Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1594754
Gherubino Alberti. 205 
ziger Jahren stammen die meisten seiner mit von ihm einen an die Martersäule gebundenen 
Daten versehenen Bll. 1593 befand er sich in Christus, wobei die Architektur von Giovanni 
Neapel und stach daselbst in eine silberne Platte herrührt. Im Monacato malte er, mit dem genann- 
das Bildniss des Monarchen. Bereits in den ten Bruder, Johannes und Maria am Fusse des 
achtziger Jahren indessen wurde das Malen seine Gekreuzigten, in S. Chiara in der Kapelle Alberti 
Hauptbeschäftigung, wozu ihn wol die massen- einen hl. Andreas, in Borgonuovo eine Fassade 
haften Aufträge, die seinen Brüdern Alessandro mit Genien, Wappen n. dergl. für den Cav. Cos. 
und Giovanni zu Theil wurden, bewogen. In der Rigi im J. 1587. Auch in S. Franceseo war er 
nReale Galeria di Firenzeu finden wir die Notiz, thätig. 
dass er Architektur studirt habe und Civil- und Mehr noch als in B. S. Sepolcro arbeitete er in 
Militäringenieur bei IIeinrich III., König von Rom, wo er gemeinschaftlich mit seinen Brü- 
Frankreich, geworden sei; da indess Gualandi dern eine Menge Malereien in den Palästen vor- 
und Baglione nichts davon wissen und sich aus nehmer Herren ausführte; dann in der Kirche 
seinen Werken keine Anhaltspunkte zu einer della Minerva im Palazzo di Monte Cavallo, in 
derartigen Vermuthung ergeben, so beruht sie der Sala Clementina im Vatikan (mit dem Bru- 
ohne Zweifel auf Irrthum, vielleicht auf einer der Giovanni) u. a. Orten. In der Kapelle della 
Verwechselung mit seinem Vater Alberto. Seine Minerva malte er die Decke mit verschiedenen 
Laufbahn war eine glänzende. Er wurde von Ornamenten und Figuren auf Goldgrund. Aus 
Klemens VIII. geadelt und zum Direktor der der letzten Zeit des Künstlers sieht man (nach 
Akademie des hl. Lukas zu Rom ernannt. Der- kandsehr-Qftiiclzer Notiz Mündleräs) in Sta. Maria 
selbe Papst wies ihm auch die Hinterlassenschaft in via zu Rom eine Freske, bez. Cherub. Alber- 
seines unvcrhcirathct verstorbenen Bruders Gio- tus fecit 1614; die Bundeslade in einer Land- 
vanni zu, welche, zu seinem eigenen Besitze ge- schaft, worüber Gott Vater von Engeln umgeben 
fügt, ihn zum reichen Manne machte. Verhei- schwebt. Von dieser Malerei lässt sich wenig 
rathet war er mit einer Elisabeth Tovaglioli, mit Gutes sagen, die Farbe ist grau u. eintönig; das 
welcher Familie die Alberti's überhaupt in nahen Ganze übrigens in sehr verdorbenem Zustande. 
Beziehungen gestanden haben müssen; ein Bo- 
nifazio Tovaglioli war Pathe des Cherubino. III. Oh. Alberti als Stecher. 
Trotz seiner günstigen Verhältnisse verfiel er in Ungleich bedeutender ist Alberti als Kupfer- 
Späteren Jahren in Melancholie, und hatte die Stecher, und, wenn auch hier nicht vom ersten 
seltsame Leidenschaft, grosse Armbrüste zu er- Range, doch ein tüchtiger Meister. Seine Tha- 
iinden, mit denen er sein Haus anfüllte und viel tigkeit für den Stich ist umfassend. Ein beson- 
Zöit Ver10r. Er St. Zll Rom am 13- Okt- 1515, deres Verdienst hat er sich durch die Wieder- 
Ilßßhdem er am 16. Septbr. Sein 'l'ßßtament gß- gabe der jetzt meist zerstörten Sgraflitto-Male- 
macht hatte. Seine letzte Ruhestätte fand. er in reien Polidords da Caravaggio erworben; sonst 
der Kirche Sta. Maria del Popolo. Seinem Sohne arbeitete er noch nach eigenen Erfindungen, 
Carlo hatte er Alles vermacht; im Falle jedoch nach den beiden Zucchero, Michelangelo, Rosso, 
 wie es auch wirklich eintrat  durch Carlos Raffael, Tibaldi u. A. , auch Einiges nach der 
Tod die weiblichen Mitglieder seiner Familie die Antike. Besonders gelungene Bll. sind auch 
Erbschaft übernahmen, sollten sie eine Kapelle diejenigen mit Gefässen nach Polidoro da Cara- 
in S. Francesco zu B. S. Sepolcro für 1000 Scudi vaggio und Messern nach Fr. Salviati für das 
erbauen lassen. Diese Kapelle wurde dem hl. Kunstgewerbe. Man hat ihn für einen Schüler 
Antonius von Padua geweiht. Der steinerne Al- Agostino Carraccfs halten wollen, allein er übte 
tar mit dem Bilde des Heiligen ist jetzt in die sich im Stiche bereits 1568 und 1571, alsCar- 
neue Kirche versetzt worden; am Sockel der racci noch ein elf- und vier-zehnjähriger Knabe 
Zwei steinernen Säulen sieht man das Wappen War. AUS dem gleichen Grunde kann 81' auch 
der Alberti nicht, wie Strutt glaubt, dem Fr. Villamena die 
Freiheit seines Grabstichels verdanken. Die 
E am Alberti als Mal" Verwandtschaft der Drei rührt zum Theil daher, 
Charakteristisch für die Malweise des Cheru- dass sie nach dem Niederländer C. Cort, der in 
bino sind schlanke Verhältnisse bei ziemlich gu- Rom eine Stecherschule gegründet hatte, sich 
ter Zeichnung und eine leichte, freie Behand- gebildet. Alberti war vermuthlich ein direkter 
lllng; besonderen Beifall fanden seine Engels- Schüler des Letzteren, er hat nach ihm die Num- 
glorien. Von irgend welcher Bedeutung war er mern 7 und 40 kopirt. 
indessen als Maler nicht. In seinem Geburts- Die früheste Jahreszahl (1568) auf Cherubinds 
0 rte war er vielfach thätig. Im Dome malte er Stichen befindet Sich auf NO- 33, einer hl. Jung- 
eine hl. Dreieinigkeit mit drei Heiligen; im Ora- frau mit dem Kinde in halben Figuren. Es ist 
torium von S. Roeco nebst seinen Brüdern die dies zugleich das einzig geätzte Bl. In den sie- 
Lunetten, welche die Passion Christi darstellen; benziger und anfangs der achtziger Jahre War 
beide Werke schlecht erhalten. Ferner malte er er insbesondere als Stecher thätig. Mehrere Bll. 
nebst Alessandro und Giovanni im bischöflichen stammen dann aus den neunziger Jahren; im 
Palaste in Freske, Im Monte di Pieta sieht man 17  Jahrh. fertigte er nur noch wenige Bll. Im
        

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