Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1594656
 Leon Battista Alberti. 195 
begeisterte Vorstellung, die cr von der Baukunst diese Stellung, ohne dass "die innige Beziehung 
und ihrer veredelnden Wirkung auf das ganze zur klassischen Welt gelockert würde, freier und 
Leben, sowie von der geistigen Bedeutung des selbständiger, wie sich zugleich das eigene Le- 
Architekten hat. Darin bewährt er sich als einen bensprincip der Renaissance aus der tieferen 
der bahnbrechenden Führer einer kühn und gross Berührung mit der Antike entfaltet. Wir werden 
aufsteigenden Zeit, während Vitruv, in einer sehen, wie er in seinen eigenen Bauwerken zwar 
schon alternden Epoche, als der Mann der blos- an den antiken Formen festhält, aber sie zu Ge- 
sell, aus den Werken einer mächtigen Vergan- bilden verwerthet, darein er die Bauzwecke sei- 
genheit abgezogenen Regeln erscheint. Doch nes Zeitalters wie in ein festliches Gewand, in 
gründete sich Albertfs Werk nicht bloss auf das ein selbständiges Prachtstück kleidet. Ebenso 
theoretische Studium klassischer Schriften. Auch geht seine Theorie über die blosse Nachbildung 
er hatte, gleich Brunelleseo und Donatello, bei der Antike zu einer von eigenem Schünhcitsge- 
Seinem jahrelangen Aufenthalt in Rom die anti- fühl geleiteten Verwendung ihrerBauglieder fort. 
kßn Ruinen untersucht und vermessen, wenn er Das spricht sich schon darin aus, dass er immer 
gleich der klassischen Monumente selber nicht die Erscheinung des ganzen Baues, seinVerhält- 
näher gedenkt. In der kleinen Schrift über die niss zur Umgebung, insbesondere seine male- 
fiinf Ordnungen hat er, offenbar unabhängig von rischc Gesammtwirkung im Auge hat und viel- 
Vitruv (nach Burckhardt), die Säulen- und Ge- mehr von einem solchen in sich geschlossenen 
bälktheile auf ihre Masse bestimmt und über Bilde ausgeht, als von einer künstlichen Kombi- 
Entstehung und Wesen derselben seine eigenen nation der einzelnen Theile. Vor Allem kommt 
Gedanken gegeben (z. B. in der Erklärung des es ihm an auf ein reiches mannigfaltiges Ganzes, 
ionischen Kapitells). worin sich Kontraste mit der Symmetrie verbin- 
Vor Allem geht aus diesen Werken die unbe- den und die verschiedenen Glieder wie zu einem 
dingte Anerkennung des k l a s s i s c h c n einheitlichen Leib zusammengewachsen erschei- 
Bau s y s t em s als eines immer gültigen Vor- nen. Daher vergleicht er  wol als der Erste 
bildes hervor. Schon in der Bewunderung unter den Neueren  die Architektur mit einem 
der Säule spricht Sie sich auf das Deutlichste organischen Körper, weil ihm eben in der leben- 
alls- Diese gilt Alberti als ndic vorzüglichste digen Verbindung der einzelnen Theile das 
Zierde des ganzen Bauwesensn  ein untrüg- eigentlich Künstlerische des Bauwerkes liegt. 
liches Zeichen wie GIItSClIiQClEII 61' Sich von del- Und zwar versteht er dies nicht so, als ob in 
mittelalterlichen Architektur abgewendet hatte. diesem die Folgerichtigkcit der konstruktiven 
Auch suchte er zum Theil wenigSlienS die ur- Entwickelung, die Dienstleistung der Bauglieder 
sprüngliche Bedeutung der antiken Bauglieder den Formenausdruck bestimmen müsse, sondern 
in ihrer ganzen Strenge festzuhalteiy So will er zum Organismus genügt ihm der freie Schein 
über der Säule nur gerades Gebälk dulden, den eines in sich abgerundeten Ganzen. Diese An- 
Bogen auf Pfeiler gesetzt haben und auf der schauung bewährt sich auch darin, wie er Slcll 
Säule nicht einmal mit der Vermittelung eines den Bau in wirksamcm Einklang mit der 1111136" 
Architravstückes zugeben; eine Vorschrift, der benden Oertlichkeit, sei es mit anderen monu- 
er freilich selber nicht treu geblieben ist. Ferner mentalen Gebäuden, sei es mit der landschaft- 
dringt er auf Mafs in der Verwendung des Orna- liehen Scenerie, denkt. Bezeichnend in dieser 
Inents, da ihm die Schönheit des Baus (wovon Hinsicht ist seine schöne Beschreibung desLand- 
noch später) vorabjn der geschlossenen Einheit hauses in der Nähe der Stadt, der Villa subur- 
aller Theile besteht und er in jenem nur einen bana. Nicht bloss ist hier ihre heitere Lage auf 
äusserlich angehcftetcn Schmuck, nur ein com- einem mässigen Abhang in freundlicher Gegend 
plelllßntum der Schönheit Sieht. in Betracht gezogen, sondern auch ihre innere 
von dieser Ansicht sind dann SOWOl 61' Selbst Einthcilung in die mannigfaltigsten Räume mit 
als die Renaissance übelllallpt bald genug ßbäßr genauer Angabe der Mafsverhältnisse, sowie de- 
sangen. Wie der-Entwicklungsprozess derletztc- i-en Augsghmückung für ein Geschlecht, das, 
ren schon in Alberti Sßillßll Hßllptlügßll Ilßßll aller äusscren Sorgen des Daseins ledig und ge- 
zum Ausdruck kommt, ist interessant zu verfol- hoben durch jede Art von Bildung, zu dem edel- 
gen; auch in seinem Verhältniss zum Alterthum sten harmonischen Genuss des Lebens ebenso 
spiegelt er sich wieder. Zuerst wirkt auf ihn die aufgelegt wie befähigt ist. Wie auch hier wie- 
Yelsßnkung in die klassische Welt mit überwäl- der Alberti die vollendete Ausbildung und Be- 
tlgßllder Kraft. Schon in seiner Gesinnung ha- friedigung des ganzen Menschen im Auge hat, 
bffn wir das reinste antike Heidenthum entdeckt; liegt auf der Hand. Und dabei verknüpft sich 
W16 er denn nur noch von Göttertempeln spricht, ihm immer aufs Engste mit der Natur die Kunst. 
als Wenn eine christliche Kirche als die Vereh- Beniitzt er fiir seine Villa zugleich den Reiz der 
fllllgsstätte eines alleinigen Gottes gar nicht für Landschaft, so will er umgekehrt den Luxus- 
lhll existirte, während in seinen eigenen Kir- garten in solchen Zeichnungen angelegt sehen, 
chellbauten, schon nach der Meinung von Zeit- die auch einem Bauplane zur Zierde gereichen 
genossen, der heidnische Charakter sich gleich würden. Endlich will Alberti auch die Baufor- 
stark ausgeprägt findet. Allmälig wird dann men, die sich in den letzten Zeiten des Alter- 
259"
        

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