Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1594429
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Francesco Albani. 
zum Ausbruch kam, rasch zur Entzweiung und einer seiner beiden Villen in der Nähe von Bo- 
zur offenen Feindschaft führte. Denn bald kam logna, bald in der Querzuola, bald auf derjeni- 
hier Reni, obgleich es auch unserem Meister gen in der Gemeinde Meldola, zuweilen auch in 
nicht an Beifall und Verdienst fehlte, zu grÜS- Bologna selbst, im vGarten der Poetenn bei emsi- 
serem Ruf. A. sah sich sogar gezwungen, zum ger Thätigkeit ein gcmächliches Leben. Diesem 
Theil als Gehiilie seines alten Freundes zu ar- fehlte es weder an den gewöhnlichen Genüssen 
beiten, und das führte um so eher zum Bruch, des Tages, weiinsehen A_ darin iiiäesig wer, 
als Guido nicht versäumte, ihn seine Ueber- noch an den feineren Freuden des Geistes. Sein 
legenheit fühlen zu lassen. Bald war ihre Neben- Schüler und Freund Bonini aus Venedig versah 
buhlerschaft so offenkundig geworden, dass sich von dort aus Seinen Tisch mit guten Iriseheh und 
in Bologna Künstler und Kunstfreundc in vAl- Austern. Auch seinen trefflichen Wein mochte 
banesiw und vGuidistiu theilten. A. nicht missen, so dass er, da er im Alter ein- 
In Rom fand A. mancherlei Arbeit und ver- mal nach Venedig; reisen wollte, denselben sich 
mehrte so sein Vermögen nicht unansehnlich. nachschicken zu lassen dachte. An dem Allem 
Unter Anderem malte er, gemeinschaftlich mit nahmen oft gleichgestimrnte Freunde Theil, wie 
Annibale Caracci, die Fresken in der Kapelle S. denn der Maler eine lebhafte und wechselnde 
Diego in der Kirche S. Giacomo dcgli Spagnuoli. Unterhaltung liebte. Dazu kam die fortgesetzte 
A. selbst berichtete in seinen handschriftlichen Beschäftigung mit einigen Poeten, die seine 
Anmerkungen zum Microeosino della Pittura des Lieblinge waren, insbesondere mitOvid u. Vir- 
Scanelli (nach Malvasizr), dass er dieses Wer-l: gil, die er am liebsten in der Urspraehe gelesen 
mit Annibiiie und nach dessen Zeichnungen von- hatte, von den Neueren mit Ariost und Tasso. 
endet habe, ohne die Beihiilfc von Innoeenzo Nur selten unterbrach er den ruhigen Lauf die- 
Tacconi und Domenichino, deren Scanelli irr- ses eingeschränkten aber reichlich ausgefüllten 
thiimlich gedenke. In den ersten Jahren seines Daseins. Einmal im J. 1625, als er nach Rom 
römischen Aufenthaltes verheirathete sich A. ging, wahrscheinlich um die Villa des Marchese 
mit einer jungen Römerin, Anna Rusconi, die Giustiniani zu Bassan o bei Rom auszumalen 
ihm nahezu 40000 Lire (S000 Seudi) zubrachte, {mit der Geschichte Neptunls und der Galatea u. 
eine für jene Zeit beträchtliche Mitgift. Sie st. dem Fall Phaetons), und die Fresken im Palast 
schon bald darauf im ersten Wochcnbette, nach- V erospi (jetzt Torlonia) auszuführen, welche 
dem Sie am 11_ Jimi 1514 eine Teehtei, Eiise- noch erhalten sind, insbesondere Apollo mit den 
betta (später Priorin des Klosters della Conce- Vier Jßllreß- und Tageszeiten (S- "ntßni- Darm 
zione in Bologna), geboren hatte. A. gedachte im J. 1630, als er wieder nach Rom ging, um 
nun in Rom unabhängig als Junggeselle weiter die Tribüne in der Kirche S. Maria della Pace 
zu leben. Allein sein älterer Bruder Domenico, zu malen, und im J. 1633, da er in Florenz für 
dei- uPi-okm-atoi-u, der die. Güter der Familie ver- den Kardinal Gio. Carlo de" Medici in seinem 
waltete , drängte ihn, nach Bologna. zuriickzu- Palast Mezzo Monte verschiedene Werke aus- 
kehren und eine zweite Frau zu nehmen; weder führte. 
er, noch der jüngere Bruder Gio. Agostino, (ler Diesem Leben entsprach die Kunst des Mei- 
Notar, wollten heirathen u. so sollte denn Fran- sters. In den Scencn, welche er mit Vorliebe 
ccsco ndas Haus aufrecht erhalten" n. für Erben darstellt, so wenig wie in seinen Formen und im 
(105 Vermögens Sorgen (Brief des DOIIICIÜCO M1 Ausdruck seiner Empfindungen, ist etwas Gros- 
Franceseo bei Malvasia). Francesco licss sich ses und Gewaltiges. Insofern kommt cr weder 
bereden und kehrte 1016 nach Bologna. zurück. dem Domenichino, noch dem Guido Reni gleich. 
  A. ist vorAllem eine liebensivürtlige Natur u. von 
11' sein Lebe" m Bologna" Charakter "m" Klmsm der leichteren Art; er ist der Meister spielender 
D011 Vßnnählte 611ml bald (laraufnlit DOM" Anmnth und reizender Gestalten, die zwischen 
ließ F iürävullti, einer Sßllürlßll Frau M15 gutem Ideal und Sinnlichkeit eine unbestimmte Mitte 
Bologneser Hause, die ZWM nicht S0 Yeißh W313 halten. Er findet dieselben insbesondere in der 
wie seine erste Gattin, aber doch 10000 Lire und antiken Mythologie: im Kreise der Venus mit 
sonst noch Habe im Wertllß V03 2090 Sßudl 111 dem Chor ihrer Amoretten, der Diana und ihrer 
die Ehe brachte. Diese scheint im Ganzen, trotz Gefiihi-tiiiiieii, der Geiatea ii_ dei-Eui-Opa; diese, 
des reizbaren Charakters Albßniiß, eine älück" fast immer kleine Figuren und in der nackten 
liche gewesen zu sein. Aus ihr gingen (nach Schönheit jugendlicher Körper, lässt er in hei- 
Malvasia) zehn Kinder hervor, zWßi Süllllß lllltl teren und sonnigen Landschaften von idealem 
acht Töchter, alle bcmerkensiverth durch ihre Zuschnitt ihr frohes Spiel treiben. Die Natur, 
Schönheit. Nach Passeri waren es deren zwölf die er zu solchen Darstellungen brauchte, fand 
gewesen; doch sind in einerUrkunde vom J. 1834 er bei sich in der nächsten Nähe. Die Umge- 
(s. Gualandi), (larin A. der vielen Kinder wegen bung seiner Villa mit ihren dunkeln Bitumen u. 
um Nachlass der Steuern bittet, deren elf ange- der reinen Luft gab ihm die Landschaft; seine 
führt, worunter wol die Tochter aus erster Ehe schöne Frau das Vorbild fiir seine Venus, Gala- 
mitgerechnet ist. Mit dieser Familie und in den teen, Najatlen und Dryaden, und die Reihe sei- 
besten Verhältnissen führte Albani zumeist auf ner Kinder jenen Liebesgötter- und Engelkranz,
        

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