Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1593813
 Bernhard Afinger.  111 
 
sich, unerachtet der künstlerische Trieb früh in zu bilden für die neue romanische Kirche in 
ihni erwachte, zum Handwerk bequemen. Zu- Dinkelsbühl (im Rundbogeiifeld über der Thür). 
erst vier Jahre Lehrling bei einem Klempner, Die Gewandung ist hier der Antike entnommen 
dann als Geselle sieben Jahre auf der Wande- und in ihrem Geiste behandelt; aber in der Figur 
rung, war er in der bescheidenen Laufbahn des selber ist noch die Gebundenheit der altdeut- 
Handwerkers zum Mann geworden; doch hatte sehen Plastik und die absichtliche Härte ihrer 
81' seine Mussestunden immer zum Zeichnen, Me- Formen. Auch später noch suchte er bisweilen 
talltreibcn und Schnitzen benutzt und sich so seine neuen Studien mit der deutschen Annas- 
ohne Anleitung eine gewisse künstlerische sung der christlichen Gestalten zu verbinden, in 
Uebung erworben. Das ermöglichte ihm nach Ohristusbildern und Hciligeiifigurcn. In der 
seiner Rückkehr (1838) den Eintritt in eine Nürn- Statuctte einer Jungfrau mit dein Kinde gelang 
llerger Silberplattirfabrik, wo er mehr mit der ihm das insofern besser, als er sich hier nicht 
Bildung der Gefässforinen u. s. f. als mit haiid- mehr an die frühere mittelalterliche Behand- 
werkliclier Arbeit zu tliiiii hatte. Auch konnte lungsweise, sondern an diejenige P. Vischefs 
er nun die Kunstschule besuchen, da er sich den anschloss, die selber in ihrer breiten und iiüssi- 
Direktor der Anstalt, den Kupferstecher Rein- gen Art einen tief verwandten Zug mit der An- 
del, zum Gönner gewann und zugleich beim Ma- tike hat. Doch erhielt Afs Talent seinen vollen 
gistrat Unterstützung fand. Was er hier zu Ausdruck erst in einem Werke profancr Art vom 
Stande brachte, eine Reihe von Studien in Holz J. 1850. Es ist die S_tatuette der Schauspielerin 
und Stein, die ihm eigentlich nur als Modelle für Racliel, ausgefuhrt im Auftrag des Königs von 
seine Tliätigkeit in jener Fabrik dienen sollten, Preussen (auf der Pfaucninsel bei Rotsdam) ; sie 
das waren schon die ersten Leistungen des wer- sollte erst nur die Kopie einer franzosischen Sta- 
(lenden Künstlers. Auch sollten sie für sein fer- tuette sein, aber unter den Händen wurde sie dem 
neres Leben entscheidend werden. Im J. 1840 Künstler zu einer selbständigen Arbeit.  
kam, zuiu Diirerfeste geladen, Rauch nach Niirn- Noch entschiedener trat seine Fähigkeit, die 
berg. Rasch erkannte dort der Meister auf einer Wahrheit des individuellen Lebens in schöner 
Ausstellung der Kunstschüler in den Arbeiten Form auszusprechen, in einigen Werken der 
Atingers ein bildungsfaliiges Talent, und machte nächsten Jahre hervor: in den Reliefbildnisseu 
ihm den Vorschlag, in Berlin unter seiner Lei- des Prinzen von Preussen und seiner Gemahlin, 
tung zu arbeiten. Atlnger sagte auf der Stelle zu. des Generals v. Wrangel (in Erz 1850)" und in 
Allein leicht sollte ihm die neue Laufbahn und den Vlel verbreiteten Medaillonportrets VOII 
zunächst die Ausbildung in der Rauclrschen Rauch, Comßlllls, Kalllbaßh ufld  VQn Hflm" 
Schule nicht werden. In Nürnberg hatten sich  In jllnen Zfölgt 51011 9m femes 
seine Anschauung wie sein Talent unter den Vfirstänßlnlss des PhysloänomlsßhenäVerbunden 
Eindrücken der mittelalterlichen Plastik ent- 111111 fidler Auifassung und durchgebildetcr Mo- 
Wickelt Nothwendig musste mm in Rauelfs dellirung. Als sich der Kunstler von Neuem dem 
Werkstatt eine Umbildung mit ihm vorgehen Kreise der christlichen Heiligengestaltcn zuwen- 
[hre Grundlage war das Vcrständniss des Kör- dete, in einer Reihe von Sandsteintiguren,_dl6 e? 
pers und der Gewandung nach den Grundsätzen im Auftrage der Herzogin von Sagan fur die 
der Antike, und dieser Formenwelt stand unser dortige Schlosskirche auszuführen hatte: da be- 
Künstler beim Eintritt schlechterdings fremd Wies er, dass er durch jene Arbeiten von seiner 
gegenüber. Er hatte zu ringen mit seinerliarten altdeutsehen Manier bis auf wenige Härten frei 
und unflüssigen Iland, seiner eingeschrankten geworden (von diesen Figuren sind besonders 
Auffassung. Doch ging es rascher und besser die lil. Dorothea und die hl: Katharina, die leid- 
init ihm, als es zuerst den Anschein hatte. Dazu tragende Maria und das Bild des Gekreuzigten 
kam ihm die grosse Lehrfahigkeit von Rauch hervorzuheben)  Doch überragt auch diese Ar- 
sehr zu Statten. Allmälig und in anstrengender beuten Wieder eine Rortratbuste des Künstlers, 
Arbeit gelang es ihm, durch den Anschluss an dlßJßnlge d? Hefzogln VW Saga" (183? m  
lie Kungtweise des Meisters, sich die Kenntniss mor ausgefuhrt, im Schlosse daselbst; eine Wie- 
lel. äeht plastischen Norm, zu der die Antike derholung im Schlosse zu (jharlottenburg)  Noch 
lie menschliche Gestalt ausgebildet hat, zu er- 011111131, 1357, YYIIPÖQ lhlIf 61m? Aufgabe zu hell, 
werben. Die Kopie, welche er in dessen Atelier bei der er nielii als Je mit der antiken Schonheit 
ianh der Sarkophagstatue der Königin Louise der Formen die Inlllgklitlt igligiosen Gefühls zu 
lusführte, Wal. die erste Frucht dieses Studiums; verschmelzen suchteifum u tragedes Grafen 
lie fand bald vielfache Verbreitung. Bald darauf Poimtales arbeitete ei ur dessen Familienbegrab- 
erhielt er auf Rauch's Empfehlung einen Tlieil niss in der Kirehedes Gutes Laasow (in der Nie- 
1er Arbeit an der dekorativen Ausstattung des derlausitz) die Figur eines knieenden Engels, 
ieuen Berliner Museums. an als Bot; dass dtlew gedacligtilein suällilenden 
 18-12 auf eini e Zeit nach Nürnberg 3118113111 1'9- _e '19 "elslmgßl , 388 ristlls 
iuiliildkkehrte, fand er därt Gelegenheit zu einer aufiäfßtßnden Sel- Annahemd lslf hlfir Wenigstens 
rrögseren Arbeit. Er hatte einen kologgalen erreicht, was der modernen christlichen Plastik 
Jhristus, halbe Figur in Hgchrelief, inSandstein, nie ganz gelungen ist: den Ausdruck religiösen
        

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