Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1594622
192 Leon Battista. Alberti.  
vische Ansichten mechanisch abzuzeichnen (lu- famigliare, Della economia. Das gewöhnlich dem 
cidare le Prospettive) und dabei die Figuren zu Agnolo Pandolfini zugeschriebene Werk; Trat-- 
vergrössern oder zu Verkleinern, und ein ande- tato del governo della famiglia ist mit geringen 
res, um die Tiefe des Meeres zu messen. Er war Abänderungen dem dritten Buche entlehnt). Es 
es auch, der zuerst eigentliche Dioramen ge- ist ein wahrhaft ideales Hauswesen, das hier ge- 
fertigt zu haben scheint. Der Codice Rosselliano schildert wird. Gleichmiissig umfasst die geistige 
(Handschrift, seine Biographie und einige seiner und leibliche Sorgfalt; verbunden mit reichem 
Werkchen enthaltend, in der Bibliothek der Sig- Besitz, ernster Arbeit und heiterem Genuss des 
nori Rosselli gia del Turco) berichtet: er habe Lebens, die ganze Familie bis zu den Dienern 
in einer kleinen Kapsel durch eine kleine Qeff. herab. Dieses iicht menschliche, ächt weltliche 
nung unglaubliche und unerhörte Dinge gezeigt, Glück gipfelt dann in einem Landleben, das uns 
Berge, Länder, Meeresufer, dabei so fei-ne Ge- hier in einem Musterbilde entgegentritt, wie es 
genden, dass dem Schauenden die Schärfe des spätem Zeiten Woi nicht Wieder ehrsißili haben- 
__Blicks verging, und dies Alles so täuschend, dass  Man sißili, Wsißhei Art das hiisilsiß Zißi ist, 
man es in Natur zu sehen glaubte; A. habe den, das Alberti in seinen nmoralischena Schriften als 
Demonstrationes genannt. Er selbst rühmte sich, idealen Zustand des Lebens aufstellt ES sind 
verschiedene Kriegs- und Vernichtungsniasclii- nißllt die spekulativen Fragen 113.011 dem Weßßn 
neu für Schiffe erfunden zu haben. Wie Leonardo der Welt und des 1516115011811, nach dem Grund 
hatte er jene unermüdliche Geisteskraft, die in aller Dinge, die ihn beschäftigen, sondern die 
fortwährend raschem Umlauf nach den verschic- beste Einrichtung" und Ausbildung des Lebens, 
densten Seiten blitzartig ihr aufhellendes Licht wie sie damals, beim Aufgang einer neuen Zeit, 
wirft; und zu bewundern bleibt nur, wie diese aus einer neuen Anschauung sich praktisch zu 
mannigfaltige Thätigkeit doch den geschlossenen realisiren strebte. Auch seine übrigen Schriften 
Charakter der Persönlichkeit trägt und wenig- dieser Gattung bewegen sich in demselben Ge- 
stens nach einigen Seiten grosse und bleibende dankenkreise.  
Resultate erreicht. Wie sich aber in diese uni- Damit mischen sich dann Werkchen der ver- 
versaleNatur dasKiinstlerisehe mischt, wird sich seliiedeneten Art; lateinische Prosadichtungen, 
äisinh Zeigen Elegien und Eklog-en, mathematische und anti- 
     quarische Abhandlungen, Aufsätze über die 
II. Seine literarische Thätigkeit. Die kunsttheoretischen seelenmhe, die wahre Liebe (Ecatomüläl), emn 
Schniien- lieh Novellen und heitere Tischreden. Unter die- 
Die schriftstellerische 'l'hätigkeit, der sich A. sen Schriften nahm diejenige über den Fürsten, 
in der Musse seiner Aemter auch fernerhin wid- Momus, sive de Principe, die sich mit feiner 
mete, umfasste in den mannigialtigsten Formen Schärfe namentlich gegen die Hüflinge richtete, 
die verschiedensten Gebiete des Lebens. Sie im einen hervorragenden Platz ein; P. Jovius stellte 
Einzelnen näher zu verfolgen, schlägt nicht in sie den anerkannten Werken des Alterthums als 
unsere Aufgabe ein; doch darf hier ihre BetrnCh- ebenbürtig zur Seite. Auch Komödien hat A. 
tung im Ganzen nicht fehlen, da die ganze hu- noch gedichtet, darunter eine mit dem Titel Vi- 
manistische Ausbildung desGeistes vomgrössten dua et Defunctus. Neben dem Allen bewährte 
EinflnSSß auf die KunSt 1181 Renaissance Wnrer sich noch als politischer und historischer 
oder vielmehr im innersten Zusammenhange ge- Schriftsteller. Er beschrieb die Verschwörung 
meinsamen Lebens mit ihr stand. Denn eben des römischen Ritters Stefano Porcario gegen 
hierin ist Alberti eine so interessante Persönlich- Nikolaus VW die iin J  1455 , ein ei- sien in Rein 
keit, dass in ihm Humanismus und Renaissance aufhielt, entdeckt wurde. Die kleine Abhand- 
wie in Wenigen zusammentreffen und ihre Fä- lung findet sich in dem schon gen. Cod. Rossel- 
den fest ineinanderflechtcn. Seine artistischen lienn nntei- dem Tiiei: Leonis Baptisme Alberti 
Suhliiiien, seine iheoieiisshsh Auieiiungsn Zuf Porcaria Conjuratio incipit. Die Mehrzahl die- 
Kunst haben alISSCT ihre!" besonderen 110011 dißSß ser Schriften ist in lateinischer Sprache verfasst. 
allgemeine Bedeutung, dem humanistischen Bo- Der reinen toskanischen Mundart wurde Alberti 
den entsprossen zu sein. erst allmälig Herr; noch mit seinem De vita 
Ehe wir zu innen und zur klinstlerischenWirk- civili war er in dieser ilinsicht unzufrieden. 
samkeit Albertfs übergehen, ein Wort noch von Seine Sittensprüchc aber, darin sich seine Auf- 
seinen sonstigen Werken Von besonderem In- fassung' des Lebens kurz und treiTcnd zusam- 
teresse ist darunter seine Schrift De vita, ei- meniasste, mochten sie nun aus seinen Schriften, 
vili, die er um 1434 in Zeit von neunzig Tagen oder aus mündlicher Rede kommen, warenieinem 
zu Rein vollendete (liienneki-ipt in der Biblie- grossen Theil der Florentiner geläufig: In ihnen 
thek Strozzi zu Florenz, Cod. 143). Sie gibt spricht sich oft Albertfs eigenes Streben 
Zeugniss von dem hohen Werth,welchcnAlberti klar und deutlich aus, wie in den Worten: 
auf den glücklichen Verlauf eines vielseitig ent- "Meisterschaft zu erringen in Allem, was Lob 
wickelten Lebens legte (drei Büenen denen Al- und Ruhm schafft, das allein gibt dem Leben In- 
berti drei Jahre später ein viertes liinzniiig-ie; halt"; vhalte Mass und schliesse nie mit deiner 
auch mit den Titeln Della famiglia, Della cura Entwickelung ab". Wie begründet übrigens
        

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