Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1594598
Leon Battista Alberti. 189 
ser Meister stammt, nannte sich bloss degli Al- Zeitraum zu so hoher Blüte zu entwickeln; ein- 
berti, der andere bloss da Catcnaja. Noch heute mal die in's Grosse gehende kaufmännische Be- 
bliiht diese ilorentiner Familie in einem Nebcn- triebsamkeit, welche die edelsten Geschlechter 
zweige, den Herzogen von Luynes, die in gera- des damaligen Florenz auszeichnet; dann, wie 
der Linie von Tommaso di Luigi di Tommasc Leon Battieta selbst berichtet, in einer Anzahl 
Carroccio abstammen (einem Blutsverwandten ihrer Angehörigen eine keineswegs oberfläch- 
unseres Alberti) , der 1409 von seinem Vater in linlie literarische Bildung nach den verschieden- 
Frankreich zurückgelassen worden und daselbst sten Seiten. Bei keinem Geschlechte sei, nach 
zu hohen Würden empor-stieg (s. Histoire de la Alberti's eigenem Ausspruch (im zweiten Buch: 
Noblesse du Comtat Venaissin, T. IV). Schon Della Famiglia), so lange sie in der Heimat 
seit Anfang des 14. Jahrh. hatten sich die Al- weilten, der Reichthum so gross, so stetig und 
berti in Florenz hervorgethan, neun Mal Waren so wol angewendet gewesen, als bei dem ihrigen, 
Sie zur obersten Würde des Gonfaloniere ge- und Glieder desselben seien als mächtige und 
hrngr- Die niißhsiien Vßrfnilrßn Leon Bnttisßnis ihrerEhrliehkeitwegenhoehgeachtete Kaufherrn 
spielten dann in der politischen Geschichte ihrer über ganz Europa zerstreut (allerdings zum Theil 
Vaterstadt eine hervorragende,ihnen selber frei- durch die Ungilnsg dei- Zeiten), nin London, 
lich verhänguissvolle Rolle. Sie betheiligten Byüg-g3,1{ö1n, Venedig-y Genua, Bologna, Rom, 
sich, und insbesondere sein Grossonkel Bene- Avignen, Paris, Valencia, Barcelona, selbst in 
dem): der sich zu einer geiiirshiehen hlhdhtstsi" Griechenlands.  In solchen 'l'raditi0nen aufge- 
lung emporgeschwungcn, an einer Verschwörung Wachsen und von Seinem Vater auf das Sorgfän 
der ßWeissenu gegen Maso degli Albizzi 11- Seine tigste erzogen, strebte Alberti von früher-Jugend 
Partei, Weiche essen Ende des 14- Jnhrh- hin" an nach "Allem, nwas Ruhm und Ehre bring-m 
P6112 beherrschten. Allein durch Verrath llliSS- (VVQI-te ggines anonymen BiQg-l-aphen  wIlu-an 
giiißktß der Ansrhisäk nnd so ninssißn mit einer tori). Von Kindheit an war er zu unausgesetztei- 
Anlnili anderer irl01'e11tinßl' ans den edsisten Arbeit angehalten werden. Ain Anfang einer 
Gesnhisnhisrn, den hiedißi, Rißßbsirdzzi h- S'W'J seiner Schriften (De commodis litterarum atque 
auch die Alberti, zuerst nur einiäß, dann aber, iucommodis; wendet er sich an seinen Bruder 
auf erneute Entdeckung, alle Glieder der Fami- Carlo; "Unser Vater Lorenzo Alberti, ein Mann, 
U9, Weißhß das fiiniilßilnie Lshensjnin" über" dcr seiner Zeit, wie du dich erinnerst, bei wei- 
Sehritten hatten, in die Verbannung ziehen. Erst mm der Erste von den Unsl-igen in auch Dingen 
mit CUSimO de" Medici kehrten Sie 1434 nnßh war, und namentlich in der Kunst, seine Familie 
FlOPCHZ zurück. zu erziehen, liess uns in einer solchen Zucht 
Während dieser Verbannung wurde Leon Bat- gross werden, dass wir niemals müssig warena, 
tista zu Genua den 18. Febr. 1404 geb. So be- Bald suchte der junge Alberti selber Körper und 
richtet eine glaubwürdige Notiz, welche ein Geist gleiehmiissig zu höchster Kraft und G3- 
Exerhlsinr der rii0i'ßniii1ni' Ansänhn sßiilns 1311- wandtheit auszubilden; früh schon scheint ihm 
Ches "de re nßdiiiwatßria" V0n 1455, hßiindir- h in deutlich dieses Ziel vorgeschwebt zu haben. In 
der Klvßterbibliothck von b'- Frnnßösßn Zn Ur- allen körperlichen Uebungen, im ltingkampfe, 
bino, in den Sehriftziig-enjenel" Zeit enthält (mit- iin Laufen, im Ball- und Wurfspiele, wie in den 
gßtilßiii in den hieinorie Der in heiie nrili- Roms adligen Künsten des Reitens und Fechtens kam 
1758. lV. 202 Autor hhjns Arrhimsthrhe D- Led er bald dem Geiibtesten gleich. Seine Biogra- 
BnlJPisin de li-ihsrtis nntns 3st Jdnnne anno phen erzählen, wie er mit geschlossenen Fiissen 
Christians"? Saihtrs H04; hurrr Prima" "Sh wer" einem Mann über die Schultern springen konnte, 
ßhtnrnin die 18- Fnhrnnrlil- Bisher War sein G6" fast unbeweglich auf dem wildesten Pferde sass, 
bhrtsjnhr Verschieden nnäeeshehi Von Mshhi mit einem Pfeile auch den stärksten Eisenhar- 
(De Fiorshtihis lhvehtis Udnhnenthrihhi- Fsr" nisch durchbohrte und im Florentiner Dome eine 
rirrihe 1731, Cnli- 31) 1398, Von BQCChi (Eingis kleine Geldmiinze empor-warf, dass sie oben am 
Virorum Florentinoülnl, P- 5dl 14W; nnnh lies" Gewölbe anklang, oder an die Aussenmauer der 
seil ihn Einige in Venedig statt in Genua geb- Kirche mit dem linken Fusse gestützt, einen 
sein. Sein Vater war Lorenzo di Bßnndßitß, Apfel über das Dach mit der Rechten hinüber- 
Sein Oheim der Kardinal Aiberto degli Alberti. Sclinelltg 
von seinen Brüdern Sind 11118 aus Seinen Sßhriii- Allein nicht minder suchte er sich in den Klin- 
te" Carin und Beinnrdn bekannt, die sich Wahr- sten, in Musik, Redekunst und Dichtung zu ver- 
seheinlich, gleich dem Vater, den Geschäften vollkonininein Als Organist und Komponist kam 
widmeten, aber ebenfalls humanistische Bildung ei- zu Ruf, ohne dass er unter einem Meister ge- 
bessssßn- lernt hätte. Auf die Schönheit der Sprache und 
 Auf das weitverbreitete Ansehen u. die "Piich- des rcdnerischen Ausdrucks legte er grosses Ge- 
rlgkeit seiner Familie, auf die Abkunft von der- wicht; denn er fand, dass die Beredsamkeit auf 
selben hat Alberti zeitlebens mit berechtigtem die Menschen mächtig' einwirke. Fiir ihn, der in 
Stolz zuriiekgebliekt. Sie besass jene Eigen- der Verbannung aufgewachsen, war es schwer, 
schaften, welche ihrerseits viel beigetragen ha- der reinen toskanischeil Mundart ganz Herr zu 
ben, die Knltni- und die Kunst Italiens injenem werden, und doch hatte er sie nachher so in der
        

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