Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
IMM - SH
Person:
Andresen, A. Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1580402
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1587924
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2322. 
Boldrini bediente sich gewöhnlich nur Einer Holzplatte, und nur aus. 
nahmsweise wendete er deren zwei an, während J. N. Vicentino immer 
Helldunkel lieferte. Lezterer zeigt einen breiten, freien und kühnen 
Schnitt, welcher zuweilen etwas nachlässig geführt ist; Boldrini da- 
gegen ging ängstlich und sorgsam zu Werk, und blieb in der Wirkung 
oft kalt und monoton, während Vicentino immer eine kräftige und 
malerische Wirkung erzielt. Er brachte in den Schattenparthien nie 
Kreuzstriche an, sondern verstärkte nur die Linien, BoldrinPs Schraffir- 
ungen sind dagegen trocken und monoton, und kreuzen sich selten in 
den nackten Theilen, nur in den Gründen. Die Höhungen der Fleisch- 
parthien sind bei ihm rautenförmig, bei Vicentino Lichtstellen, welche 
von Punkten ausgehen. Diese wesentlichen Unterschiede fand Zanetti, 
Cabinet Cicogxiara p. 31, bei Betrachtung der Blätter beider Meister 
durchgehends, und es wird daher das von Bartsch gegebene Verzeichniss 
der Blätter sich anders herausstellen. So erklärt Zanetti RafaePs Gruppe 
des Herkules mit dem Löwen (B. VIII. 18) für Boldrini's Wiederholung 
der Darstellung desselben Gegenstandes (B. VII. 17) in grösserem Maass. 
stabe, und mit verändertem Hintergrunde. Bartsch (IV. 18) legt ein 
Helldunkel mit dem Prediger Johannes in der Wüste nach Rafael dem 
Hugo da Carpi bei, Zanetti iindet aber im Machwerk grosse Aehnlich. 
keit mit dem oben erwähnten Blatte der nackten Venus und des Amor 
(B. VII. 29). Die Darstellung des Johannes ist sehr selten zu finden, 
sowohl im Drucke von einer als von zwei Platten. Der erstere ist 
auf weisses Papier gemacht, der andere gibt die Mitteltinten in gelb. 
licher Farbe. 
Da also das Verzeichniss der Holzschnitte in Helldunkel, welches 
Bartsch gibt, nicht genau ist, und dasselbe die Blätter des J. N. Vicen- 
tino mit jenen des N. Boldrini vermengt und verwechselt, so verweiggn 
wir auf das treifliche Büchlein von Giamb. Baseggio: Interna 11-9 
celebrz" intagliatori in legno Vicentini. Edit. II. Bassano 18Min 
2322. Niccolo Beatrizet, auch Beautrizet, Beatrice, Bea- 
  AQA tricius etc. genannt, soll nach Einigen aus Thion. 
1 ville, nach Anderen aus Luneville stammen, und ist 
  in beide-r Hinsicht ein Lothringer, sowie er sich denn 
selbst Lotaringus nennt. Nach den Daten auf seinen Kupferstichen 
arbeitete er von 1540-1562, und der Künstler wurde daher vor 1520 
geboren. Bartsch bestimmt dieses Geburtsjahr, man muss aber um 
ungefähr zehn Jahre hinaufgehen. Bartsch  p: 235 ff._ beschreibt 
108 Kupferstiche von Beatrizet, was für eine 30jähr1ge Thätigkeit nicht 
zu viel wäre, er schreibt ihm aber irrig auch Blätter des Meisters B 
mit dem Würfel zu, welcher von jeher mit Beatrizet verwechselt wurde. 
Dann zählt Bartsch auch anonyme Blätter auf, welche ihm nicht an- 
gehören. Unser Meister hatte auch eine Druckerei, wenn nicht eine 
eigene Kunsthandlung. Auf einem von Zani erwähnten Blatte steht: 
Nicolaus incidit e! formis suis ewcudit. Auf anderen Blättern liest 
man: N. Beatricius  incidit et formis suis ervcudit. Auch Bea- 
tricius Resmuit et formis suis emcudit kommt auf Blättern vor, was 
sich wahrscheinlich auf die Herstellung älterer Platten zum Abdrucke 
bezieht. Auf etlichen Blättern liest man: Nicolaus de la Casa Lom- 
ringus F. Malaspina di Sannazaro macht diesen N. de la Casa zum 
Landsmann des Beatrizet, Bartsch nimmt aber von ihm keine Notiz. 
Die Lebenszeit, das Vaterland, der Vorname und der Styl der Blätter 
sprechen für eine und dieselbe Person. Vielleicht ist La Case der 
Familienname des Beatrizet. 
        

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