Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1594900
 
tolommeds Bruder Piero an und unterwies den- Mariotto mit den gewöhnlichen Mitteln nicht. Er 
selben in seiner Kunst. Es mag dies zu der Zeit versuchte daher und experimentirte, wischte aus 
gewesen sein, als er die Kreuzigung in der und malte dieselben Stellen verschiedene Male 
Oertosa bei Florenz malte, deren Ausfüh- wieder, bald heller, bald dunkler, indem er sich 
rung ihm anvertraut worden. Piero übrigens, dazu eines besonderen Verfahrens bediente (na- 
sei es, dass er von dem Beispiel seines Bruders mentlieh auch einer Mischung von starkem Fir- 
beeinilusst war, oder an der Malerei kein Ge- niss mit Oel), dessen Resultate dann doch nicht 
fallen fand, gab die Kunst auf und ging eben- seinen Wünschen entsprachen. Auch die Kom- 
falls in's Kloster. Mariotto vollendete die Kreu- position ist diesmal nicht günstig. Die Jungfrau 
zigung in der Certosa fast mit der Kraft und kniet an einem Betpulte und der Engel vor ihr; 
Freiheit des Bartolommeo. Es ist ein tüchtiges eine Engelglorie von phantastischem und ba- 
Werk und bis auf diesen Tag gut erhalten. Die rockem Charakter in seltsamer, unruhig flattern- 
Auffassung ist in der herkömmlichen einfachen der Gewandung, Blumen ausstreuend, ximgibt 
Weise; Magdalena zu den Füsson des Kreuzes, die Gestalt des Gott Vaters in der Luft. Gegen- 
die Jungfrau und der Evangelist Johannes zu Wärtig in derFlerelltiller Akademie, hängt 
beiden Seiten, während Engel das Blut von den es in einem ganz anderen Lichte, als worauf es 
Händen aufsammeln. Diesem zunächst steht die gemalt War, und Wirkt daher doppelt ungünstig. 
lebensgrosse Madonna im Louvre, in dem- Die beiden Hauptfiguren sind gut in Mariottds 
selben J. (1506) ausgeführt; die Jungfrau steht gewöhnlichem Stil; aber das Bild ist in der all- 
auf einem niedrigen Sockel und hält das Kind gemeinen Wirkung (lnnlwl gnwnfßlen llnll Vnn 
in ihren Armen den kniend anbetenden hh. Hie- einem grünlichen Grau in dem Schatten- Ge- 
ronymus und Zanobius segnend entgegen. Die malt ist es mit einem kräftigen, sehr ver- 
Verhältnisse und die Zeichnung des Nackten Sßilnwlzenen Impastü- DamalS aber fand eS 
lassen nichts zu wünschen übrig; es sind schöne als ein Werk von neuer Art unter den Künst- 
und charaktervolle Typen, und namentlich die leln Vielen Belfall- Als Slßll Wegen der 
Madonna mit dem Kinde voll Empfindung im mühevollen und langen Arbeit, welche es den 
Ausdruck. Das Bild steht der Heimsuchung von Meister gekostet 11Min, ZWiSClICn illln lind den 
1503 gleich; es gehört mit zu den Werken aus Bestellern eine Dillieienl Wegen des Preises 
dieser besten Epoche des Künstlers erhob, ward dieser auf s Neue durch Schätzung 
Dagegen zeigt sich an einem Bildg, Wglches VO11 einigen der namhaftesten Maler jener Zeit, 
sich in dem Fit; -Wi11i3,m Museum zu Cam- Pietro Perugino, Ridolfo Ghirlandajo und Fran- 
bridge befindet, einer Jungfrau mit dem Kinde eeseo Granacci, festgestellt. 
und Täufer, bez. 1509, dass Mariotto schon da- In derselben Art sind zwei Gemälde, welche 
mals den unter seinen iiorentinischen Zeitgenos- Maliotto 11m diese Zeit für die Kirche des Non- 
Sen verbreiteten Gebrauch angenommen] einen nenklosters S. Giuliano ansführte und die sich 
beträchtlichen Theil seiner Arbeiten einem Ge- jetzt beide ebeninlls in der Akademie Zu Flo- 
hiilfen zu überlassen; hinter den mannigfaltigen lenz llellnilen- Das eine Stellt die Dlelelnlg" 
Uebermalungen moderner Restauratoren lässt kelt ilnf Gßlßlglnnll V01? WQl-lel das Schöne Ant- 
sich noch deutlich die Hand Giul. Bugiardinfs litz Gott Vater's denselben Typus wie Fra Bar- 
erkennen. Zudem trat im J. 1510 ein anderer toielnmeds Bild in S. Romano zu Lucca hat 
Umstand hinzu, seinen Stil zu einem verhält- (s. unten); auch die Anordnung ist in dessen 
nissmässigen Verfall zu bringen. Von der Brii- Weise, jedoch das Kolorit demjenigen in der 
dersohaft des hl. Zanobius zu Florenz um eine Verkündigung ganz gleich. Das andere ist eine 
Verkündigung angegangen, wollte er, wie thronende Madonna mit dem Christuskinde 
Vasari berichtet, das Bild genau in der Perspek- im Arm, zu ihren Seiten die knieenden hh. Do- 
tive und in dem Lieht- und Schattenspiel malen, menikns und Nikolaus von Bari (im päpstlichen 
darin es an dem Platze, für den es bestimmt war, Gewande) und die stehenden hh. Julianus und 
gesehen würde, und liess sogar zu diesem Zwecke Hieronymus. 
an Ort und Stelle eigens Fenster anbringen. Er  
meinte, zur vollen Wirkung eines Bildes müsse m- Arbßiißgßnosßßnsßllßfi mit I'm Bertßlßmmßß- 
sich kräftiges I-Ieraustreten der Figuren mit Lama Lebensinha- 
Weichheit (dolcezza) der Erscheinung verbin- Eben damals, als Mariotto diese ziemlich er- 
den, und fand, dass dies nur möglich sei durch folglosen Experimente machte, hatte Fra Barto- 
beträchtliche Tiefe in den Schatten, denen doch lommeo wieder zur Palette gegriffen und dem 
der leuchtende Schmelz nicht fehlen dürfe. Er alten Freunde einen Vorschlag eigener Art ge- 
suchte beides zu vereinigen, mit der bewussten macht. Er hatte erfahren, dass die Gehiilfen, 
Absicht, der Malerei einen neuen Reiz zu geben; welche ihm die Dominikaner von S. Marco zu 
ein merkwürdiges Beispiel, wie damals auch in seinen Malereien zugetheilt hatten, gänzlich un- 
Florenz die Kunst auf jene letzten malerischen fahig waren, seine Pläne und Vorschriften aus- 
Wirkungen ausging, welche erst durch Correggio zuführen. In Venedig, wo er gewesen, wahr- 
und die Venetianer ganz erreicht werden sollten. seheinlich, um dort einen Genossen für seine 
Seinen Zweck zu erreichen, vermochte natürlich Werkstatt in S. Marco zu finden, war ihm dies
        

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