Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1595468
276 Galeazzo Alessi. 
 
ben), Cambiaso (mit llIarnior-Fassade), Brig- fel zugleich seiner feineren Begabung zuzu- 
nole (gewöhnlich Palazzo Rosso genannt), S pi- schreiben ist. 
nele, Glotgld Dorial PelleVlelnd und Zweierlei freilich ging in dieser Architektur, 
A d 0 I'll 0- Alleserdem sind Weh l" endeten was den Fassadenbau anlangt, verloren: einmal 
Ste-dtgebleten insbesondere z" nennen: Grl- die feine Zeichnung und Ausführung des plasti- 
Ineldl bei der Kifehe S- Lnee, ein andere? sehen Ornanientenspiels, das die frühere Renais- 
Grllneldl ln Berge S- Vllleenzdi den Bnfek- sance auszeichnet, u. dann jene ruhige Aninuth 
hardt schon 1354 auf das Sellllmnlßte VeFnnStel- rythmischerVerhältnisse, welche sie durch mass- 
tet fand, die beiden L o in el li ni, C entnriß n e volle Anwendung der die Baugestalt gliedernden 
und der Palazzo Diirazzo in der Strasse Balbi Formen zu erreichen verstand. Der üben-eiche 
neben de!" Annnnzletd, der ZWeT bisweilen dem Gebrauch der letzteren, verbunden mit ihrer 
Gio_ Batt. Bianeo u. dem Dom. Tagliafico (von überaus kräftigen Proiilirung, gab diesen Bau- 
Letzterem wol nur der spätere Umbau der ten einen ganz anderen Charakter, als denjeni- 
Treppe) zugeschrieben wird, doch dem Stile neeh gen der Michelozzo, Peruzzi und Bramante. 
sicher dem A. angehört. Bezeichnend hierfür ist unter Anderem die Halb- 
Bei den meisten dieser Paläste hat das Erd- säulenorilnung, welche Alessi, ebenso wie Palla- 
geschoss Rustika und ist überhaupt behandelt dio, allerdings nach dem Vorgange Ratfaefs, 
als kräftiger Unterbau. Sonst ist die K0mposi- für den Fassadenbau öfters in Anwendung 
tion der Fassaden verschieden; öfters ohne Ver- brachte. Das starke Relief der Formen und in 
tikalgliederiing mittelst Pilaster oder Halbsäu- Folge dessen ein mannigfaltiges und energisches 
len, dafür mit Rustika-Ecken und mit starken, Licht- und Schattenspiel bestimmten die Wir- 
die Hauptstockwerke trennenden Gurten (Pal. kung. Es war mit denselben Formen eine an- 
Cambiaso) ; die Fenster häufig mit vorspringen- dere Architektur geworden, welche mit der kiih- 
den Brüstungen und schönen Dockengeländern, neu Yerßtarkune und Velvlelfeltlgnng der (ille- 
bald mit Giebeln, bald mit reich proiilirter Mar- der IIIIS lilassenhafte ebenso viel von der fruhc- 
moreinfassung. Die mehrfachen Stockwerke Yen felneten Selldnllelt Verlor- 
sind zumeist sehr wirksam in grosse Massen ge- Dagegen hat sie sich auf die innere Anord  
sondert, indem ein kleineres  mit kleineren nun g der Räume, auf die Anlage der Vesti- 
Fensterönnungen  mit einem grösseren zu büle, Fluren und Treppenhäuser wie keine an- 
Einem Bautheil zwischen denselben Pilastern dere Zeit verstanden. Dztrin ist sie, wo es sich 
oder Gurten vereinigt ist. Bisweilen ist auch um grossartige Palastverhältnisse für das reich 
die architektonisch einfach behandelte Fassade ausgestattete Leben einer vornehmen Gesell- 
auf malerische Dekoration berechnet. Durch- schaft handelt,'geradezu miisterhaft zu nennen. 
gängig tritt in diesen Bauten die feine Ornamen- Bekanntlich hat von ihr die Rokoko-Architek- 
tation der früheren Renaissance zurück. Die tur dieses Geschick überkommen. Auch hierin 
eigentliche Wirkung beruht auf der reichen An- stand A. keinem seiner Zeitgenossen nach, eher 
Wendung der klassischen Bauformen, die zwar hat er sie, wenigstens Palladiound seine Schule, 
noch nach den Gesetzen ihrer struktiven Ver- übertroifen. Wenn man ihn nicht geradezu den 
bindung, aber mit bewusstem Aufwand nur als Urheber dieser Anordnungsweise nennen kann, 
Mittel prächtigen Schrnucks behandelt sind. da sie gleichzeitig von den namhaften Architek- 
Diese Mischung von strengem Schein und fest- ten der Zeit geübt wurde, so. findet sich doch 
licher Dekoration gibt den Palästen jenes statt- unstreitig ihre höchste. Ausbildung" in seinen 
liebe, vornehme Ansehen, das die besten Bauten Genneser Palästen. Seine Grundplane zeigen 
der Barockzeit kennzeichnet. Fast maßlos wer- überhaupt eine nicht gewöhnliche Fahigkeit, den 
den die der Antike entlehnten Formen angewen- Raum in grosser Weise und doch den Bedürf- 
det; 3116111 neeh mit Verständniss ihres ergani- nissciigemäss zu disponiren. Der Anlage der 
sehen Zusammenhangs und vor Allem mit küh- Vorplatze und Ireppenhauser aber eine beson- 
nem ornainentalem Sinn. Es ist charakteristisch, dere Bedeutung zu geben, dazu mochte ihn in 
dass die Architekten dieser Epoche, und so auch Genua noch eln elgenet Umstand veranlasst ha- 
Alessi, noch den Regeln Vitruv"s genau zu fel- ben. Die enggebaute Stadt bot ihm wenigGele- 
gen meinten und doch in den iinprovisirten De- genllelt Z_u1' Entfaltung der Baupläne In dle 
korationsbauten, wie sie die Renaissanee zu lliefe; die giuckliche Anordnung der Innen- 
feierlichen Gelegenheiten aus leichtem Material Tdnnle nlfl elnen llellten Hellenllef Wer deiner In 
rasch  den" wenigsten Fallen zulassig. Einen Lrsatz 
Was A. insbesondere anhängt, so hatte er (im daiur bot die den Eintretenden sofort empfan- 
Vortheil, für die reichen Gennesen in kostbarem genddRanmßellenllelt dee Veetlbllle n. ilel" Slßll 
Material u. gchauenem Stein zu einer Zeit noch nneelllleseentlen TTePPe- Denn lillndete Slell zu" 
bauen zu können, als die meisten Architekten äleleh del gdstllelle Charakter an, den damals 
schon auf blossen Ziegelbau u. Stuckirung ange- (lle Vernehmen Geeellleelltelä nlellt mlndef lllrer 
wiesen waren. Damit mag es zusammenhängen, l'le1'V01'1' egellden Stellung als dem äleeelllgen Ver" 
dass er in der Durchbildung des Details reiner kelll Zn Llebe, mehr llefvefkellrten nlß früher- 
und sorgfältiger blieb; was übrigens ohne Zwci- Das zu einer Art Empfangshalle ausgedehnte
        

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