Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1596085
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Antenio 4929; 
und die nur denen erwiesen wurde, die sich um lichte der Sagen spielen. Namentlich hat Vasari, 
die Brüdersehaft besonders verdient gemacht da er von dem wirklichen Verlaufe desselben 
hatten. Dagegen wussten nicht einmal die Be- nichts zu berichten wusste, mit Zügen es ausge-  
wohner Parmals, was sie an dem Meister hatten, stattet, die zwei Jahrhunderte lang die Person 
der in ihren Mauern seine vornehmsten Werke und das Schicksal des Meisters in ganz verkehr- 
hintcrlassen. Wie sie eines derselben schon bei ter Beleuchtung gezeigt haben. In seiner Schil- 
seinen Lebzeiten aufnahmen, werden wir später derung erscheint C. als ein Mann von zaghafter 
sehen. Dass sie ihn aber noch weniger nach sei- Gemiithsart, der zudem, obschon von einer ge- 
nein 'l'ode zu schätzen verstanden und kaum mehr wissen Gutherzigkeit, an der Last der gewöhn- 
nach ihm und seinen Bildern frügßll, bekundet liehen Leidenschaften zu seinem eigenen Scha- 
deutlich ein Brief des Annibale Caracci an sei- den schwerer getragen habe, als sich zieme. Weil 
nen Oheim Lodovico, dat. von Parma 28. April er arm gewesen, habe er mit fortgesetzter An- 
1580. Darin heisst es : vIeh könnte verrückt wer- strengung und Beschwerde arbeiten müssen, um 
den und weinen darüber, wenn ich mir das Un- seine Familie zu erhalten; daher auch ohne Un- 
glück des armen Antonio nur vorstelle. Ein so terlass zu sparen gesucht, und so sei er schliess- 
grosser Mensch, und hier zu Grunde zu gehen, lieh so geizig geworden wie nur möglich. Daran 
in einem Lande, wo er nicht verstanden, nicht knüpft dann Vasari das bekannte Mahrchen von 
zu den Sternen erhoben wurde , hier elend ster- seinem Tode. Es sei ihm, so erzähle man sich, 
ben zu müssena. Freilich hatten , wie Annibale in Parma eine Zahlung von 60 Scudi in Kupfer- 
schon vorher bemerkt, die Parmesaner damals münze gemacht worden, damit beladen sei er 
wenigstens nur Sinn für Essen, Trinken und nach Correggio zu Fusse gegangen; und da er 
Liebschaften. Ob Allegri wirklich unglücklich unterwegs bei grosser Hitze einen kühlen Trunk 
gewesen, ist eine andere Frage. Dass er aber Wasser genommen, habe er sich ein heftiges Fie- 
unter den Einwohnern von Parma so wenig, wie ber zugezogen, von dem er nicht wieder aufge- 
nach seinen Werken, nach seinem Leben und standen. Wie albern einlsolches liliihrchen an 
Schicksal bekannt war, geht schon daraus her- sich schon ist, hat mit Recht Tiraboschi be- 
vor, dass Caracci meinte, er sei in Parma gestor- merkt: eine solche Summe in Kupfer (die wol 
ben; ein Irrthum, der doch zu allererst eben dort einer Last von dreibis vier Centnern gleich ge- 
seine Br-iichtigung hätte finden sollen. wesen wäre) zu schleppen, dazu hätte es eines 
Goliath bedurft. 
II- Dle Erzählungen d" Vasarh Weitem SEE" In Folge der Anekdoten Vasarfs war bald das 
Bildnis! C198 Küßitlßrß- Unglück des Malers eine ausgemacahte Sache. 
Begreiflich, dass ein so stilles, in engemKreise Scannelli, der um die Mitte des 17. Jahrh. es 
besehlossenes Leben, von den Zeitgenossen kaum sich sehr angelegen sein liess, C. als den grössten 
beachtet, bald ganz vergessen war und jetzt Meistern ebenbürtig- zu verherrlichen, ergreift 
kaum in seinen Hauptmomenten aus dürftigen zugleich jede Gelegenheit, von seinem Elend 
Urkunden herzustellen ist. Alles traf zusam- und seinem armseligen Leben zu sprechen, um 
men, dies abgelegene Dasein in ein immer tiefe- von dieser dunklen Folie das Licht des Genius 
res Dunkel zu hüllen. Die Laufbahn des Kün s t  um so glänzender abzuheben. Doch mag er wirk- 
lers enthielt kein Ereigniss, welches tiefer in lieh daran geglaubt haben; entgegenlautenrle 
sein Schicksal eingeschnitten, dem Gange des- Nachrichten waren nicht vorhanden, und auch 
selben eine neue und besondere Richtung gege- Annibale Caracci scheint der gleichen Ueber- 
ben hätte. Andrerseits hatten offenbar die ver- zeugung gewesen zu sein. Noch mehr ist wei- 
sehiedenen Wendungen seines Lebens eben so terhin die Fabel von der Armuth Cfs ausge- 
wenig einen tieferen Einliuss auf seine künst- schmückt worden. Die Wohnung des Malers, so 
lerisehe Wirksamkeit. Daher fällt auch von die- versicherte ein Giuseppe Bigellini in einem Briefe 
ser, den Werken, die uns von ihr, den Naehrich- datirt von Correggio, 10. März 1688 (in der 
ten, welche uns über sie erhalten sind, kaum ein Sammlung des Bottari, III. 499) , sei vielmehr 
Licht auf jenes, auf des Meisters Leben. Zudem die Hütte eines Bettlers gewesen; worauf dann 
ist C. über die nächsten Granzen seiner Heimat, Linguet in seinen Annalen erzählt, dass A. in 
die abseits lag von den grossen Mittelpunkten einem Dorfe vor Elend umgekommen sei und 
der italienischenKultur, kaum hinausgekommen. nach seinem Tode der Hunger noch seine Kin- 
Die Vermuthungen , er sei in Bologna und Rom der gepeinigt habe. Auch der Padre Sebastiano 
gewesen, sind unbegründet; es spricht vielmehr, Resta (s. weiter unten) wusste die Sage von Cof" 
wie sich zeigen wird, Alles dagegen. Daher reggids Armuth mit allerlei neuen Erzählungßn 
wussten die Zeitgenossen, wenn er auch als lebendig zu erhalten. Neuerdings hat sich be" 
Künstler zu einen; gewissen Ruf kam, so gut kanntlich die Romantik dieses rührenden K01!" 
wie nichts von seiner Person und den Wandlun- iiikteseincr grossen Künstlerseele mit dem Elend 
gen seines Daseins. Und als man endlich dar- bemächtigt,undOehlensehläg-erinseinemTrauer 
nach frug, da waren Leben und Persönlichkeit spiele Correggio (1815) aus der Mischung jene? 
in tiefen Schatten zurückgetreten, Anekdoten mit eigenen Zuthaten VOII der kraß" 
Um so mehr aber liess man Beide nun im Zwie- sesten Unwahrscheinlichkeit ein so jämmerlichßß
        

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