Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1595398
Giovanni Battista Aleotti.  ' 269 
ist im J. 1670 ein Gefecht von zwei Sehaluppen legungen öifentlicher Brunnen viel beschäftigt, 
darin gehalten worden. Seit 1733 wurde das zeichnete sich nicht weniger durch sinnreiche 
Theater nicht mehr benutzt, weil jede Auifüh- Erfindungen zu Wasser-Künsten und -Spielen 
rung Kosten verursachte, die doch über die aus, die bekanntlich im 17. und 18. Jahrh. als 
Kräfte des kleinen Hofes gingen. eine unentbehrliche Zierde fürstlicher Villen gal- 
Auch in der Leitung und Anordnung von fest- ten. So waren durch ihn im herzoglichen Garten 
liehen Schauspielen, Turnieren und mytho- zu Ferrara in einer Bogenhalle ringsum Spiegel 
logischen Aufführungen, wie sie damals nicht angebracht, aus deren Rahmen plötzlich den 
bloss mit mannigfaltiger und sehr ausgebildeter darin sich Betrachtenden Wasser in's Gesicht 
iliaschinerie, sondern immer auch mit reicher spritzte; der Fürst selber machte sich aus einem 
künstlerischer Ausstattung stattfandexi, zeich- Versteek das Vergnügen, die Maschinerie spielen 
ncte A. sich aus. In der Beschreibung solcher zu lassen Ausserdem aber gab es dort künst- 
Turniere von 1610, 1612 und 1624 wird. in dieser liche Singvögel, Hirten, welche beim Oeifnen und 
Hinsicht des Baumeisters besonders gedacht. Sßhliessen der Thüren das Horn blieeen, ein 
  Drache, welcher die Hesperidcnäpfel bewachte 
11' 5190m als Ingenieur und Wasserbaumelstel" Same u. dergl. mehr. Auf derart Spielereien mussten 
Sßhriften- sich damals die fürstlichen Baumeister ebenso 
Hat sich Aleotti dergestalt in der Architektur W01 verstehen als auf die schwierigsten Nutz- 
hervorgethan, so gelangte er doch zu noch grös- bauten 
serem Ansehen durch seine Ingenieurarbeiten. Von seinen Sehriften ist die bedeutendste, 
Die Schriftsteller des Fachs aus dem 17. Jahrh. La Idi-olnyin ovvero Vaso della Scienza et Arte 
heben namentlich in dieser Hinsicht seine Bc- (gelle Acqw (in fünf Büchern, mit vielen Figuren) 
deutung hervor. Er hatte  Wasserbauten und nur im lvIanugkript Vorhanden, "Wovgn ein Exem- 
Landverbesserung nicht bloss in Ferrara für die 131m in dm- hgrzogL Bibliothek zu Modem, ein 
Stadt und den Herzog eine ausgedehnte Thätlä" anderes im Stadtarchiv von Ferrara. Ein Werk, 
keit, sondern wurde zu gleichen Ziveßkßil auch worin A. nach der Weise seines Zeitalters ausser 
in den Staaten Mmlllutl und 151039113, in Venedig, der eigentlichen Hydraulik und Hydrostatik (mit 
Verona, Piacenza und Parma beschäftigt. Be- besondrci- Anwendung auf die Bedürfnisse von 
sonderes Geschick bewies er in der Regulirung Ferrara) noch eine Menge anderer Dinge, geo- 
der Flüsse und in dem Entwurf umfassender und metrische , mechanische, historische, mytholo- 
kühner Pläne, das anliegende Land vor Ver- gisehe Gegenstände, besprochen hat. Im vierten 
sandung zu schützen. Für Ferrara war der Lauf, Buche des Werkes beschreibt der Verfasser aus- 
den der P0 bei seinem Ausfluss durch die ver- führlich ein von ihm zu Messungen erfundenes 
sehiedenen Mündungen nahm, von grosser Wich- Instrument, das er Archimetro nennt. Es war 
tigkeit. Das alte Bette desselben unter den seine Absicht, die Sehriftherauszugeben; ein 
Mauern von Ferrara war durch das Einströmen vorlautiges Inhaltsvcrzeichmss war 1600 in14 Sei- 
der trüben Wasser des Reno allmälig versandet, ten erschienen, und 1601 kündigte A. an, dass 
dadurch für die Stadt vielerlei Nachtheil ent- das Werk nim grossen Theater der Welt" binnen 
standen, u. nun Aleotti unablässig bemüht, seine wenigen Monaten erscheinen werde. Allein in 
Pläne, den Lauf der Austlüsse abzuändern und Folge eines Vermögensverlustes, den der Ver- 
Ferrara wieder zuzuwenden, zur Ausführung zu fasser durch die Bankiers Bellagrandi erlitt, 
bringen. Es gab darüber mancherlei Verhand- musste der Druck unterbleiben. S0 berichtet A. 
lungen mit den Nachbar-Städten Bologna und selbst aniSchluss des ersten Buches in der Hand- 
Ravenna, die im eigenen Interesse bei der An- schrift der Modeneser Bibliothek: vFine del po. 
gelegenheit nahe betheiligt waren, wobei immer libro da me intcrlß. revisto, sc bene pero senza 
A. mit dem grössten Nachdruck Ferrara vertrat. speranza di poterlo stampare, havendomi i Bella- 
Er kam auch einmal (im J. 1600) als Gesandter grandi banchieri col suo fallire rubato idanari 
in der Sache nach Rom, zur Berathung mit den de' quali speravo vallermi, de chi sia laudato 
Abgeordneten jener Städte, worüber von seiner Dioß Dennoch verbesserte und vervollstandigte 
eigenen Hand ein Tagebuchbericht im Archiv er sein Werk noch fortwährend, bis zum J. 1630. 
von Ferrara erhalten ist. Seine tief eingreifen- Von den übrigen Handschriften, welche .A. 
den Pläne wurden freilich nicht ausgeführt; doch hinterlassen und die sich theils 1m Stadtarchive 
hat er viel gethan, um das versumpfte Land in zu Ferrara, theils in der Biblioteca Costabillana 
der Nähe von Ferrara zu verbessern und andrer- daselbst beiinden, ist noch bemerkenswerth eine 
seits die weitere Vcrsandung aufzuhalten. In Abhandlung über die Bßüklfllst, _W01'111 A") Wie 
seiner Biographie wird von Cittadella ausführ- andere Baumeister Jener Zelt, Sßlflßn Kfrmmen- 
lieher darüber berichtet; daselbst ist auch die tar des Vitruv gegebfm 11,373 (Still Amhüßtüml, 
Abhandlung, welche A. zu jenem Zwecke bei tlove si tratm dellaleyqt alt arclniettore necessarie 
verschiedenen Verhandlungen vortrug, nach dem secondo la mente dz Vztrmßwl In einem anderen 
im Stadtarehiv zu Ferrara aufbewahrten liIanu- Manuskripte, welches das sechste Buch der 
skripte veröffentlicht Idrologia werden sollte, laesehreibt er eine An- 
Aleotti, auch mit Wasserleitungen und An- zahl der von lhm erfundenen? Wasserspiele
        

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