Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1595386
ä 
Giovanni Battista, Aleotti.  
men, was eine wissenschaftliche Kenntniss sei- 
nes Faches voraussetzte. 
Im Dienste des Herzogs Alfonsds II. von Este 
stand er als Baumeister und Ingenieur 22 Jahre 
hindurch; er trat mithin, da der Herzog 1597 
starb, schon 1575 diese Stelle an. Wahrschein- 
lich als Nachfolger des Galasso Alghisi  1573), 
dessen berühmtes Werk über Festungsbailten A. 
von diesem selbst erwarb. A. versah jenes Amt 
um eine Besoldung von 15 Scudi monatlich, und. 
als nach dem Tode Alfonsds II. Klemens VIII. 
Ferrara als offenes Lehen im J. 1598 dem Kirchen- 
staate zuwies, wurde A. in seiner Stellung be- 
stätigt und zum Architekten des apostolischen 
Stuhles ernannt. 
In demselben Jahre, den 4. Mai 1598, br stellte 
auch derGemeinderath der Stadt Ferrara Aleotti 
zu ihrem Baumeister; zunächst mit einem jähr- 
lichen Gehalt von 130 Scudi, der dann 1599 auf 
300 Scudi erhöht, später jedoch (wie aus einer 
städtischen Gehalttabelle von 1622 erhellt) wie- 
der auf 150 Scudi herabgesetzt wurde. A. scheint 
in dieser Stellung, die insbesondere wegen der 
Regulirung der Pogewässer von Wichtigkeit war, 
mannigfaeh angefeindet worden zu sein; doch 
wurden seine Dienste sowie seine Unentbehrlich- 
keit von der Behörde immer auf's Neue aner- 
kannt. Und so verblieb denn auch A. im Amte 
bis zu seinem Tode. Anderseits wurde der Mei- 
ster vom Herzogs zu allen Arbeiten unablässig 
verwendet, die nur irgend in sein Fach schlugen: 
zu Festungsbauten, Landverbesserung, Grenz- 
und Wasserberichtigungen. 
Seine bauliche Thätigkeit hatte er mit der 
Herstellung der öffentlichen Gebäude begonnen, 
welche das Erdbeben von 1570 beschädigt hatte. 
Darunter insbesondere das Schloss , den Wohnw 
sitz der fürstlichen Familie, dessen Befestigung 
er zugleich weiter führte. Nach seinen Zeich- 
nungen wurden alsdann in Ferrara gebaut: die 
Kirchen S. Barbara und S. Carlo, das Oratorium 
S. Margarita, der Thurm der Kirche S. Francesco, 
sowie derjenige des Palazzo della Ragione (1603),  
die Fassade und der Thurm des Palazzo del Pa- 
radiso (Universität; vollendet 1610), das Thorl 
S. Paolo und das sogenannte Festungsthor. Von  
ihm ist auch der Entwurf des Grabmals für Lod.  
Ariosto, das, früher in der Kirche S. Benedetto) 
zu- Ferrara aufgestellt, jetzt im Lesesaal der 
dortigen Bibliothek sich befindet; ausgeführt) 
wurde dasselbe von dem Bildhauer Aless. Nani" 
(s. diesen). Die von ihm 1597 erbaute Kirche S. 
Maria della Rotonda wurde dagegen nach einigen 
Jahren, um die Festungsbauten erweitern zu 
können, wieder abgerissen. Auch andere Bau-; 
werke von seiner Erfindung, in der Umgegend) 
von Ferrara," sind nicht mehr erhalten. An der 
Kathedrale der Stadt rührt von ihm der Ausbau 
des Thurmes her.  Diese Bauten verrathen 
einen geschickten Meister, sind aber ohne be- 
sondere Eigenthümlichkeit und in dem gewöhn- 
lichen Charakter jener Epoche: von ziemlich 
schwerfälliger Ausladung der Formen und der 
zwar wirksamen, aber etwas plumpen Manier 
der Ornamentation. 
Grösseren Beifall noch als diese Gebäude fand 
das Theater, das er 1606 für die Akademie der 
Intrepidi erbaute. Es galt damals für Eines der 
schönsten in Italien, ging übrigens durch eine 
Feuersbrunst im J. 1679 zu Grunde (die Ueber- 
reste erst 1801 weggeräumt).  Erhalten ist da- 
gegen noch, wenn auch in schlechtem Zustande, 
das grosse Theater Farncse in Parma, 
eines der geräumigsten in Europa , in der Weise 
der Amphitheater des Alterthums 1618-1619, 
auf Befehl des Ranuceio I. Farnese, von A. in 
Holz gebaut. Eine Zeitlang scheint der Bau- 
rncister desselben unbekannt gewesen zu sein; 
Algarotti hielt es für ein Werk des Pzrlladio, mei- 
stens wurde es im 18. Jahrh. dem Vignola zuge- 
schrieben. Der Pater Ireneo Aifö von Parma, der 
sich mit der Kunstgeschichte seiner Vaterstadt 
viel beschäftigte, hat dann aus einem zeitgenössi- 
schen Berichte (in Marcello Buttigly, Descrizione 
dell' apparato per le nozze del Duca Odoardo, 
1629, p. 267) unzweifelhaft festgestellt, dassA. der 
Erbauer des Theaters gewesen. Auch die innere 
Eintheilungy die allmiilige Erhöhung, die Or- 
chestra, die Ränge, der obere Säulcngang sind 
nach den Angaben alter Schriftsteller angeord- 
net. Doch ist mit den Stufensitzen das moderne 
Logensystcm verbunden; über den Stufenreihen 
erheben sich zwei Säulenordnungen, eine do- 
lrischc und eine jonische, welche die Logen ent- 
 halten. Darüber dann als Abschluss reiches 
Gesimse mit Balustrade und Statuen. Die antike 
Form ist nur für den Zuschauerraum beibe- 
halten; diesem liegt die Biihne, wie beim 
eigentlichen Theater, im viereckigen Anbau 
gegenüber. Modern war ferner die reiche Orna- 
mentirung der beiden Eingänge zum Saale, 
welche, nach Art der Triumphbogen gebildet, 
Reiterstatuen trugen. Die dekorativen Male- 
reien im Inneren riihrten von Lionello Spada und 
Domenico Ourti her. Der Zuschauerraum fasste 
5000 Menschen (nicht 10,000, wie Buttigly an- 
gibt). Erweitert wurde das Theater etwas später 
 noch vor 1629  durch den Marchese Enzo 
Bentivoglio. Der ganze Bau ist für die pracht- 
liebenden italienischen Höfe jener Zeit bezeich- 
nend; und so war auch, ungeachtet der zu Grunde 
gelegten antiken Form, die Ornamentation in dem 
prunkenden, etwas schwerfalligen Charakter der 
Epoche. Eröffnet wurde das Theater erst 1628, 
gelegentlich der Hochzeit des Fürsten Odoardo 
und der Prinzessin Margarita von Toskana, mit 
der festlichen Aufführung eines grossen Turniers 
Mercurio e Marte (von Achillini) und eines 
Schäferspiels Teti e Flora (dasselbe wurde 1628 
gedruckt, mit der Angabe auf dem Titel, dass 65 
zu Parma in dem vom Herzog erbauten "mal-l'a- 
viglioso teatroa dargestellt worden). Sogar zu 
Aufführungen zu Wasser, zu Naumachien, konnte 
das Parterre hergerichtet werden, und wirklich
        

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