Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
IMM - SH
Person:
Andresen, A. Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1580402
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1588877
2723. Unbekannter Kupferstecher, welcher nach der beigefüg- 
ten Jahrzahl um 1451 in Oberdeutschland thätig 
Q? G)  war, und zu den ausgezeichnetsten Künstlern sei- 
, ner Zeit gehört. Er ist bisher nur durch ein 
einziges Blatt bekannt, welches sich als Unicum in der Sammlung des 
Herrn T. O. Weigel zu Leipzig befindet. Dieses Blatt ist colorirt, und 
stellt die hl. Jungfrau mit dem Kinde auf der Mondsichel stehend vor. 
Sie ist von vorn gesehen, wendet den Kopf etwas nach links, und ist 
von einem flammenden Schein umgeben. Auf dem rechten Arme hält 
sie das nackte Christkind, welches beschäftiget ist, etwasxauf einen 
Pergamentstreifen zu schreiben. Desshalb hält ihm die hl. Mutter, als 
Himmelskönigin mit der Krone, mit der Linken ein kleines Tintenfass 
vor. Ihr voller Haarwuchs bedeckt die linke Schulter, und der weite 
Mantel mit reicher Bordüre fällt in Fülle nach rechts herab. In den 
vier Ecken des Blattes befinden sich je drei kleine bekleidete Engel 
in alterthümlich stylisirten Wolken, und halten Spruchbänder zu Ehren 
der hl.Jungfrau mit folgenden Inschriften in gothischer Schrift: man: 
regia ungrlurü  Pro salute fidelium  ßnnhe prerrs ab h  Das 
Blatt ist links beschnitten, und daher ist die Schrift des vierten Ban- 
des weg. Nach unten links steht im weissen Rande P, rechts die oben 
beigefügte Jahrzahl 1451. II. 7 Z. Br. im beschnittenen Zustande 
5 Z. 1 L. Pariser Maass. In Naumanws Archiv IV. S. 1 ist das Blatt 
von J. D. Passavant beschrieben, und Hr. Weigel fügte eine trefßiche 
Copie auf Kupfer bei, so dass das Bild in weitem Kreise bekannt wird. 
Passavant vindicirt diesen merkwürdigen Kupferstich der ober- 
deutschen Schule. Die Darstellungsweise hat etwas Würdiges, selbst 
Anmuthiges. Die Zeichnung des nackten Kindes verräth eine feine 
Beobachtung der Natur, und die Hände der Maria sind von zarter und 
weiblich schöner Bildung. Der weite herabfallende Mantel ist wohl 
geordnet und in schönen, grossen Massen gehalten. Die Umrisse sind 
fest, aber zart gestochen, die schmalen Schattenangaben in den Ge- 
wandern öfters fein gekreuzt, die Köpfe und nackten Körpertheile ha- 
ben dagegen keine Schattenangaben. Die gothische Schrift auf den 
Spruchbändern ist fein, schön und regelmässig; der reine Druck von 
guter Schwärze. Alle diese Eigenschaften zusammengenommen lassen 
nach Passavant vermnthen, dass dieser Kupferstich das Werk eines 
Malers, und nicht eines Goldschmiedes sei. Die Fleischtheile sind 
röthlich, das Kleid der Maria grün, ihr Mantel lackroth, und beide 
Nimbus gelb colorirt. Ebenso sind auch die Engel illuminirt. Eine 
ähnliche Colorirnng fand Passavant auch auf alten Holzschnitten von 
Tegernsee und vom Oberrhein. 
 Bis in neuester Zeit war der älteste bekannte und mit einer Jahr- 
zahl versehene Kupferstich der eines durch Figuren gebildeten Alpha-
        

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