Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1595740
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Alessandro Algardi. 
Modelle lieferte, den der hl. Lucia, der in Rom 
ausgeführt wurde, und den der lih. Crispin und 
Crispinian von 1650. 
IV. Algardik ausgebreitete Thätigkeit. Arbeiten für 
das Ausland. Sein Ende. 
Algarrli war von Rein aus, wie wir gesehen) 
(grosse Reisen scheint er nicht gemacht zu( 
haben), für die verschiedensten Städte Italiens) 
thätig. Er nahm unter den Zeitgenossen um die) 
Mitte des Jahrh. eine hervorragende Stelle ein und  
wurde in seiner Kunst ebenso hoch geachtet als 
Guido Reni in der lllalerei. Seine Werke wurden 
nach allen Seiten verlangt; Manches davon, was 
unter seinem Namen ging", mochte von Sehülerhaud 
ausgeführt sein. Von seinen Werken in Italieni 
sind vornehmlich noch zu nennen: Kruzifix über 
Lebensgrösse in S. Ignazio zu Rom (Bronze); 
Statuettc des hl. Michael in der Sakristei von S.  
Miehele in Bosco bei B o l 0 gn a; Statuen der hh.  
Proculus und Antonius in S. Maria della Vita zu  
Bologna (Marmor); Kruzifix in der Sakristei 
von S. Pietro zu Pe r ugia (Bronze; bezahlt mit 
70 Saudi) ; halb erhabener Christus für den) 
neuen Molo von Malta.  
Aber auch für das Ausland fand A. vielfach 
Beschäftigung. Dureh die Vermittelung des Ma-' 
lers Diego Velazquez, der 1650 nach Rom kam, 
erhielt er bedeutende Aufträge für den König 
Philipp IV. von Spanien. Darunter werden 
namentlich erwähnt vier Kaminverzierungcri, 
welche die vier Elemente durch mythologische 
Darstellungen des Jupiter, der Juno mit den 
Winden, des Neptun und derCybele schilderten. 
Ausserdem fertigte er für Philipp IV. die M04- 
delle zu den vier Jahreszeiten; doch gingen die 
Bildwerkc selber, erst nach seinem Tode von 
seinen Schülern Guidi und Ferrata ausgeführt, 
durch Schiffbruch zu Grunde. In Spanien schreibt 
man dem Meister noch die Figuren am Brunnen 
des Neptun in Aranjuez zu, sowie die Grab- 
denkmäler der Grafen von Monterey und seiner 
Gemalin in dem von ihnen gestifteten Kloster 
Las Agustinas recoletas zu Salamanca.  
Naeh Frankreich lieferte A. für die Magda- 
lenenkirche zu St. Maximin in der Provence 
eine vergoldete Statue der Heiligen auf einem 
Porphyrsarkophage und ein lNIarinor-Relief der 
Himmelfahrt der Magdalena für die nahegele- 
gene Höhle St. Bauine. 
Sein letztes Werk war die Ausschmückung 
der Kirche S. Nicole di 'l'olentino in Rom, de- 
ren Ausführung er indess schon ganz seinen 
Schülern überlassen musste, da ihn Kränklieh- 
keit und zunehmende Korpulenz an der Führung 
des Meissels hinderten. Er selbst hat nur die 
Zeichnungen und Modelle zu dein Hoehaltare 
vollendet; die Fassade der Kirche ist erst 
nach seinem Tode von Gio. lilaria Baratta 
erbaut. Ein Relief für S. Agnese an Piazza 
Navona (Darstellung des zum Schutze der Hei- 
ligen geschehenen Wundere) wurde nicht ausge- 
führt; das kleine Modell dazu aus gebranntem 
Thon ist über dem Altar der Unterkirche aufge- 
stellt. Auch in SS. Luca c Martina befindet sich 
von einer Kreuzabnahme nur das Modell aus 
Terracotta. 
Die wenigen Jahre, die Algardi nach der Voll- 
endung des Attila noch lebte, waren durch sei- 
nen leidenden Zustand getrübt. Während seine 
aussere Lage durch einen gewonnenen Erb- 
schaftsprozess erheblich verbessert war, verdü- 
sterte sich seine Stimmung, u. sein Bruder, der 
ihm bei der Betreibung des Prozesses von gros- 
sem Nutzen gewesen, sowie seine Schwester, die 
ihm den Haushalt besorgte, hatten von seiner 
Launenhaftiglteit zu leiden. Ersterer starb, und 
letztere sah er sich genöthigt, auf wiederholtes 
Andriirgen der Freunde, zu verheiraten und an- 
gemessen auszusteuern. Algardi fühlte sich ver- 
einsamt, da er ohne Familie war, u. starb, trotz 
alles Ruhmes nicht glücklich, am 10. Juni 1654. 
Er ist in S. Giovanni e Paolo zu Rom bestat- 
tet; sein Grabmal zierte Dom. Guidi mit seinem 
Marmorbilde.  Zu seinen besten Schülern zäh- 
len ausser diesem; Ereole Ferrata, Girol. Lu- 
eenti, Gius. Peroni, Franc. und Gio. Maria 
Baratta. 
s. Bellori, Vite de' Pittori etc. Roma 1728. 
p. 148-161.  Passeri. Vite de, Pittori etc. 
Roms 1772. p. 196- 216.  Baldinueci, 
     
Roma hloderna. Roma 1689. pp. 301. 534.  
Ratti, Pittura etc. in (lreixova. See. Ed. Genova 
1780. p. 202.  Masini, Bologna pcrlustrata. 
Terza impr. l. 144.  Pitture etc. della Cittä 
di Bologna. Bologna 1792. pp. 19. 80. 202. 381. 
427.  Milizia, Memorie degli Architetti. Bo- 
 logna 1827. II. 229-232.  A. Conca, De- 
 scrizione odeporica della Spagna. Parma 1793 
 bis 1797. 1. 320. 11. 352.  Ford, Handbook 
for 'l'rav. in Spain. p. 525.  Campori, Ar- 
tisti etc. negli Stati Estensi. Modena 1855.  
Labarte. Arts industriels. I. 256.  Burck- 
hardt, Cicerone. 2. Aiifl. pp. 370. 693. 711. 
Fr. W. Ungar und J. Meyer. 
Sein Bildniss : 
Brustbihl in Medaillen, Proiil. Gest. von Guil. 
Vallet. kl. 4. Dies B1. liess später 
Odieuvre für seine wiFurope illustrea re- 
tuschiren. Neue Aufl. (ialerie des Artistes 
etc. Paris 1836. Fol. No. 28. 
 Dass. Gest. von Filippo de Grad o. In Bel- 
lori, Vite etc. N0. 11. 
 Dass. O. Oolombini so. In Serie degli 
Uomini illustri in Pitt. N0. 145. 
Man hat Algardi auch zum Kupfersteeher ma- 
chen wollen und ihm nicht blos Werke der Aetz- 
nadel, sondern sogar auch des Grabstichels zu- 
geschrieben. Diese Meinungen sind jedoch ganz 
willkürlich und werden durch keine sichere An- 
gabe unterstützt. 
a) Angeblich von ihm gestochen: 
1) Christus am Kreuze. Alex. Algardus Inuent. 
Romae, ex oflicina Donißi. de Rubeis etc. gr. F01.
        

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