Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1595716
iläsiagldro Algardi. 
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und Marmorwerke in der Sammlung des Herzogs. begeben, sah er sich noch mehrere Jahre haupt- 
Da er einst ein antikes Onyx-Gefäss fallen liess sächlich darauf angewiesen, mit Restaurationen, 
und noch glücklich genug aufiing, liess der Her- deren er namentlich mehrere an Antiken aus- 
zog dasselbe durch ihn mit goldenen Henkcin führte, welche Mar-io Frangipani nach Frank- 
versehcn, um es vor einem ähnlichen Unfalle zu reich schickte, so wie mit kleinen Kruziiixen, 
schützen. Gerade hierdurch reizte es bei der Elfenbeinsclinitzereien, Modellen für Gold- 
Erstürmung von Mantua im J. 1630 die Habsucht schmiede und Zeichnungen für Kupferstecher 
der feindlichen Soldaten. Bei dieser Plünderung seinen Lebensunterhalt zu erwerben. Man kennt 
wurden auch die zahlreichen kleinen Arbeiten vi-er Blätter, die nach seinen Zeichnungen ge- 
Algardis zerstreut; manche derselben sind in stechen und mit seinem Monogranim versehen 
verschiedenen Sammlungen mit ähnlichen Er- sind (s. Stiche a No. 5, b N0. 22-24). 
zeugnissen niederliinrlischer Meister vermischt, Erst mit seinem 38. Jahre fand Algardi Ge- 
so dass es jetzt meist unmöglich ist zu unter- legeuheit, iu ltIai-iuoi- zu arbeiten; nur deckten 
scheiden, was ihm davon mit Recht oder mit die ersten Aufträge, die ihm zuTheii wurden, 
Unrecht zugeschrieben wird. So gilt ein elfen- kaum die Kosten. Die erste Bestellung machte 
beinerncs Kruzifix in der reichen Kapelle zu Pietre Buerieempugur Es wirr die 1540 vollen- 
München flif seine Arbeit, das übrigens ä-Uilii sein dgte Kolossalstatug des   Nel-i mit dem 
kann, (in din iiiiyiisßiinn idiiisinn die Schönsten knieenden Engelüberdem Altar derChiesa nuova 
Arbeiten dieser Art in Italien selber kauften. (Sah Maria in Vailicena) zu Rom Diese 
Graf Ccloni in Mailand gab ein Klavier von ver- trug insbesondere dazu bei, Seinen Ruf zu be- 
gnidntein Holz mit einem 25Fi1SS iiinännriliiiiinpil" gründen. In Folge dessen hatte er für den Haupt- 
zug der Amphitrite ebenfalls für ein Werk Al- alter der Barnabitenkirclie S. Paolo zu B0- 
gnidiyn aus (AUSim Wßöftil, Kllnsllbi- 1855- logna eine ähnliche Gruppe, die Enthauptung 
P- 95l- des Paulus, auszuführen. Die Vorderseite des 
Zii Sninni Weiinin Ansbiidiing sandte dei HCY" Altars schmückte er mit einem BIODZtVMGGaiHOD 
zog den jungen Meister nach Venedig, WO 81' mit dem Wunder der drei Brunnen, die aus dem 
einige Monate blieb, und dann nach Rom. Hier Blute des enthaupteten Apostels entspringen. 
1625 angekommen, erhielt er vom Kardinal Lu- Auch sollte er das Grabmal Leo's XI. mit der 
dovisi, an den er empfohlen war, den Auftrag, AbSciiWÜruiig' Heinrichs IV. von Frankreich in 
eine Anzahl antiker Statuen aus den Garten des Relief liefern; allein er konnte aus Mangel an 
Sallust auf dem Monte Pincio, worunter nanient- Mitteln die Arbeit nicht vorwärts bringen. 
lieh ein Merkur hervorgehoben wird, zu restau- Um uuu dem Rufe zu begegnen, als 0b er der 
riren. Dabei verfiel übrigens A. in "denselben Ausführung iu Marmor nicht gewachsen Sei, 
Fehler, wie die meisten Restauratorenjener-Zeit: fertigte Aigurdi einen Genius des Schlafs aus 
(iiesen War es ineisii mein" iiin eine fänfiiiiige Wii" schwarzem Marmor, der allgemeine Bewunde- 
kung, als um die wahre Bedeutung des Tiorso zu rimg- erregte_ sogar von Manchen für antik ge- 
thun, und so überarbeiteten sie schonungslos oft iiaiieu und iu der Villa Borglie se aufgestellt 
auch die wolerhaltenen Theile desselben. Dies wiirdr, Auch seine poetische Verherrlichung 
bezeugt namentlich der Herkules mit der Hydra fand das Werk in einer Sammlung von gedieh- 
aus Palast Verospi im kapitolinischen Museum ten, Weiche damais Seipione dem, Statfa ver- 
(S. J. M. Wagner im Kunstbl. 1830. p. 227). öü-entiichtg 
Doch gab der Kardinal dem Künstler auch Ge- 
legenheit zu einer ersten selbständigen Marmor- II. Algardrs beste Zeit. 
arbeit: in einem Gegenstück zu einem Knaben, Aber Algardfs Glüekgteru ging erst auf, als 
der Voll eillßisciiinnße gebissen Wiid- Aignidi Innocenz X. aus dem Hause Paniili 1644 den 
Silßiiin diesem Biide der Uebei'iiSiniiä' eine Aiie- päpstlichen Stuhl einnahm und dadurch Fürst 
äniie der iiniiniiingennii Siniiniiieii gegenüber, Ludovisi, der in der letzten Zeit den Kirchen- 
die indessen keinen iiesnndßien Bnifßii fand- staat hatte meiden müssen , nebst mehreren Bo- 
Dureh den Tod des Herzogs von Mantua ver- lognesern Ansehen und Einfluss gewannen. Diese, 
lor Algardi dessen Unterstützung und sah sich empfahlen ihren Landsmann dem Papste und 
gezwungen, selbständig seinen Unterhalt zu veranlassten ihn, in den Dienst des Nepoten 
suchen. Er schloss sich nun an Dominichino an, Camillo Panlili zu treten. Carnillo übertrug dem 
der bei Lud. Caracei sein Mitschüler gewesen Algardi den Bau und die Einrichtung der Villa 
war, und suchte sich dessen Kompositionsweise di Bclrespiro vor Porta S. Pancrazio (Villa 
für das Relief anzueignen. Als dieser in der Doria Panfili). A.jedoch, der damals noch 
Kapelle der Bandini in S. Silvestro auf dein wenige architektonische Studien gemacht hatte, 
Quirinal malte, empfahl er Aigardi zur Ausfüh- legte der Anlage einen von Püllüdldß Plänen 
rung eines Evangelisten Johannes und einer zum Grunde und überliess den eigentlichen Bau 
büsseiiden Magdalena in Stuck für zwei Nischen dem Antenori. Er seinerseits sorgte tiir die An- 
der Kapelle. Mit diesen Werken errang sich A. Schaffung und Restauration der zahlreichen An- 
den ersten Erfolg. Doeh ging es ihm vorerst tiken, mit denen diese Villa besonders an der 
noch schlecht. Da sich Doininichino nach Neapel Aussenseite des Kasino geschmückt ist, und
        

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