Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Aa - Andreani
Person:
Meyer, Julius
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1592257
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1593626
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van Aeken. 
Vor Allem jedoch war Spanien früher ausser- ganz besondere Stellung eingenommen. Zlinächst 
gewöhnlich reich an seinen Werken. Philipp II. durch die Ursprünglichkeit und unerschopfliche 
heeese nieht weniger ele lt; Gemälde Acht da- Lebendigkeit seiner Phantasie. Nicht nur  
von ging-eh heim Breml) der 159g das Pordo vor- er der Vorlaufer Jener Richtung der nieder-lan- 
niehtetek zu Gremien Neelr Argota, di Molinn disehen Kunst, welche sich an das Volksleben 
waren dabei siehcnVorstelluugendcrVersuchung hielt und an seine ungebundenen Acusserungen 
und der höllischen Plagen desihl. Antonius; das sinnlicher Ausgelassenheit, also der Erste aut 
achte war die Abbildung eines ungeheuerlichen der Bahn, die später von Brouwcr, 'l'eniers, 
Kindes, das drei Tage nach seiner Geburt sieben van (lstade, Jan Steen eingeschlagen worden; 
Jahre alt schien. Pater Siguenza, der erste Be- SOIIGGPH er ist auch iin eigentlichen Sinne des 
schreiber des Gebäudes und der Kunstschätze WOPiGS der Schöpfer einer ganz neuen Richtung, 
des Eskurial, welcher ausführlich von diesem (ler phantastischen, gßWeSeh- Ziihlißißh Wale" 
Künstler spricht, ohne dass irgend wie, (lr-nltlieh seine Nachfolger. Bereits unter seinen Schülern 
würde, dass er ihn persönlich gekannt hätte, müssen ihrer gewesen sein, die nach Sein?" 
thoilt Seine Worho in tlrei Klassen; 1) Gegen- Kompositionen Gemälde ziusfiihrten, welche für 
Stände der Ahtleoht, historieeho Vorstellungen seine Arbeiten gehalten und verkauft wurden. 
aus dem Leben und Leiden Christi, durchgängig  Felilllß de QüeVä-Pü "leiht mit Recht, dass 
würdig und ernst aufgefasst, wobei jedoch die nicht alle ihm zugeschriebenen Werke acht wä- 
Feinde des Heilandes schon in allerlei Zerrbil- 1'611 11ml (laSS der l10h6 W613i, lief (ihm-Hi gelegt 
dern und mit roher Leidenschaftlichkeit in den nfard, zur Nachahmung verleitet hätte. Später 
Gesichtszügen abgebildet Seien; 2) Vorsuohnn- sind selbst Dürer, Cranach, aber vor Allem die 
gen durch höllische Geister und Plagen derHölle, Bllleghllls ll- Aw alllch hffi gleich glosselh Ollöl 
meist mit dem hl. Antonius als Hauptfigur, da- noch grosserem Talent, in seinen Spuren ge- 
rin die Ungethüme sowol der heidnischen als Sanden; 
christlichen Mythologie entlehnt sind_ voll Die ihm vorausgehenden Meister, van Eyck, 
schreckenerregenderDrachen undphantastischer Regler, Mßmllllg, gläubige Söhne Clßl" Kirche 
Vögel und Thiere; gl Symbolische Vorstellungen und unter der Herrschaft ihres Doginas inalend, 
der Verkehrtheiten und Untugenden der lllen- hatten sich wol auch an das Uebernatiirliche und 
sehen, wobei das Spiel der Leidenschaften auf Symbolische, das sie in den Lehren der Kirche 
sinnreiche Weise veranschaulicht wird. Die Ge- fanden, gewagt? aber EYShBOSCh hlltdell Sßhleßk- 
melde) Welche wir von anderen Autoren oder in haften Vorstellungen der Hölle mit ihren Qualen 
euthentisoheh Dokumenten erwähnt finden, ge- und Strafen Gestalt und Farbe verliehen. Ein- 
hören grösstentheils zu den beiden erstgenannten lllfll in das (iiißiefß Gebiet eingetreten, Wgfiff er 
Kategorien; von der dritten werden wir gleieh mit Wollust alles, was seine Einbildungskraft 
im Museum zu Madrid mehr als ein merkwürdi- aiitsteigcn sah, und gab es mit aller Kraft der 
ges Beispiel antreifen. Uebrigens hatte Peter sinnlichen Erscheinung wieder. Kein Wunder 
sig-uenza Versäumt ttiioh noch eine vierte Get- also, dass in seinen höllischen Vorstellungen 
tung anzuführen, die der Bauernkirchweihen, alles gleich Sllllkhilfl lsii- die Gestalten ClPf M611- 
Triokgologo und frohliohoh Gesellschaften; Viol_ schon und Thiere missgeschaffcn, ungehcuerlich 
leicht, dass er Werke dieser Art in Spanien nicht und lll den llhgelelllliesieh Mlsßhllllgehä die 
vorfand. Die politischen Beziehungen, welche Handlung selbst sowol als die Scene, worin sie 
in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. zwischen den vorgeht, zwar ihren Motiven nach wiederum der 
Niederlanden und Spanien bestanden, erklären sichtbaren Welt entnommen, durch die Phantasie 
die Anwesenheit einer so grossen Anzahl von desKünstlers aber mittelst der abenteuerlichsten 
Bildern der niederländischen Schule in Palästen F01'111611 und Farben, vor Allem auch mit An- 
und Kirchen Spaniens zur Genüge; und gerade Wendung von Rauch und Flammen, auf die 
diejenigen von Bosch müssen eine besondere  
Anziehungskraft für den spanischen Volkscha- Obschon das humoristische Element in diesen 
lakhel geballt llilbell- Sehr (flllllflkielißiißßll ist Phantasmagorien nicht ganz fehlt, obschon es 
es, dass Philipp He in dem die kirchliche Elch" auch in den Qualen und Strafen durchblickt, 
llllllä? Seines Volkes einen 1188011461131 Allßlllilßk welche er die menschlichen Untugenden. auch 
erhielt. in derMönßhSZellß, 891mm Slßlbßzml- diejenigen, welcher sich die Geistlichkeit da- 
mer. ein Bild von BOSCh hatte aufstellen lassen, mals schuldig machte, in der Hölle erleiden lässt 
worauf die" Sünden dargestellt Wale", Vßll (lellßll war es ihm doch in der Regel vollkommen ernst 
das Christenthum die Menschheit befreien sollte. mit Seinen V0retelhmgen_ Als lichter Sohn der 
111 der Mitte War (laS Bild Christi ghlllilll- lllllläe" Kirche hat er sicher selbst daran geglaubt. Mög" 
ben von himmlischem Glanz; das (i'll-hie aller lieh sogar, dass er eine moralische Absicht mit 
51'115 die Aufschrift: (lavß Üavß (lvminlls Villßtl seinen Darstellungen verband. Da,i'aiii' scheinen 
wenigstens jene Allegorien zu deuten, wovon 
Ill- Ghiilßlllßlißiill- Bild" in Mßcllld- das Museum von llladriil zwei merkwürdige Bei- 
Durch seine eigenthümliche Anschauungsweise spiele bewahrt. Das eine hat den T riuniph des 
hat van Aeken in der Kunst seines Jahrli. eine Todes zum Vorwurf. Mitten in einer dichten
        

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