Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1594697
Leon Battista Alpßgpii 
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tiner Meisters Bernardo vor, dem allein er bis- 
her die Leitung der neuen Bauten, insbesondere 
den Bau des vatikanischen Palastes und die Ver- 
änderungen in Sta. Maria Maggiore, überlassen 
hatte. Letzterer war nach des Vasari Angabe, 
die, wenngleich nicht unbestritten, doch wol be- 
gründet ist, der Architekt und Bildhauer Ber- 
Ilardo Rossellino. Diesen beschäftigte der Papst 
zwar auch weiterhin; doch gab Alberti in allen 
architektonischen Dingen den Ausschlag und lei- 
tete so thatsächlich alle monumentalen Unter- 
nehmungen, während Bernardo im Wesentlichen 
auf die Ausführung beschränkt blieb. Im Ein- 
zelnen lässt sich der bestimmte Antheil Albertfsl 
an den verschiedenen Bauten nicht mehr nach- 
weisen; doch sollen viele Zeichnungen, deren 
Ausführung Bernardo verstand, von Alberti ent- 
werfen sein (nach der Handschrift des Camal- 
dulensers Silvano Razzi in der Magliabecchiana). 
Und so stand überhaupt unter Alberti das ganze 
Bauwesen. Mit seinem Rathe wurde auch die 
von Augustus herriihrende Leitung der Acqua 
Vergine hergestellt, sowie die Fontana Trevi 
erbaut; doch ist dieselbe später, unter Klemens 
XIL, gänzlich verändert werden. Wie Alberti 
auch in Ingenieurarbciten bewandert war, geht 
aus dem Auftrage hervor, den ihm nach der Er- 
zählnng des Biondo der Kardinal Prospero C0- 
lonna als Herr von Nemi gab, nämlich das in den 
See von Nemi versenkte Schiif 'l'rajan's wieder 
an die Oberliächc zu fördern. An Biondds Aus- 
sage ist nicht zu zweifeln, da er selber Zuschauer 
bei dem merkwürdigen Unternehmen war; und 
so ist es wol aus Albcrtfs einfachem sachlichen 
Interesse zu erklären, dass er in seinem Werke 
vom Bauwesen, als er der Sache gedenkt (lib. V. 
eap. 7), seinen eigenen Antheil an derselben 
nicht Weiter berührt. Dass er aber damit zu thun 
hatte, lässt sich aus seinen Worten schliessen: 
vI-Iinsiehtlich des Schiffes lh-ajanis, das in jenen 
'l'agen aus dem See gehoben wurde, habe ich die 
Bemerkung gemacht, dass das Pinicn- und Cy- 
presseirholz ausnchmend hart geworden Wahr.  
So grossen Einfluss hatte übrigens Alberti auf 
den Papst, dass er ihn bewegen konnte, den 
grossen Umbau der Peterskirche, der seit 1452 
begonnen war, wieder aufzugeben, weil er seinen 
Absichten nicht entsprach. Schon waren die 
Mauern dazu .13 Ellen hoch aufgeführt, als sie 
wieder eingerissen wurden; der Bau sollte dann 
Wol nach Albertfs Plänen von Neuem begonnen 
Werden. Doch ehe noch dazu ein Anfang ge- 
macht war, starb der Papst. 
Dasselbe Ereigniss scheint Alberti zur Riick- 
kehr nach Florenz bewogen zu haben, wo er 
Ohnedem ungern vermisst wurde. Schon damals 
War er als hervorragender Architekt in ganz 
Italien zu grossem Ansehen gelangt, und jeder 
Fürst, jede kleine Republik des Landes hätte 
gern seine Thätigkeit in Anspruch genommen. 
Allein wir wissen schon, wie den Meister seine 
allseitige geistige Regsamkeit wenig zu prak- 
tisehem Wirken gelangen liess. Diessmal hatte 
ihn Antonio Canigiani dringend nach Florenz 
eingeladen. Vor 1455 wird er kaum dahin zu- 
riickgereist sein; denn noch 1453 hatte er in Rom 
als Augenzeuge die Schilderung der Verschwö- 
rung des Stefano Porcari gegen Nikolaus nie- 
dergeschrieben und 1454 von dort die neue Zeich- 
nung zu der Fassade von S. Francesco nach Ri- 
mini gesandt. In Florenz finden wir ihn nun als 
Thcilnehmer an den Unterhaltungen, die Lorenzo 
und Giuliano de' Medici in der Zurückgezogen- 
heit zu Oamaldoli pflegen und aus denen Cristo- 
foro Landini den Stoff zu seinen Quaestiones 
Camaldulenses schöpfte. Auch bei dem Gastmahl 
war Albcrti, das 1464 Lorenzo Medici den grie- 
chischen Gelehrten Philotimos von Konstantino- 
pel und Aretophilos von Athen zu Ehren gab. 
iAn der beginnenden Verbreitung griechischer 
Bildung sehen wir so den Meister als Genossen 
der Fürsten ebenfalls theilnehmen. 
Als Architekten beschäftigten ihn damals in 
Florenz mehrere Bauten für die Familie Ru- 
 c el lai. Den Historiker Bernardo Rueellai hatte 
er schon in Rom gekannt, da er demselben nebst 
 Lorenzo de" Medici und Donato Acciajoli bei der 
 Untersuchung der Alterthümer als Führer diente. 
11m Auftrage des Giovanni di Paolo Rucellai 
 hatte er um 1456 die Marmorbelegung der Haupt- 
fassade von Sta. Maria Novell a weiterzufüh- 
ren, die auf Bestellung eines Turino Baldesi 
(Testament desselben von 1348) schon weit frü- 
her begonnen war. Er war hier an das Muster 
des schon ausgeführten unteren Theils gebunden ; 
schwerlich hätte Alberti selber das Princip der 
Inkrustation angenommen, das seinen eigenen 
architektonischen Grundsätzen widersprach. Da- 
her ist auch diese Fassade seinen übrigen Bau- 
ten ungleich; nur in dem hervorragenden mitt- 
leren Theil findet sich ein Anklang an den Palast 
Rucellai (s. unten). Darum zweifelt Ricci, dass 
von Alberti die ganze Fassade herrühre, und 
wirklich nennt der Dominikaner Giovanni Ca- 
sella nicht ihn, sondern Giovanni Bertini als 
Baumeister. Allein dieser mag den Bau nach 
Albcrti's Zeichnungen nur geleitet haben. Bis 
 zum Hauptgesimse über den Rundbögen war die 
Inkrustation im Wesentlichen schon vollendet, 
und der obere Theil; Pilasterordnung mit Gie- 
,bel, erinnert doch an die Bauart des Meisters, 
Wvährend er zu beiden Seiten die volutenmässig 
 geschweiften Formen offenbar anbraehte, um die 
 Pultdächer der Seitenschiife zu verbergen. Die- 
rselbcn sind das erste Beispiel der von der Ba- 
lrockarchitektur so vielfach angewandten Volu- 
 ten, hier aber, so wenig klassisch auch die Form. 
list, nicht unpassend und in Einklang mit dem 
Ganzen angebracht. Denn dieses war auf eine 
vorwiegend malerische Wirkung angelegt, und 
dass Alberti dieselbe erreicht, dass er der gan- 
zen Fassade eine anmuthige Bewegung gegeben 
hat, ist nicht zu leugnen. Unbestritten ist von 
ihm das schön behandelte, fein und massvoll or-
        

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