sie in Wahrheit sind. Anni- sehr entschiedene Bewunderung lässt schon An- 
bale, dessen Sache Reden und Schreiben nicht fangs des 17. Jahrh. Tassoni (in den Pensieri 
war, braucht ungeschicktc liVcndungcn und sagt diversi, Venezia 1627) vernehmen: vPlinins lobt 
selber, (lass er sich nicht deutlich ausdrücken die Malereien des Apelles  mit dem unser 
könne, ahei- ganz wo] wisse, was er meine; und Künstler überhaupt gern verglichen wird  vor 
in der '.I'hat, (lcrSinn seiner Briefe ist klar. Was iillüil anderen wegen ihrer Anmuth, ihrer schü- 
ihn zur BOWllllllCfllIlg hinriss, war die vollkom- nen  ihlT-"Plßizlißllßn Farbe; 31101" 
mene Lebendigkeit, die ganz Nami- scheiiit und wer ist hierin jemals Antonio gleiehgekommen, 
doch über die Realität hinaus immer von der Welcher der lilalerci in der Farbe, im Ausdruck 
höchsten Anmuth ist. Von diesem Eindruck er- des Reizes und der Anmuth (las äusserstc Zicl 
füllt, besinnt er sich keinen Augenblick Cor- gesteckt hat?" Von der Verherrlichung, welche 
reggio sogar über Rafael zu stellen (wie er die- ihm alsdann Sca n n elli angedeihen liess, war 
sen Vergleich näher ausführt, werden wir bei der schon die Rede. (lorrcggio, "Rafael und Tizian 
Madonna des h]. Hieronymus sehen). Eine solche sind ihm die eigentlichen Grössen der Malerei, 
Wirkung war nur möglich durch das Zusammen- und Erstcren bezeichnet er, indem er nach dem 
trefen und die gleiche Ausbildung aller Dar- vMikrokosmus des Menschen" seinen Micmcosino 
stellungsmittel; und dass dies in (lorriägggio der della Pittura, eintheilt, als das Haupt desselben. 
Fzill, dass er nicht bloss Kolorist war, hat Anni- Sieht nian von seiner schwiilstigcn und allegori- 
bale sofort erkannt. Ein Punkt, der freilich sirendcn Darstellungsweise ab, so trifft er in der 
auch nach ihm öfters wieder übersehen worden Charakteristik des liL-ilers im Ganzen doch das 
ist (es wird sich zeigen, wesshalb); doch hat Richtige. Einmal nennt er ihn unter den hervor- 
auch ifAgincourt in einer viel späteren Zeit auf ragenden Vertretern der modernen Malerei Den- 
jene Verbindung Von Zeichnung und Kßlvfit, auf jenigcn, ndcr hauptsächlich das Zicl der schönen 
den "hohen Einklang Mr Fßrlnen und Farben" Natürlichkeit gen-Odem habe. Ein begeistertes 
(1611 Nachdruck gelegt. Lob lasst auch S c a r a m u c c i a (Finezze etc. 
Noch in anderer Hinsicht stellten die Caracci p. 182) vernehmen: uDas ist die achte Quint- 
dcn Meister sehr hoch, ja an die Spitze der gros- essenz der guten Manier; du brauchst nicht wei-  
Sen Maler: in der Eigenthiimliehkeit seiner ter zu suchen. Denn hier sind die kostbarsten 
Kunstweise, der Selbständigkeit seiner An- Juwelen verborgen und alle Kräfte der Kunst, 
schauung. Diese schien übrigens bald nach sei- die in unserem schwierigen Beruf nur denkbar 
nem Tode schon Ortensio Landi (s. oben) erkannt sind.  O du Geist meines Antonio da Cor- 
zu haben, da er ihn den edelsten Meister nannte, reggio, welchen Meister hättest du gehabt, 
"mehr von der Natur gebildet, als von irgend von dem du so himmlische Ziige hättest lernen 
einem MÜlSCGPH. Auf die Eigenart Cfs kommt könnenrri 
Annibalc in seinem zweiten Briefe an den Oheim Im 18. Jahrh. standen dann die Künstler so- 
vom 28. April 1580 ausführlich zu sprechen: wol als das kunstgonicssenrle Publikum geradezu 
nDie Gedanken des Correggio sind seine eigenen unter der Herrschaft der corregesken Malerei. 
Getlanken, seine eigenen Erfindungen gewesen; Die Reisen von kunstgebililetenAuslanilern nach 
man sieht, dass er sie aus seinem Kopfe ge- Italien kamen damals in Gelnauch; ihnen folg- 
holt und aus sich gefunden hat, indem er dann ten in Briefen und Berichten die lllitthcilnngeii 
bloss die Natur damit verglich. Alle Alltlüfüll iiber die empfangenen Eindrücke. So verkün- 
haben sich auf etwas gestützt, was nicht ihr detcn jetzt nicht bloss die eigenen Landsleute, 
Eigen war, die Einen auf's Modell, die Anderen sondern auch die lilrennlen den Ruhm Correggids. 
auf Statuen oder auf Kupfcrsticheii. Auch das Die Kunst- und Reiseberiehte der Blain ville, 
I7.Jahrh. versäumte nichthjene Eigenschaft riih- Richard, Rich a rdson, De La Iran d v, 
mend hefvofzuhoberp so findet sich in BC-iiufi COOllill, D0  YOSSCS Sillfl VOll BOWlllHlGYIlllg 
(Vite de" pittori etc. Rornaliw?) die Acusserung: für den Meister; auch von ihnen riiumen ihm 
 vorziiglichste unter den Loinbardcn (womit Manche den Vorrang sogar vor Rztfael ein. Bis- 
eben C. gemeint ist) hat nur die Natur nachge- weilen, wie z. B. bei Cochin, tritt freilich noch 
ahmt (d. h. er ist keincratndercn Kunstweisc ge- der Vorwurf inkorrelrtc1' Zeichnung auf; allein 
folgt) und hat sich seine Art ganz aus sich bloss aus ilem Gesichtspunkte einer bestimmten 
gebildete klassischen Schule und ohne der Begeisterung 
Für das 1T. Jzihrli. gab iibcrhztupt das Urtheil Eintrag zu thun. Damals erwachte auch wieder 
der Caracei den Ausschlag. Doch hatte es schon das Interesse an der Person, am Leben und an 
aus eigenem Antrieb eine unbefangene Hingabe den Schicksalen des lllalcrs; auf die Versuche
        

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