Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1593658
 van Aeken.  95 
    
Bruegliel; daher beruht wol jene Annahme auf abenteuerlichen Trachten  die Hirten durch ein 
einer Verwechselung. Noch führen wir nach Loch in der Mauer der Lehmhiitte._   
Waagen ein Bild des Künstlers (friiherin Spanien), DieKunstweise von Bosch zeigt mithin ein dop- 
im Besitz des Grafen Rcdcrn an, wieder eine Ver- peltes Gesicht: einerseits befreitvon den Schran- 
suehnng des hl. Antonius, ziemlich grosses Altar- kcn der al tenAuffassung uDarstelliniigßeben dess- 
bild mit Flügeln und unter diesen Darstellungen halb wenigerernstuniliviird1g,aber flussigerindei- 
des Meisters eine der bcinerkenswerthesten. Gewandung undin den Bewegungen,mannigfalti- 
j'_  w'e_iirlieene_ ger im Koloritixi; ilizr Verbindung säark ausgi- 
 n r L0 'a armen mi rauen onen;  
VL (lllll-ruklellstlk- Vßrllälullßß des Melsuus zu der äldiggäleilit: befangen in bizariän Kontrasten und 
Kuustwßlßß Seines Zßllßltßrß- einem eigeiisinnigen, die Formen verzerrenden 
Das Phantastische und Diabolische, das mit Phantasiespicl. Es ist dies nur der Ausdruck 
Bosch entschieden in die nordische Kunst ein- des eigenen Verhältnisses dieser Kunst zu ihrem 
tritt, kommt wol in ihm zuerst zu Tage; doch ieiigiösen iiihaii: Sie iiist die aiie naive Giau- 
ist es nicht sein Beispiel, dem all? (lelltscllen benswclt auf, zur freien Weltlichkeit aber kann 
Meister des 16. Jahrh. lßtligllßll gefolgt ulllen- sie nicht kommen und bleibt so zwischen beiden 
Der phantastische Zug lag in der deutschen Kunst Weiten Schweben, Wmiiiieii die Einbiiiiiiiigski-aft 
llllerlluupli, WlC 01' Slßll (lßuu lu llu" Vuu vom nur um so mehr zu deren abenteuerlichen Ver- 
herein weit stärker ausgeprägt hat, als lu (lul mischung getrieben wird. Es ist ihr noch Ernst 
italienischen (man vergl. nur den Triumph des mit den von ihi- erfundenen Uiigethiimen; und 
Todes, den man bisher Orcagna zugeschrieben, diesen eine deutliche Gestalt zu geben, ver- 
lult Clersellleu Darstellung unseres lilßlstulill- mochte sie nur, weil sie selber fast noch an sie 
Aechtgerinanisch sind die beiden Eigenschaften, g-iiiubiiii Aiiein ein Prozess der Befreiung ist 
welche jenen Zug bedingen: der lebhafte Sinn dies (inch nnq din- Qiitsghigdeng Ucbergang zu 
für (laS lmllvifluöllß 11ml de? Tflßb, die Yellälösß einer weltlichen Kunst, wie sie dann namentlich 
lllytlleuwelt uufzulüueu (lulull lllle bllullu Stel" von Rubens und den Holländern ausgebildet 
gerung in's Fabelhafte. Beide aber kommen erst wol-dem wie übrigens diese Weise dem Wggen 
(la Zur Geltung, WO Slßll CleY ßzuäuluulullllilllg und den Beiliii-fnissen der ganzen Zeit entsprach, 
zwischen dem weltlichen und religiösen Leben das Zeigt ihm fast begeisterte Aufnahme bei den 
lockert, und ihre sich vollziehende Trennung in's Verschiedenen Nationen Nicht bioss bei den Siiar 
Bewusstsein tritt; also naturgemäss am Beginne iiieiiiy auch bei den Italienern, wie iieim Lomazzo 
des Reformationszeitalters. ln der Kunst often- in seinem jii-atiaio (ieiy arte (Buch V1, p_ 315) 
bart sich dieser Zwiespalt zuerst als Darstellung (iie Werke mn Bosch geradezu göiiiicii iiiii-iet_ 
der vollkommenen Siindhaftigkeit des von (xott 5' Argon di Moiiiia, iiibio de ia Moiiieiia dei 
losgelösten Welttrcibens und deren Vergeltung; iiei. Don Aioiiso Fernandlez. vi-ODL I, 174_  
durch die schauerliclisten Strafen der liöllc. K. van Maiider, Schilderboek, Aiisg. v. 1618 
Beides finden wir in Bosch, der wol aus der P- 138-  lllolelll, Nutllla flluPele ßtß- Bus- 
,       3b sano 1800  77. 221.  Zanetti, Della 
Eyck sehen Schule heivoigegangen, aber aus du y v  _    P l_  
Unbefangenileit ihrer reiigiösen Anschaiiungik lilttllraivßllßßlällil. Itdiz. sec. leiiezia 1192. ll. 
    638.  Iminerzeel, De levens en werken etc. 
weise herausgetreten ist. Allein indem Bosch i_ 71  0h Kmmm, Aimhangseii P_ 20  
das Weltliche im Kontrast zum Göttlichen auf- Michieis, iiisioiie de iii iieiiituie fiamaiidei 
fasst, bildet er es zugleich in sich zu voller Rea- 2a 97a 1v_ 207 i;  A_ pinciiaii, Ai-ciiii-es des 
litat aus. Seinen im elieuerlichen hlischun 'eii arts, seiences et letties. Gand 1860 p. 268.  G. 
der verschiedensten Ggesehöpfe und Formen liägt ll- fvuaßeui lfuuslflßulfulälef iu Wlßu 7 1855i 
das treueste Naturstiidiuni zu Grunde; Hotho 9' 243i  Jalllllmlhel f" blm  
hattreifend bemerkt, wie bei ihm das Aber-    
witzige und Spukhafte doch anschaulich und Biidiiisse des iyieistei-s; 
Zinn Gflilfe" nahe seL Allelll noch mehr: ÄuQll i) Gürtelbild mit (IEPNUIYIITIETÄIIGGIKS in der obern 
die heiligen Stoffe verweltlicht er; er zieht sie Eckei in der 1572 von der Witwe des Hiei, 
herab weit mehr, als die Eycksche Schule es ge- (1 0 nk beggpgtel] Ausgabe der Porträtsalnmlung; 
than, in's Reale , in das Genrehafte , in (liO gO- Pictorum aliquot celelirium Germaniae inferioris 
wülinliclie Umgebung seiner Zeit; auch hier kann elliglßs- 4- lu der livßlleu Aullßge ellllelß das 
er allerlei seltsame Zuthaten nicht lassen. Wcnn- Pufßlilß die NI- 3- lunllßlfl- Aufliffäßfult Tl_l- 
gleich _er in ilcr Darstellung heiliger V orgänge  (gliigtwiliiiligefiiffi: 3318111323 
noch eme gewlsse wurde und nll elerllchkelt" be"   f th 0st eminent Paiiiters and otlier fa- 
wahrt (die eben beweist, dass Bosch noch nicht ääiso artig? T-Aimi-eipeii gedruckt by Jan 
völlig fremd (ließen Dingen gegenüber stand), so Meyssensu vom Jahre 169i findet sich Theod. 
mischt sich doch überall dieses genrehafte We- Galle's Auflage mit unverändertem Titel und 
sen ein, und schon van lilander spricht vom Ge- Adresse). 
gensatz der näfiischen-i Gestalten zu den nstatt- g)  dass, Kopie von der Gegenseite, wahr- 
lielicnin So schauen z. B. in der Madrider Aii-  Sßllßlllllßh v. S. Frisiii s, für die Porträt- 
betung; der Könige  ganz abgesehen von den selllmluug des ll- Hülldius. 4. Diesel-
        

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