Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1596066
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_Antonio Allegri. 
ser Meister der durchaus malerischen Anschauung ein ebenso begeisterter Bewunderer des Meisters. 
und Behandlung nach Einer bestimmten Seite Er war zugleich unter den Ersten, die dem Leben 
ihren höchsten Ausdruck gegeben. Er hat den und den Werken desselben genauer nachforsch- 
ganzen Reiz der Erscheinung in jenem Spiel des ten; wenigstens sammelte er die wenigen über- 
Liehtes erfasst, das die Welt der Formen und lieferten Nachrichten und theilte mit, was er von 
Farben zugleich heraushebt und doch wieder in seinen Bildern aus eigener Anschauung hatte 
seinem eigenen Schimmer auflöst; er hat damit kennen lernen. 
den momentanen Zug des Lebens in seiner freie- Denn über keinen der grossen Meister des 
stcn Bewegung verbunden. Diese von keiner Cinquecento sind wir so dürftig unterrichtet, als 
Strenge mehr gebundene Bewegthcit derErschci- über Corrcggio. Nicht sogleich, während seines 
nung, die im Lichte ihr ganzes Leben ebenso Lebens oder nach seinem Tode, trat sein Einfiuss 
offenbart als prcisgibt, ist modern noch in einer hervor. Die florcntinische Schule, wie sie in 
weiteren Bedeutung des Wortes, als Vasari es Rom sich weiter ausgebildet, und die venctia- 
verstand. Wir werden sehen, wie sich darin zu- nische bestimmten vorwiegend die Kunstweise 
gleich das moderne Verhiiltniss des Geistes zur in der zweiten Hälfte des 16. und am Anfange 
Welt und zum Christenthum in der entschicden- des 1T. Jahrh. Nicht einmal eine eigentliche 
sten Weise ausspricht. Schule hat C. hinterlassen. Dazu kamen die 
Dieser Stellung entspricht, dass sich Correggio Stille und Vcrborgenheit seines abseits von den 
fast wie mit einem Schlage von den Normen der grossen Kunststätten einfürmig verfiiessexiden 
vorangegangenen Kunst losgesagt und sofort für Lebens. Die bekannteren unter den zeitgenössi- 
die neue Anschauung, so- weit sie von ihm aus- sehen Schriftstellern nennen ihn nicht einmal; 
ging, das Höchste geleistet hat. Neben Miehel- Ariosto, der doch in derselben Gegend Italiens 
angelo hat er auf die Kunst des 17. Jahrh. den geboren war, gedenkt seiner nicht, wo er in sei- 
grösstcn Einfluss geübt, noch tiefer aber der Ma- nem Orlando furioso die grossen Maler des Zeit- 
lerei des darauf folgenden Zeitalters seinen Cha- alters riihmend aufzahlt. Von Autoren, welche, 
rakter eingeprägt. Sein Studium haben sich ins- wenn auch jünger, noch mit C. gelebt haben, 
besondere die Caracci angelegen sein lassen; er erwähnen ihn nur Lodovico Dolce und Or- 
gehörte zu den Vorbildern, nach denen sie die in tensi o L a ndi. Letzterer (im Anfange des 16. 
ihren Zeitgenossen gesunkene Kunst zu erneuern Jahrh. geboren) widmet in seinen Sette Libri 
traehteten. Andrerseits hat von ihm die Kunst de' Cattaloghi a varie cosc appartenenti (Vinegia 
des Rokoko nicht bloss die nachhaltigste Anrc- 1552. p. 498) dem Meister eine kurze Notiz. Auch 
gung, sondern geradezu das Muster empfangen, diese ist ziemlich lange nach dem Tode Cfs ge- 
darnach sie im malerischen Schmuck ihrer Kir-- schrieben, als Landi nach unstetemWanderleben 
chen und Paläste eine in ihrer Art unläugbare endlich in Venedig sich niedergelassen hatte. 
Schönheit erreicht hat. Merkwürdig, wie der- Das Buch, eine sonderbare Sammlung von ku1'- 
selbe Meister in dem einen Falle die akademische zen, zum Theil satyrischen Nachrichten über 
Erneuerung der Kunst, gegenüber den Manie- merkwürdige Personen und Begebenheiten aller 
risten, mitbewirkcn, in dem anderen eine Malerei Art aus der Alten und Neuen Welt, gibt einmal 
hervorrufen konnte, die bei allem Reiz doch von auch ein höchst lückenhaftes Verzeichniss adcr 
Manier nicht frcizusprechen ist. Neueren, welche in der Kunst des Malens tüch- 
Allein dies gerade bezeichnet die weittragcndc tig sind und gewesen sindw; darunter Meister, 
Bedeutung Correggids, sowie seine eigenthiim- deren Gediichtniss entschwunden ist, und An- 
liche Stellung im Wendepunkte zweier Epochen. dere, die erst in zweiter Linie kommen, während 
Was auf die Caracci so grossen Eindruck machte, Leonardo u. Michelangelo gar nicht erwähnt wer- 
war nicht bloss der vrcinc und vornehme Stile den. In dieser gemischten Gesellschaft ist iibri- 
des Meisters (Worte im Sonette des Agostino gens des Correggio noch am ausführlichsten ge- 
Oaracci, s. diesen) , sondern die malerische Er- dacht: vAntonio Allegri von Correggio, ein sehr 
scheinung, welche mit der Fülle des Lebens den trefflicher Maler, mehr von der Natur als von 
Zauber einer sinnlichen, aber unbefangenen irgend einem Meister gebildet, von welchem man 
Schönheit verbindet. Eben dies, freilich abge- unter anderen vorzüglichen Werken die Geburt 
trennt von jener edleren Eigenschaft, entsprach unseres I-lerrn in einer Kapelle der Kirche S. 
durchaus dem Zeitalter des Rokoko und bc- Prospero in Reggio sieht; in Parma ist eine Kup- 
stimmte seine Kunst. So bildeten die Caracci pel von seiner I-Iand gemalt; Keiner malte besser 
selbst, indem sie das Studium des Allegri ver- als er die Kinder, Keiner besser die Gewänder 
breiteten, den Uebcrgang zu dieser Malerei des und die Haare wie nach dem Leben; er starb 
18. Jahrh. Wie aber jede ncubcginnendc Kunst- jung, ohne Rom gesehen zu habem. Ob sich 
epoche, welche auf die grossen Vorbilder zurück- Landi mit diesen Bemerkungen an Vasari an- 
greift, nothwendig auch wieder an Correggio an- schloss, dessen Werk kurz vorher, im J. 1550, 
knüpft, der doch in der eben ablaufenden Periode in erster Ausgabe erschienen war, oder 0b 61' 
noch fortwirkt: das zeigt sich von Neuem in Ra- von seinen italienischen Reisen her jene Bilder 
facl Mengs. Dieser, mit ähnlichen, wenn auch aus eigener Anschauung kannte, ist ungewiss- 
schwächeren Bestrebungen, wie die Caracci, ist Auffallend bleibt, dass er das Geschick Cfs im
        

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