Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1594895
Mariotto Albewxfjiggljii 
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getragenen Bogenhalle dar. Die Jungfrau, eben 
stehen geblieben und leicht vorwärts gebeugt, 
reicht die Hand hin, während die Mutter des 
Täufers, liebevoll ihr zugeneigt und vortretend, 
dieselbe nimmt und ihre andere Hand auf die 
Schulter der Maria legt. Ihre Köpfe sind sich 
ganz nahe; sie betrachten einander mit grossem 
Ernst, lllaria ruhig und keusch, Elisabeth voll 
Freude und Freundlichkeit. Beide Charaktere 
sind ebenso wie ihre Begegnung auf das An- 
ziehendste geschildert. Die Verhältnisse sind 
gut, auch die Gewandung glücklich und edel, die 
Farben sehr kräftig und in wirksamem Kontrast 
ausgesprochen. Das Bild ist ein glänzendes Bei- 
spiel von de111 Fortschritt, welchen die Floren- 
tiner Kunst zu freier und vollendeter Darstellung 
gemacht hatte, indem sie den Grundsätzen und 
dem Muster Leonardos da Vinci folgte. Was 
Mariotto allein noch fehlte, um dem Bartolommeo 
nahezu gleichzukommen, das war die Leichtig- 
keit sicherer Meisterschaft. Die Behandlung 
zeigt ein vollkommenes Verstandniss der Oel- 
malcrei, sowie des verschiedenen Werthes der 
Töne, um sie richtig zusammenzustimmen. A. 
wägt die Farben in ihrem vollen Charakter gegen- 
einander ab, mit geringer Anwendung von La- 
suren, und erhält Tiefe und Duft mittelst der- 
selben Prinzipien, Welche Leonardo um diese 
Zeit in den in der Ambrosiana zu Mailand be- 
ündlichen Bildnissen befolgte, wobei das Fleisch 
dünner gemalt ist, als die dunklere Gewandung. 
Das Ergebniss ist eine sehr geglättete Ober- 
fläche von kristallartigem Email, mit bestimmter 
Abgrenzung eines jeden Theiles. Die Bredella 
unterhalb des Bildes, welche die Verkündigung, 
die Geburt und die Beschneidung vorstellt, ist 
nicht minder vortrefflich, nur desshalb weniger 
wirksam, als die Haupttafel, weil die Lasuren 
 abgerieben sind. 
Ein anderes Werk aus derselben Periode ist 
ein Rundbild in der Galerie Pitti (mit halb- 
lebensgrossen Figuren), welches die Jungfrau 
darstellt, wie sie den vor ihr liegenden Christus- 
knaben anbetet; dieser nimmt von einem Engel 
das Kreuz mit der einen Hand, während er mit 
der anderen Nägel und Zange hält; zur Rechten 
hinter der Jungfrau der hl. Joseph und in der 
Luft drei singende Engel. Die Typen in diesem 
leuchtenden u. sehr vollendeten Bilde sind etwas 
gewöhnlicher wie im vorigen; doch fehlt es dem 
Ausdruck der Jungfrau nicht an einem edlen 
Ernst, die Komposition ist schön abgerundet und 
die Färbung sehr warm und verschmolzen. Der 
Engel ist in der Weise derjenigen Leonardos u. 
Credi's gehalten; die Landschaft von sehr feiner 
Ausführung des Details in der Art der Ferra- 
resen, und ähnlich derjenigen in der Vision des 
hl. Bernhard von Fra Bartolommeo. 
 Indem so Mariotto della P0rta's Stelle ein- 
inahm und zu wirklichem Erfolg gelangte, ver- 
gass er die Freundschaft für den alten Gefährten 
nicht. Er nahm die Vormundschaft von Fra Bar- 
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lilariotto versucht haben, den Baceio von seinem 
Gelübde, den Dominikanern beizutreten, abzu- 
bringen. Als sein Partner half ihm M. 1498 bei 
der Ausführung des j ii ng s ten G e rich te s im 
Kreuzgauge des Friedhofes v. S. M a r i a N u o v a 
zu Florenz, jenes Werkes, das durch seine Kom- 
position und die perspektivisch behandelte Form 
zu den vornehmsten Erzeugnissen der (lainaligen 
florentinischen Kunst gehört. Als della Porta 
noch vor Vollendung dieses Bildes wirklich in 
den Dominikanerorilen von Prato eintrat, war 
Mariotto darüber ebenso aufgebracht als betrübt; 
fast hätte er seine Abneigung gegen das Mönche- 
leben überwunden und wäre dem Freunde in's 
Kloster nachgefolgt. Doch wurde er alsbald von 
diesem Vorhaben durch Gerozzo Dini, der jene 
Malerei in S. Maria Nuova bestellt hatte , abge- 
bracht. Derselbe bewog Mariotto, das Werk zu 
vollenden, weil bei derAehnlichkeit seiner Kunst- 
Weise mit derjenigen Baccios der Unterschied 
kaum merkbar sein würde. Albertinelli führte 
daher den unteren Theil der Komposition und 
die Bildnisse des Gerozzo und seiner Frau aus, 
die leider jetzt so verwischt sind, dass sich die 
Manier des Meisters zu jener Zeit daraus nicht 
mehr erkennen lässt. 
II. Selbständige Arbeiten. Charakter seiner Kunst 
und seine Experimente. 
Die Aehnliehkeit mit den Werken Baecids, 
Welche sich schon in seinen früheren Werken 
gezeigt hatte, lässt sich auch aus seinen späte- 
Tßll Leistungen erkennen. Mit Recht wird ihm 
daher auchjetzt das kleine Bild, Christus c r- 
Scheint der lllagdalena als Gärtner, zu- 
geschrieben, das sich in der Galerie des L o uvr e 
befindet, lange für einen Perugino galt, aber 
gegenwärtig als Albertinelli im Katalog bezeich- 
net ist. Die grosse Verwandtschaft mit Fra Bar- 
tolommeo bekundet sich hier sofort. Die Figu- 
ren sind von der anmuthigen, gefälligen Schlank- 
heit, die uns aus den Werken Fra Bartolommeds 
bekannt ist; die Handlung ziemlich lebendig, 
Sie? Vortrag zart; die Farbe ein wenig scharf 
11-11 Ton, ja fast roh; die Landschaft sehr fein und 
Siifgfältig ausgeführt. Man merkt an dem Bilde 
floch die Nachwirkung der Grundsätze, welche 
"l den Werkstätten von Cosimo und Verrocchio 
Älß die allein gültigen herrschten und denen Ma- 
Plotto gleich dem Freunde anhing; zugleich aber 
den Einfluss Leonardos da Vinci, welchen die 
Werke des Fra Bartolommeo verrathen. 
Nachdem sein Freund in's Kloster gegangen 
War, fand lliariotto für sich allein dauernde Be- 
schäftigung. Die Werke, welche er in dieser 
Zeit, in den ersten Jahren des 16. Jahrh. malte, 
iälld seine besten. Hervorragend darunter ist 
"16 He i msuch u n g, vollendet im J. 1503 
f"? die Brüderschaft von S. Martino zu Florenz 
äPd jetzt in den Uffizien daselbst. Es stellt 
{e Begegnung der Elisabeth mit der Maria vor 
emßf offenen, von reich ornamentirten Pfeilern
        

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