Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1596141
 
derte, seine Malereien zu besprechen und zu ta- sioni ehe ordinariamcnte opprimono gli uomini). 
deln (d. h. also zu kritisiren) , obgleich sie vor- Doch ist, was Vasari näher mit diesser Aeusse- 
ziiglich und bcwundernswerth waren, indem er rung gemeint hat, nicht zu ermitteln Dass el- 
die Ehrenbezcugung und Hochachtung Anderer den Nachdruck auf die Leidenschaften und ihre 
fast als Spott aufnahm". Das ist in de1' Weise schädliche Wirkung legen wollte, scheint sich 
jener Zeit etwas stark aufgetragen; aber der schon aus dem Gegensatze zu ergeben, darin er 
Zug Sicht dchl Mcllhc nicht nhgicich, (ich ih Sci' diese Seite des Charakters mit der natürlichen 
ner Art immer die höchste Vollendung anstrebte Güte stellt El- meint wol; C_ ssi mehr als bll- 
und sich nicht leicht genug that. Uebrigens auch lig von den Leidenschaften überwältigt werden 
hier wieder der Zug einer übergrossen Beschei- und habe hinterher dies oder doch die Folgen 
denheit, der an äusserer Glaubwürdigkeit nun beklagt, die er davon zu erleiden gehabt. Nichts 
11m so mehr gewinnt, als Lomazzo sicher aus in der 'l'hat ist unwahrscheinlicher, wenn hier 
einer anderen Quelle denn Vasari schöpfte. Ge- unter den gewöhnlichen Leidenschaften diejeni- 
schätzt, verehrt, bewundert zu werden, war der gen der Sinne verstanden sein sollen. Eine auf 
Meister offenbar nicht gewöhnt, und nichts that Genuss angelegte und begierige Nkttllf war Cor- 
die Mitwelt, sein Selbstgefühl zu heben. rcggio sicher nicht; auch Widersprüche dieser 
Zug der eigenen Schilderung Vasarfs. Ganz 
IV- Schi Vcimcihiiichcß Ungiücih falsch aber wäre es, von dem Reiz der sinnlichen 
Hier thut sich nun die Frage aniii 0h dieSeS Erscheinung, der sich in seinen Bildern findet, 
Missverhältniss zwischen seiner hohen Bega- auf maßlose Sinnlichkeit im Menschen zurück- 
hhhg, dcich cl" sich Sichch hcWhSSt gcWcSch, hhd zuschliessen. Denn so gross und gcwinnend je- 
dem eng begrenzten Gebiete Seinef 'lThätiglwit, ner Reiz ist, er geht ganz auf in der mztlerischen 
der knapp zugemcssenen Anerkennung nicht Schönheit und hat daher immer in seiner Wir- 
doeh auf sein Gemüth drückend zurückwirkte. kung um ideales Elenlcnt; so Wenig er leiden- 
Dass sein Rnhln nicht dcY Kraft chtcpmcih dic schaftliches Verlangen erweckt, so wenig ist er 
er in sich fühlte, konnte ihn das nicht noch mehr einen] solollsn entsprungen Uml Wllre der M61- 
eingeschüchtert, noch mehr in sich zurückgetrie- stsl- Liebschaften, slnsnl ausgelassenen Leben 
ben haben"? Ihm konnte nicht verborgen sein, und etwa gar (lsl- Flssslls ergeben gewesen, 
wie Rafael und Michelangelo, deren Namen ganz slsllsl- Wüsste die Sage davon Allerlei zu berlcll- 
iidiich criiiiiiic, (idihais zu Rcih gciicicili Wdhdch ten.  Meint aber Vasari nur, dass C  den Druck 
und von Päpsten und lflireten die glänzendeten der kleinen Leidenschaften des täglichen Lebens 
Aufträge cihicitch, Wiiilichd ci' ih Panne für schwerer als nothwendig empfunden habe: so 
Nennen nnd Mönehe Zn Indien ildtlie- Dic hähc- werden wir gleich sehen, wie auch einem solchen 
iicgchl-ic Vchgicichiihgihiiscihcih cigchch Schick" Charakterzüge die Eigenthümlichkeit desKiinst- 
sal mochte leicht zu düstern Gedanken führen. lers widei-spricht. 
Wie man auch Vasarfs Werte nehmen nntg, dass Doch man muss sich überhaupt hüten, Vasarfs 
er den llleißter nicht füfgiiicklieh gehalten, lässt Worte allzu genau zu nehmen; weder ist er in 
sich deutlich hcrausfühlen. Auch darauf spielt seinen Ausdrücken immer glücklich, noch zeich- 
der Biograph an, dass dem Künstler der Lohn net er sich durch logische Gcdztnkenverbindung 
nicht Wllfde, der ihm gebührte. Er bemerkt aus. Mit jenen Betrachtungen über Charakter 
einmal: vSicherlich war Antonio bei seinen Leb- und Leben des Mannes wollte er wahrscheinlich 
zeiten jeder Gunst und jeder Ehre wcrth, wie nur dies sagen: an der Bürde eines dürftigen 
nach Selncm TcdcjcdcS lniindliehen und Schrift- und mühsamen Lebens hat der arme Corrcggio 
liehen Nachruhnisc. Dass er aber an "Gunst und in jeder Beziehung schwer getragen. Er zählt 
Ehre" seinen grossen Zeitgenossen nachstand, dann diese Leiden einzeln auf: zu schier eigenen 
 konnte er das nicht selbst empfunden haben? Beschwerde habe C. für die Familie arbeiten 
Und S0 Wlife dchiihdf, jchcT Vchhlhihhhg, Sein müssen; menschliche Leidenschaften setzten ihm 
Missgeschick wäre ihln zu Herzen gegangen, ohnedem zu (um so schlinlmer, mochte (lerglück- 
läge doch Etwas, wenn auch noch so wenig zu lichere Biograph denken, der das Leben ziem- 
Gl-ulllll; lich leicht nahm  um so schlinuncr, da ihm die 
Einen anderen Zug noch fügt Vasltri hinzu, die Noth auf dem Nacken saß); sogar sclne 
der, wenn er wirklich im Wesen Cfs lag, ihm Kunst machte er sich so schwer wie nur möglich. 
manche trübe Stunde bereiten musste. wObnjltaich Und woher diese Meinung des Aretiners, der 
von natürlicher Güte, so sagt Vasari, bvtrübtc von dem inneren Wesen des Mannes höchstens 
er sich mehr als billig darüber, dass er dieLasten durch llörensagen wissen konnte? Weil er 
jener Leidenschztften trage, welche gewöhnlich Schlüsse zog aus der äussern Lebenslage, wie 
die Menschen bedrängen"; d. h. dass er jenen sie aus der Ferne seinen Augen sich dar- 
Leidenschaftexi unterlag, welchen die meisten stellte. Dem Schützling der lllcdici und einer 
Menschen unterliegen. Nur so kann die Stelle Reihe von Piipsten musste die Stille dieses klei- 
verstandcn werden (ancora ehe e' fusse tirato da neu Daseins, in dessen bürgerlichen Grenzen 
una bonta naturale, si afliigeva nienterlimatnco des SeiliCk-Sal des Menschen wie die Lauf" 
piü del dovere nel portare ipcsi d_i (lnclle pas- bahn des Künstlers beschlossen blieb, küm-
        

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