Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592642
jeher ist der deutsche Geist auf seine Eigenschaft, auch das Fremde sich anzueignen, 
stolz gewesen; dann aber ist es, so meinen wir, nicht minder-seine Piiicht, den hohen 
We1'th der ausländischen Wissenschaft dadurch anzuerkennen, dass er dieser für ihre 
eigenen Leistungen das Wort leiht und sich insoweit begnügt, mit seiner Sprache 
das Mittel der gemeinsamen Mitthcilung abzugeben. Dass er auf solche Weise seinen 
universellen Beruf erst recht erfüllt, indem in seiner Form die Fülle des fremden 
Inhalts zu einem geschlossenen Ganzen sich sammelt, ist nicht schwer zu erkennen. 
5. Noch in anderer Beziehung erscheint es als wesentlich, ausländische Kunst- 
historiker an dem neuen Lexikon zu betheiligen. Dass in diesem, bei der aus- 
gebreiteten Kunstthatigkeit unseres Jahrhunderts, die modernen Meister eine 
Stelle finden, wird man nicht anders erwarten. Es gehört zu unserer Aufgabe, 
genaue Nachrichten von denselben, soweit sie irgend in der Geschichte der Kunst 
einen Platz einzunehmen berufen scheinen, den nachfolgenden Zeiten zu überliefern. 
Zu dem Ende war es erforderlich, in allen Hauptstatten des heutigen 
K u ns tlebens , in den deutschen sowol als in den ausländischen, solche hlitarbeiter 
zu gewinnen  welche die Laufbahn der betreffenden Meister ganz aus der Nähe ver- 
folgen und daher von ihrem Leben wie von ihren Werken die beste Rechenschaft 
geben können. Zudem werden diese von den noch lebenden Künstlern selber die 
sicherste Auskunft erhalten, die aus der Ferne immer schwer zu erreichen ist. 
6. Besonderen lllitarbeitern im In- wie im Auslande waren ferner die Meister 
in gewissen Nebenzweigen der bildenden Kunst, insbesondere die Stempel- 
schneider und die Meister des Kunsthandwerks, zu übertragen. Wie 
namentlich in die Geschichte des letzteren erst neuerdings Licht gebracht wird, ist 
bekannt; und Wenn hier auch die Erzeugnisse selber und deren Bereitungsweise von 
vorwiegendem Interesse sind , so ist uns doch Kunde von einer Anzahl von Meistern 
erhalten , deren Namen mit den besten Werken verknüpft sind und deren Geschichte 
daher einen Einblick gewahrt in die bemerkenswerthesten Leistungen der Kunst- 
industrie. 
7. Endlich handelte es sich darum, für die gründliche Bearbeitung der 
Kupferstecher, Radirer, Holzschneider u. s. f. überall die geeigneten 
Kräfte zu gewinnen. Denn wir betrachten diesen Knnstzweig als einen sehr wesent- 
lichen Theil unserer Aufgabe. Daher liegt es in unserem Plane, sowol die Ergebnisse 
der bisherigen Handbücher der Kupferstiehkunde, nach sorgfältiger Vcrgleichungg, in 
der Hauptsache aufzunehmen , als auch nach dieser Seite ergänzend und beriehtigend 
die Arbeit der Kunstgeschichte fortzuführen. Dies aber bedingte Wieder die Mit- 
wirkung' der geeigneten Speeialforseher in Deutschland wie im Auslande. Es sind 
zumeist solche, Welche, durch ihr Amt an den grösseren Kupferstichsammlungen 
beschäftigt, das nothwendige Material für ihre Studien gleich unter der Hand haben 
und so aus der nächsten Quelle schöpfen. 
S. Inwieweit es gelungen, alle bewährten Kräfte der inländischen , wie der 
ausländischen Wissenschaft tinserem Unternehmen zuzuwenden, zeigt der Kreis der 
gewonnenen Mitarbeiter. Er umfasst alle Forscher, welche sich mit Erfolg um 
die Geschichte der Kunst, insbesondere der Künstler und ihrer Werke, bemüht 
haben und noch mitten im Zuge ihrer Thätigkeit sind. Dass sie, die Deutschen wie 
die Ausländer, so bereitwillig, mit so regem, sofort thätig eintretendem Eifer an 
dem neuen Unternehmen sich betheiligen: das beweist wol am besten, wie ein solches 
Werk ein Bedürfniss der heutigen Knnstwissensehaft ist.
        

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