Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1595000
Ei 
ibertus Magnus  Albertus aurifex.  
rafs Zeugniss dem Kölner Domchor nachgebil- 
det, und darauf hin hat zuerst Böcker es für 
wahrscheinlich erklärt, dass Albert auch der Ur- 
heber des Planes zu dem letztern sei, obgleich 
dieser wiederum bekanntlich den Chor des Do- 
mes von Amiens zum Vorbilde hat, und über- 
haupt eine so bedeutende Thiitigkeit als Bau- 
meister bei Alberts sonstiger Stellung u. Beschäf- 
tigung nicht einmal wahrscheinlich ist (Wall- 
raf, Beitr. zur Gesch. der St. Köln). Eben so 
wenig begründet sind die Angaben über Alberts 
Antheil an anderen bedeutenden Kirchenbauten,  
namentlich an dem Strassburger Münster und: 
der Dominikanerkirehc in Soest. Fiir die Er-j 
haltung des Domes zu Regensburg war er aller-l 
dings thätig; aber erst sein Nachfolger Leo von 
Dondorf legte den Grund zu dem jetzigen Bau. 
Von dem Dom in Xanten berichtet Viucentius 
Justinianus (a. a. O.) nur, dass A. den Chor ge- 
weiht habe, was aber auch höchstens auf den 
Wiestchox- bezogen werden könnte, da der 1263 
begonnene Ostchor wahrscheinlich erst nach Al- 
berts Tode vollendet ist. Eben so wenig hat eine 
alte Sage der Bauhütten zu bedeuten, wonach 
ein Albertus Argentinus das System des Acht- 
orts und die mystische Erklärung der Konstru- 
ktionen erfunden haben soll, wenn es gleich 
nicht unmöglich ist, dass Albert der Grosse, der 
auch in Strassburg eine kurze Zeit gelehrt hat, 
mit dem Albert von Strassburg gemeint war. 
Ganz fabelhaft endlich sind die Erzählungen, 
welche ihm eine bildnerische 'l'hätigkeit zu- 
schreiben. Wenn er einen ehernen Kopf verfer- 
tigt haben soll, der ihm auf jede vorgelegte Frage  
Antwort gab, so ist damit nicht etwa seine per- 
sönliche Kunstfertigkeit, sondern vielmehr der 
erstaunliche Umfang seines Wissens angedeu- 
tet, den man sich durch eie solches geheimniss- 
volles Wunder zu erklären suchte. Nach Lomazzo 
(Trattato della Pittura, p. 175) sprach dieser 
Kopf zu Thomas von Aquino, der ihn dess- 
halb als einen Teufel zerbrach. Ebenso weist 
auf seine ungewöhnliche Naturkenntniss die 
121i. Novelle des Sacchetti hin, in der Alberto 
della Magna seinem armen Wirthe am Po einen 
hölzernen Fisch fertigte, der ihm alle lebendigen 
Fische in's Netz lockte. 
Dennoch verdient Albertus einen Platz in der 
Kunstgeschichte als der vorzüglichste 'l'rä- 
ger der geistigen Entwickelung, welche damals 
an die Stelle der vorherrschenden kontempla- 
tiven und mystischen Religionsanschauung eine 
vernunftgemiisse Betrachtung des Verhältnisses 
zwischen Gott und Menschen setzte; denn dieser 
Umschwung in der Denkweise ist es, der in der 
gothischen Kunst seinen Ausdruck gefunden 
hat, und der mithin als der tiefere Grund für die 
Umgestaltung des romanischen Stils in den gothi- 
sehen angesehen werdeumuss (Vgl. meinen Art: 
Gothische Baukunst in Ersch u. Gruber, Encykl. 
derK. u. W. Sekt. LLxxv. 259-264). Er beruhte 
auf derUeberwindung der bis dahin herrschenden 
mystischen Anschauung, auf der bisher ganz 
vernachlässigten Beschäftigung mit den Natur- 
wissenschaften und auf der Begründung einer 
systematischen, Alles encyklopädisch umfassen- 
denWissenschaft. Diese dreifache, Entwickelung 
des geistigen Lebens übte einen Einfluss auf die 
Künste, der bei keiner so schlagend hervor-tritt, 
als bei der Baukunst, und sich ilamentlich im 
Unterschiede jener beiden Stile zeigt. 
So betrachtete man auch die Kunst jetzt nicht 
mehr als eine Magd der Theologie, sondern als 
ein Mittel, den Geist zu erheben; darin stellte 
man sie der Natur, dem Geschöpfe Gottes, an die 
Seite, und der Künstler wurde darauf hinge- 
führt, der Nachbildung der Natur grössere Auf- 
merksamkeit zuzuwenden. 
Dieser Umschwung in der Kunst, wie in der 
theologischen Wissenschaft, war zwar lange vor 
Albertus Magnus vorbereitet. Allein dieser hat 
das Meiste dazu beigetragen, durch paraphrasi- 
rende Bearbeitung des Aristoteles, den spanische 
Juden durch Uebersetzung der arabischen Bear- 
beitungen desselben allmälig zugänglich gemacht 
hatten, die neue Lehre unter der Geistlichkeit 
zu verbreiten, und dadurch ihr einen entschei- 
denden Einrhlss auf die Gestaltung der herr- 
schenden Weltausicht zu verschaffen. In Köln, 
wo Albertus lehrte, erhob sich der grossartigste 
gothische Dom, an dem die Grundformen des 
gothischen Systems am reinsten und konsequen- 
testen durchgeführt sind, und es verdient er- 
wähnt zu werden, dass der Grundstein zu dem- 
selben in eben dem Jahre 1248 gelegt wurde, als 
das (iencralkapitel des Prediger-Ordens zu Paris 
eine gelehrte Schule für Deutschland in Köln zu 
errichten beschloss, und dorthin den Albertus 
sandte, den sein Schüler, Thomas von Aquino, 
als Assistent und Studienmeister, begleitete. 
Sein Bildniss in Holzschn. bei Jovius, Elogia 
virorum litteris illustrium. Bas. 1577. 
s. Sighart, Albertns Magnus, sein Leben und 
seine Wissenschaft. Regensburg 1857. 
s. W allraf , Beiträge zur Geschichte der Stadt 
Köln. p. 196.  Kreu s e r, Kirchenbau. 1.376. 
 Kugler, KleineSehriften. II. 131. -West- 
fälische Zeitschrift für vaterläud. Geschichte 
und Alterthumskuxide. V. 126.  Heideloff, 
Bauhütten des Mittelalters. p. 14.  Merlo, 
Nachrichten.  Sohn aase, (iesch. der bild. 
Künste. V. 534. 545. 547. 
 Fr. W. Ungar. 
Albertus. Albertus , Meister, erbaute von 
1450 bis 1470 die schöne gothische Stiftskirche 
zu Römhild, die sich durch einen zweiten, west- 
lichen, von einer Empore ausgefüllten Chor aus- 
zeichnet, und das dem Peter Vischer zugeschrie- 
bene Denkmal des Grafcn Hermann VIII. von 
Henneberg enthält.  
s. Kegler, Kleine Schriften. 11. G48. 
 1h. W. Ungar. 
Albertus. Albertus aurife x. So war eins 
von zwei Gemälden bezeichnet, welche Herr 
Taccoli in Parma besass und in seinem Katalog-e
        

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