Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1594439
 Hancesco Albani. 173 
 
den er, wie man ihm oft vorgeworfen, in seinen ditcn und Amoretten sind, von einer gewissen 
Bildern reichlicher anbrachte, als es der Gegen- akademischen Schwerfälligkeit sind sie doch 
stand erforderte. Uebrigens waren seine Kinder nicht freiziisprechen. Es fehltihnen deriirsprüng- 
Modelle, wie sie sich der Künstler nicht besser liche, frisch empfundene Reiz, der volle Zug 
wünschen konnte; sie waren sogar, wie Malva- eigenthiinilicher Natur; ihre Sinnlichkeit ist matt 
sia" erzählt, von der Mutter zu graziösen und und siisslich. Man merkt auch hier die muhsame 
schwierigen Stellungen trefflich angeleitet wor- N eubelebung der Kunst, die der Schule der Oa- 
den. Daher haben auch Algardi und Fiammingo raeci eigen ist undder bei allem Talent n. Kön- 
sie zu ihren Genien benutzt. Eben diese Seliön- nen eine gewisse Trockenheit anhängt. 
heit der Familie, die er so bequem zur Hand Dabei bewegt sich Afs El'i'llldllilg' im engsten 
hatte, mag mit Grund gewesen sein, dass er sich Kreise. Er hat nur eine kleine Anzahl von Figu- 
fast ganz zur Mythe wandte" ren, mit denen er seine Bilder in Scenc setzt, 
Doch ist er auch in der Kirchenmalerei nicht und eine Reihe von Darstellungen, welche be- 
nnfruchtbar gewesen; er hat allein an fünf und sonders ansprachen, wiederholte er oft mit ge- 
Vierzig grosse Altarbilder gemalt. Was ihm aber ringen Veränderungen. Man sieht, dass er die 
auch auf diesem Gebiete am besten gelang, das Glieder seiner Familie unermüdlich als Modelle 
Sind jene Scenen, darin ein stilles Glück, der gebraucht hat; alle seine Nymphen und Liebes- 
Friede eines mässig bewegten Lebens vorwal- götter gehören demselben Geschlechte an. Die 
ten, wie die hl. Familie, die Ruhe auf der Flucht Zeitgenossen riihmten an ihm den Reichthum 
nach Aegypten, oder die Verkündigung Mariä. der vconcettiu, d. h, der Motive. Allein es waren 
Mit dramatischen Motiven, mit Vorg-äiigen von immer nur zahme Variationen Weniger Themafs, 
heftiger Erregung kam er weit weniger zurecht; und die Nebenbuliler wenigstens versäumten 
das zeigt z. B. sein Joseph und die P0tiphai' in nicht, ihm die Einförmigkcit seiner Typen (auch 
der Sammlung des Lord Yarborough auf dessen die Schwäche der lllotlelliriing) vorzuwerfen. In 
Landsitz Brocklesby (das Gemälde ist oden- der 'I'hat geht durch die ungemein grosse Zahl 
bar das Vorbild für das bekannte Werk von seiner in ganz Europa zerstreuten Werke eine 
Carlo Oignani in der Dresdner Galerie gewesen). gewisse Einförmigkeit. Das einzelne Bild für 
Andrerseits war der Künstler der Genremalerei, Sich betrachtet wird immer, ohne auf tieferen 
welche sich mit dem wirklichen Leben abgibt, Reiz Anspruch zu machen, eine anmuthige Wir- 
gänzlich abgeneigt; die Vertreter des derben kling haben; aber öfter gesehen, wird der Mei- 
Realismus, wie die Brueghel u. Pictei- van Laer SWY älemhäültiä und efmüdßlld- Seine lebens- 
waren ihm geradezu zuwider, und Caravaggio äirüssell 561113149 sind im Ganzen die schwäche- 
nanntn el- ninllt anders als tlu rnvina delf afijßn. ren (nicht bloss für Kirchen, auch für Paläste hat 
Bilder von ihm, die einen sittenbildlichen Zug er ihrer eine gute Anzahl geliefert); für diesen 
haben, Zeigen doch einen vorwiegend idyllischen 313888331) Waren die Charaktere seiner Köpfe 
Charakter; so zwei Gemälde in der Sammlung nicht bedeutend, die Zeichnung nicht gründlich 
des Hrn. Morrison in London, welche jedes- genug. Das beweisen nicht nur seine Altarbil- 
mal eine Frau mit verschieden beschäftigten der, sondern auch sein mythologischer Fresken- 
schönen Kindern in heiterer Landschaft dar- cyclus im Palast Verospi (jetztTorlonia; s. oben). 
stelleIL Von Aufträgen war unser Künstler fast über- 
Am meisten Erfolg hatte natürlichA. mit jenen häuft. Gualandi hat einige Briefe veröffentlicht, 
mythischen Scenen. Man hat ihn den Anakrcon Verhandlungen mit einenrBesteller, die auch ein 
der Malerei genannt niid eine Zeitlang seine der- Interesse der Preise halber haben, Welßhe fül" 
artigen Werke hoch im Werth gehalten. Beson- Afs Bilder bezahlt wurden. In einem derselben, 
deren Beifall fand sein Bildercyclus der vier V0n dßlniinlnals bekannten Schriftsteller Ber- 
Elemente, den er für verschiedene grosse Ilerren lingiero (iessi, der fur den befreundeten Maler 
wiederholen musste (s unten); n_ Scangllil-ühmt die Feder rührte, lieisst es, dass derselbedie 
Seine geistvollen und mannigfaltigen Erlindun- 1393991111118 nicht äleißh ausführen könne, W811 61' 
gen, darin er unter den tHeutigein nnvergreich- für Frankreich, Spanien und Italien eben viel zu 
lich sei. Aehnlinh änssert sich Passeri. So giin- thun habe; und weiterhin, dass seine Werke von 
stig urtlieilt man freilich jetzt nicht mehr. Ein aller Welt hoch geschätzt wären und daher der 
lebhaftes Gefühl für gefällige Formen, für an- verlangte Preis (100 Scudi, etwa 6-_700 Franken) 
muthige Bewegungen ist dem Meister nicht ab- wol nicht zu hoch sei. wDas betr. Bild, die Ve1'- 
Wßprechen; im Ganzen ist seine Zeichnung gut, trcibiing' Adam's und Lva s aus dem Paradiese, 
wenn auch von Schwächen nicht frei; sein Ko- 1649 fertig geworden, wurde dann, ausser der 
mit ist Warm, klar und blühend, das Nackte, Vergütung vvntNebl-Hlßuäsaben, mit 70 Scudi 
lesseii Ton an Tizian erinnert, von der dunkeln, bezahlt (1828 m den Besltz des Hm- Pifrk nach 
immer poetisch erfundenen Landschaft wirksam Eng 1 M111 äekommenl- Dagegen WM G111 Altar- 
lbgehoben. Dabei Weiss er im Ausdruck des bild, Martyrthum des hl_. Andreas, für die Ka- 
iinnlichen Reizes Mass zu halten; hier ist noch pelle Gozzadini in der Kirche S. Maria de" Servi 
Wenig von der lüsternen und bewussten Erregt- 111130109131, mit 1000 Llre bezahlt worden (1541 ä 
ieit des Rnk0kn_ Allein so ziei-lich diese Aphro- noch erhalten, aber verdorben). Für die dama-
        

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