Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
IMM - SH
Person:
Andresen, A. Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1580402
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1583570
980. 
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fürsten Friedrich III. von Sachsen mit Gold und Silber auf Pergament 
gedruckte "lfurisser" zu Stande gebracht habe. Wir ersehen diess 
aus einem Briefe des Dr. Conrad Pentinger an den Churfürsten 1508, 
welchen Th. Herberger in seiner interessanten Schrift_: Conrad Peut- 
inger in seinem Verhältnisse zum Kaiser lllawimilian I. Augsburg 
185i, S. 26 bekannt machte. Peutinger hatte sich nämlich mit be- 
sonderer Vorliebe die Vervollkommnung der Bucbdruckerkunst und des 
Formschnittes zur Aufgabe gesetzt, und als er in Erfahrung gebracht 
hatte, dass der Maler des Churfürsteu Ifurisser durch Gold und 
Silber in Druck gefertigt, suchte auch er diese Kunst zu Augsburg 
in den Gang zu bringen , besonders bei Bildnisseu mit Kurisser, d. h. 
mit Harnischen, Cuirassen auf Pergament. Aus dem erwähnten Schreiben 
Peutingews geht hervor, dass ihm der churfürstliche Kämmerer Degen- 
hart Pfeifinger 1507 solche Kurisser in Gold- und Silberdruck über- 
sandt habe, und im Jahre 1508 war es ihm möglich ähnliche Kurisser 
dem Cliurfürsten einzusenden, und er stellte die Bitte, dieselben zu 
besichtigen, ob sie ebenso gut gedruckt seien, als jene des sächsischen 
Malers. Denn Namen nennt Peutingcr nicht, oder hatte ihn vielleicht 
von D. Pfeifingei- nicht erfahren, er verschweigt aber auch den Angs- 
burger Künstler, welcher die Kurisser nachgeahmt hatte. Der Archivar 
Th. Herberger, welcher das Schreiben im Archiv von St. Annain Augsburg 
vorfand, verfiel bereits auf Inicas Cranach, welchem demnach das Ver- 
dienst gcbührte, der Erfinder eines solchen Farbendruckes auf Perga- 
ment zu seyn. Vom Jahre 1506 kennt Schuchardt ein paar Holzschnitte 
in Helldunkel, St. Christoph mit dem Jesuskinde, und Venus und Amor 
vor-stellend. Diese Blätter von L. Cranach's Hand scheinen ebenfalls 
Produkte einer neuen Erfindung zu seyn, wobei zwei Platten zum 
Drucke auf Papier angewandt wurden. Bei diesem Verfahren wäre es 
allerdings nicht sehr gewagt anzunehmen, dass Cranach durch eine 
dritte Platte Gold oder Silber aufgedruckt habe, um Harnische, Helme, 
Rüstzeug etc. bei Bildnissen oder geharnischten Figuren zu hohen. 
Es hat sich aber kein einziges Exemplar dieser Art erhalten, weder 
auf Papier noch auf Pergament, und man kann daher nicht sagen, 
worin denn diese Golcl- und Silberdrucke bestanden. Holzplatten 
mussten jedenfalls angewandt werden seyn, es kann sich aber ebenso 
wohl um einen einfachen Gold- oder Silberdruck handeln, nicht um 
die Höhung mit Gold. In diesem Falle konnte Peutiuger nur mit der 
Bereitung des Goldes und Silbers zum Drucke Schwierigkeiten gefunden 
haben. Das Verfahren fand wohl nur geringen Eingang, weil sich 
bisher weder in Sachsen, noch in Augsburg irgend eine Probe vorge- 
funden hat. Hatte Cranach eine dritte Platte mit Gold- oder Silber- 
farbe in Anwendung gebracht, so müsste sich doch ein Exemplar mit 
seinem Monogramme erhalten haben. Und dann ist es noch immer 
keine Folge, dass gerade dieser Meister die sogenannten Kurisser auf 
Pergament gedruckt habe. Ch, Schilchardt macht uns in Nanmanms 
Archiv für die zeichnenden Künste II. S. 171 mit einem Meister Johann, 
einem zweiten Maler des Churfürsten Friedrich III. urkundlich bekannt. 
Dieser Meister Johann begleitete den Churfürsten 1493 auf der Wall- 
fahrt zum heiligen Grabe, und 1494 war er in dessen Gefolge auf der 
Reise in den Niederlanden. Im Reisetagebuch werden verschiedene 
Malwerke von ihm genannt. Johann kommt in den Rechnungen bis 
zum Jahre 1509 vor, also fünf Jahre neben L. Cranach. Schuchardt 
vermuthet, dass in dem im k. Archive zu Dresden aufbewahrten alten 
Stammbuche mit Portraitiiguren sächsischer Fürsten, und dann im 
Album der Wittenberger Universität im Archive zu Halle Zeichnungen 
von ihm seien. Dieser Meister Johann könnte ebenfalls Sogenannte
        

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