Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1595329
Giov. Alemanno. 
 
Vor seiner Zeit trug die venetianische Kunst Das früheste Werk der beiden Meister ist in 
das Gepräge einer lokalen Schule unter derHerr- der Akademie von Venedig. Es stellt die 
schaft der die Periode kennzeichnenden Ueber- Krönung der Jungfrau durch den Heiland auf 
lieferungen. Zeichnung u. Malerei waren einer- einem erhöhten Throne vor,zwischen einer Schaar 
seits, gleich einem Gewerbe, durch Zunftgesetze, von Engeln, Seraphim, Propheten, Patriarchen, 
andererseits durch wol bekannte Regeln, welche Aposteln und Heiligen; über der Madonna. und 
das religiöse Herkomrnen auferlegte, bestimmt; Christus schwebt Gott Vater, segncnd die Hände 
die menschliche Gestalt starr und streng, nicht auf ihre Schultern legend. Zwischen den Säulen 
verstanden, ein blosser Schein der Natur, plump des Throns eine Anzahl Engel mit den Leidens- 
an allen Gliedern und vom nothdiirftigsten Aus- Werkzeugen; zu denjFüssen desselben die Evan- 
druck; die Gewandung von traditioneller Form gelisten und Kirchenlehrer. Das Beiwerk ist, 
und Farbe, ohne Wahl im Faltenwurf ; das Ganze wie schon bemerkt , erhaben gemalt, reich ver- 
von kaum nennenswerthem Relief durch Licht ziert und vergoldet. Die Figuren sind kurz, von 
und Schatten. Kurz bevor sich Antonio u. Gio- schlechter Zeichnung an Füssen und Händen und 
vanni als Meister inMurano nicderliessen, machte nicht durch Schatten herausgehoben. Aber die 
diese Kunst durch den Einfluss zweier fremder Farbe ist gediegen, die Bewegung ohne Ueber- 
Maler, welche nach Venedig kamen, namhafte treibung und der blasse Fleischton von eigen- 
Fortschritte. Gentile da. Fabrianmaus Umbrien thümlicher Vollendung. Dies Bild befand sich 
dorthin berufen, u. der Miniaturist Pisano, des- wahrscheinlich zuerst in der Kirche S. Barnaba, 
sen Art diesem verwandt war, erhielten vor 1422 dann in S. Maria de" Miracoli u. ist bezeichnet: 
den Airftrag, in der Halle des grossen Rathes Johannes et Antonius de Muriano f. meeoexxxx. 
zu Venedig Fresken zu malen. Das zarte An- Ein hl. Hieronymus unter anderen Heiligen, von 
sehen, das sie ihren Figuren gaben, die Einfach- denselben für S. Stefano zu Venedig im J. 1441 
heit ihrer Gewandung, die milde Glätte ihrer gemalt, und die hl. Monika mit Darstellungen 
Temperamalerei, Alles unterschied sich weit von aus ihrer Legende in der Predella, früher in der- 
dem, was zu Venedig vorher gesehen worden. selben Kirche, sind verloren gegangen. In der 
Sie waren freilich von den Fehlern nicht frei, Kirche S. Pantaleone daselbst iindct sich eine 
welche der Kunst des 14. Jahrh. ausserhalb Flo- Wiederholung des Gemäldes der Akademie mit 
renz anhingen. Eigenthüinlich war ihnen der der-Bezeichnung: Xfiofol de Ferrara itaio-Zuane 
Zug, die gestickten Borten der Gewänder und ßt Antonio de Muran. pensc 1444. Verloren Sind 
das Beiwerk, wie heiliges Geräthe, Kronen, G6- dagegen die wahrscheinlich zu gleicher Zeit von 
schmeide, Schwerter, Throne u_ s_ f_ in 91-113- den Künstlern gemalten Orgelflügel in (lerselben 
benem Relief darzustellen, indem Sie so das Kirche. Das Xpofol u. s. f. bezeichnet, wie auch 
Plastische mit dem Malerischen mischten und in bßi dem Weiter unten erwähnten Bilde Z1! Padllß, 
Ermangelung von künstlichem wirklichen Schat- den Bildschnitzer des Rallmonwerks , Cfisiiofßlo 
ten erzeugten. Den Venezianern war das zum 03W CFiStOfOTO Von Ferrara. 
Theil nicht ungewohnt; aber Gentile u. Pisano Noch Sind in der Kapelle S. Tarasio in S. Zac- 
hatten eine ausgebildetere Technik der Tem- Ca 1'111 z" Venedig drei grüße Bilderwerke, im 
perabehandlung, sowie ein besonderes Geschick, denen Giovßnlli Anthßil hßtilei  
dem Fleisch einen milden fleischigen Ton zu ge- 1) Ein Altarbild, in welchem zwei geschnitzte 
ben, und wenn es gleich ihrer Zeichnung an Figuren, die hh. Maria und Helcna vorstellend, 
Korrektheit fehlte, so waren sie doch bessere zu ihren Seiten zwei gemalte Felder mit Moses 
Meister, als irgend Einer damals zu Venedig. und der hl. Elisabeth haben. Auf der Rückseite, 
Seinerseits mag Giovanni Manches von der welche wahrscheinlich von Agnolo Gaddi ge- 
rheinischen Schule nach Venedig gebracht ha- malt ist, stellt eine doppelte Reihe von Tafeln 
ben, so die blasse u. milde Temperafarbe. Auch vierzehn Heilige in Nischen dar und zwei Kin- 
hatte er die Weise der Gewandung, welche den der, welche Palmen tragen, mit den darunter ge- 
älteren Deutschen eigen ist, indem er wollen- schriebenen Worten: Jöcentes (Innocentes). In 
artige Stoffe malte, welche weniger geeignet einem Giebelfelde Christus, welcher für die Sün- 
sind, einen einfachen Faltenwurf anzunehmen, den der Welt blutet. Die Jungfrau mit dem 
als vielmehr herabzusinken oder in seltsamen Kinde zwischen den hh. Martin und Blasius in 
Biegungen, je nach der Bewegung der Figuren, der Mitte des Bildes sind aus neuerer Zeit und 
abzustehen. Ausserdem liebte er, wie es scheint, wahrscheinlich von Picvan" di Saut Agnese. 
plastische Ornamente, gleich der älteren nordi- Eine restaurirte Inschrift lässt sich etwa folgen- 
sehen Kunst, reichlich anzubringen. Antonio dermassen lesen: Lodovicus de For   incipit 
andererseits  und auch das mag Giovanni mit et Johanes et Anthonius de Mur. pinxerxmt 
ihm gemeinsam gehabt haben  lernte Manches MCCCOXLIIII (die Jahrzahl ist neu). 
von Gentile da Fabriano. Und so sehen wir aus 2) Ein Altar in sechs Abthcilungen mit präßlk 
einer merkwürdigen Verbindung umbrischer und tigem Rahmenwerk: in der Mitte die h], Sabine 
germanischer Elemente die Kunst der Murane- (mit beigcschriebenem Namen), dann die hh.Hi6' 
sen von der ersten Hälfte des 15. Jahrh. ent- ronymus, Icerius, Margarita und Katharina und 
stehen. ein Engelchen mit einem Spruchband. Die Gie"
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.