Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
IMM - SH
Person:
Andresen, A. Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1580402
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1581347
IOV. 
219. 
rathen. Zur Passion bekennt sich Johannes Vuechtelin, und wir 
müssen ihn daher von dem Verfertiger der schönen Blätter in Hell- 
dunkel unterscheiden, welcher unter dem Zeichen 10 V sich kund gibt, 
und zwar durch die beigefügten Grabstichel als Formschneider von 
Profession. Ich kann den Johann Ulrich des Mariette, Heinecke, J. G. 
von Murr, A. Bartsch u s. w. noch nicht aufgeben, obgleich Passavant 
meiner Erklärung in Naumann's Archiv 1857 S. 58 keine Folge gibt. Ein 
Johann Ulrich lebte in Strassburg im Hause des Buchdruckers Georg Ulrich 
oder Ulricher, welcher die öfter vorkommende Titeleinfassung oben 
links und rechts mit den getrennten Zeichen noch später zur Ausgabe 
der Concordanz (Argenlina per Georgium Vlricherum) anwandte. 
Diese Titeleinfassung hat das Ansehen einer Federzeichnung, und lässt 
in der flüchtigen Behandlung leicht den Verfertiger der I0 V gezeich- 
neten Blätter in Helldunkel erkennen, aber nicht jenen der alterthüm- 
liehen Passion, welcher sich Johannes Vuechtelin nennt. Diesem Hans 
Vuechtelin schrieb ausser Passavant der Universitäts-Kupferstecher 
Heinrich Lödel schon 1851 die Blätter in Helldunkel zu, indem er 
_die Signatur 10 V auf ihn deutete. H. Lödel, der unlängst verstorbene 
treftliche Kupferstecher und Formschneider, hat auch die Clairobscurs 
des Meisters I0 V copirt, was um so wünschenswerther ist, als dieselben 
zu den Seltenheiten gehören. Er schrieb auch eine eigene Abhandlung 
über seinen Hans Vuechtelin oder Wechtelin (VVeclzlelin), wir können 
aber die Aehnlichkeit der Passionsdarstellungen von 1508 mit den 
Blättern in Helldunkel nicht herausfinden. Diese Passion ist uns wohl 
bekannt, und wenn die Helldunkel wirklich von einem Johannes Vueoh- 
telin herrühren sollten, so ist dieser von dem gleichnamigen Meister 
der Passion zu unterscheiden. In der alten Schule gebildet, konnte 
dieser in etlichen Jahren seine Eigenthümlichkeit nicht in der Art ver- 
läugnen, dass er in den Helldunkelblättern fast unkenntlich erscheint. 
Der Vnechtelin der Passion war 1508 kein junger Künstler, wie Passa- 
vant zu glauben scheint, da er die Leidensbilder zu den ersten Werken 
seines Johannes Wechtlin zählt. Für einen alten Meister kann auf 
dem Titel wohl stehen: cum figuris artificiosissimis Joannis Vuecht- 
telin. Passavant spricht von einer Ausgabe, in welcher auf dem Titel 
auch die Bezeichnung I0 V vorkommt, auf dem uns vorliegenden Exem- 
plare ist das Zeichen nicht eingeschnitten. Wenn nun der genannte 
Schriftsteller dem einen und demselben Johann Vuechtelin und Wechtlin 
die Passion, die Clairobscurs, die anatomischen Abbildungen u. s. w. 
zuschreibt, so ist für ihn auch der Umstand misslich, dass er mit 
Hartnäckigkeit den alten Malern das Schneidemesser entzieht. Und 
sein Wechtlin ist ein Maler, darf also consequenter Weise nicht in 
Holz geschnitten haben, wie er diess immer verneint. 
Der Maler und Zeichner Hans Wechtlin tritt erst 1514 urkundlich 
auf, und er wird früher wenig geleistet haben. Passavant veröffent- 
lichet in Naumanms Archiv II. S. 148 einen interessanten Bericht des 
Archivars Schneegans in Strassburg. Im Bürgerbuche der Stadt steht 
unter dem Jahre 1514: Item Hans Wechllel der Maler hat das Burg- 
recht empfangen von Herr Hans Wechtlin Priester seinem Vatter, 
m"! dienen zur Steltzen. Actum secunda Ipsa Galli. Hans Wechttel, 
sonst auch Wächtle, Wachtelin, Wechtle, Wuechtlin, Vuechtlin ge- 
schrieben, trat also den 16. November 1514 als Meister und Bürger 
in die Zunft zur Steltzen, die Corporation der Maler, Bildhauer, Gold- 
schmiede, Formschneider, Buchdrucker etc. Schon zwei Jahre später 
erscheint er als Mitglied der Meisterschaft des Malerhandwerks als 
Richter in einer Beschwerde gegen die Stümper. Im Jahre 1517 wurde 
ein Injurienstreit geschlichtet, und 1519 trat Wechtlin abermals mit
        

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