Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
IMM - SH
Person:
Andresen, A. Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1580402
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1581216
IOHE. 
167. 
auf die Asche des Meisters Anspruch machen. Man nahm früher auf 
eine Notiz des verstorbenen M. Scourion hin, welcher die Archive durch- 
forschte, zwar an, dass ein Jan van Eyck 1370 in Brügge geboren wurde, 
allein es ist so wenig bewiesen, als Scourion's weitere Angabe, dass 
der Künstler 1445 in Brügge gestorben sei. Er liegt aber in St. Donat 
daselbst begraben. Mr. Stoop ersah aus dem Kirchenarchive, dass der 
Tod des Künstlers im Juni 1440 erfolgt sei. Ahbe C. Carton (Les 
trois fräres van Eyck el Jean Hemling, Noles sur ces artistes, 
recueillies  Bruges 1048, nimmt Brügge ebenfalls für die Geburts- 
stadt der Gebrüder van Eyck, und er scheint mit Recht auf den urkund- 
lichen alten Jan van Brügge viel Gewicht gelegt zu haben. Dieser Johannes 
van Brügge war der Vater des Johannes van Eyck, welcher früher 
nicht gekannt war, und als Anonymus nur muthmasslich für einen 
Künstler gehalten wurde. Er stand in Diensten des Königs Carl V. 
von Frankreich, und illustrirte für ihn eine handschriftliche Bibel auf 
Pergament mit Miniaturen. Diese Bibel, welche mit Unrecht unserm 
Künstler zugeschrieben wird, ist noch vorhanden, und das Dedications- 
blatt mit dem Könige auf dem Throne, wie ihm der Künstler halb- 
knieend das Werk überreicht, ist bei B. de Montfaucon, Monuments 
de la Monarchie franpaise. Paris 1729-1733, fol. CXXX. N0. 8, 
in Abbildung gegeben. Nach der lateinischen Unterschrift wurde das 
Werk 1371 für König Carl ausgeführt, und Jan van Brügge ist als Hof- 
maler desselben bezeichnet. Dieser Jan van Brügge war nun nach der 
Meinung verschiedener Kunstforscher der Vater des Jan und Hubert 
van Eyck, und kann es der Zeit nach seyn, wenn Hubert 1366 und 
Jan 1370 geboren ist. Heinrich Otte, Grundzüge der kirchlichen 
Kunst-Archäologie des deutschen Mittelalters. Leipzig 1855. S. 170, 
kommt allein zu der sonderbaren Behauptung, dass der Vater des 
Hubert und Jan van Eyck Caspar geheissen habe, und Maler gewesen 
seyn soll. Wir finden keinen Grund für diese Vermuthung, und halten 
daher an Jan van Brügge, obgleich der Name van Eyck statt van 
Brügge für Johannes Bedenken erregt. Wäre der alte Jan van Brügge 
in Eyck geboren gewesen, so würde er sich ebenfalls Jan van Eyck 
genannt haben. Es ist aber möglich, dass van Eyck der Familienname 
des Künstlers ist, und wenn der Vater in Brügge geboren, so konnte 
er sich dennoch nach der Geburtsstadt Jan van Brügge nennen, sowie 
auch Vasari unsern Johannes van Eyck Giovanni da Bruggia, und noch 
früher der anonyme Reisende denselben Gianes da Brugia und Zuan 
Heic nennt. Beide Schriftsteller wussten von dem Aufenthalte des 
Meisters in Brügge, und es ist möglich, dass er daselbst auch geboren 
wurde. Aus den Rechnungen der Cathedrale dieser Stadt geht aber 
nur mit Sicherheit hervor, dass Jan van Eyck 1430 in Brügge ein Haus 
gekauft habe. Er hatte jährlich 30 Schillinge Gült zu entrichten, und 
1441 bezahlte sie die Wittwe des Künstlers, so dass also letzterer 
1440 oder 1441 gestorben seyn müsste, wie Graf Leon de Laborde 
annehmen will. Letzterer halt Maeseyck für die Geburtsstadt des 
Künstlers, und beschuldiget den Abbe Carton einer zu grossen Vorliebe 
für Brügge, und dass er in seinem Patriotismus der Oritik nicht genug 
Rechnung getragen habe. 
Ausserdem ist noch urkundlich erwiesen, dass Johann van Eyck 
1420 nach Gent sich begehen habe, um an dem von seinem Bruder 
Hubert begonnen grossen Altarwerke der Anbetung des apokalyptischen 
Lammes zu malen. Es befindet sich in der Capelle der Familie Vyts 
und Burlet in der Kirche St. Jans, später St. Bavo, und hat die 
Inschrift: Pictor HVBERTVS EYCK, major quo nemo repertus,  
lncipit, pondusque IOHANNES arte secundus  Frateof, perfecit,
        

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