Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
IMM - SH
Person:
Andresen, A. Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1580402
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1583060
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859. 
Er hinterliess eine ziemliche Anzahl von Gemälden, welche im Künstler- 
Lexicon, in G. Rathgebens Annalen der niederländischen Malerei etc. 
Gotha 1844, und schon früher in Messager des sciences. Gand 1841 
p. 329, beschrieben sind. Auf mehreren Gemälden kommt der Buch- 
stabe L vor, sowie immer auf Kupferstichcn und Holzschnitten. Lukas 
von Leyden scheint sich die längste Zeit mit der Kupferstecherkunst 
beschäftigt zu haben, und malte in den ersten Jahren nur in Wasser- 
farben, vielleicht auch auf Glas, da sein Vater Glasmaler war. A. 
Dürer traf ihn 1520 auf seiner Reise in Amsterdam und nennt ihn 
in seinem Tagebuch nur Kupferstecher, und beide Meister tauschten 
ihre Blätter aus. Dürer sah also keine Gemälde von dem Meister 
Lukas, dem kleinen Manne, wie er ihn nennt. Bartsch VII. p. 3311i". 
beschreibt 174 Kupferstiche, welche auch im Künstler-Lexicon aufge- 
zählt sind. In den Kupferstichen liegt der Bildungsgang des Künstlers 
vor Augen, und sie sind daher verschieden. In den Compositionen 
seiner ersten Zeit herrscht noch der Einfluss der alten Schulen des 
Landes, und sie sind mit grosser Zartheit gestochen. Die Blätter seiner 
zweiten Manier sind nicht minder fein behandelt, der Künstler ent- 
wickelt aber grössere Freiheit, und die Abstufung der Gegenstände 
nach ihrer Entfernung ist zu bewundern. In den Figuren herrscht 
Charakter und Leben, doch steigerte er sie manchmal zur Carrikatur. 
In seiner letzten Zeit wollte er dem Marc Anton nachahmen und sich 
zum Ideal erheben, allein es fehlte ihm der Sinn für das Erhabeue, 
und auch seine Zeichnung hat die Reinheit der Schule des Marc 
Anton nicht. Die Blätter aus der letzten Periode sind in allem breiter 
behandelt, sie genügen aber weniger als die aus der ersteren Zeit. 
Dann findet man Holzschnitte mit dem Buchstaben L, deren Bartsch 
17 beschreibt. Nach der Ansicht dieses Schriftstellers fertigte Lukas 
von Leyden nur die Zeichnung auf die Holzplatten, und Passavant 
stimmt ihm hierin bei mit der Bemerkung, dass gar kein Grund vor- 
handen sei, dem Meister selbst einen Formschnitt zu vindiciren. Eine 
solche Negation ist sehr bequem, wir glauben aber im Gegentheile, 
dass Meister Lukas den grössten Theil der Platten, wenn nicht alle 
selbst geschnitten habe. Zeichnung und Schnitt ist durchaus gleich, 
und es ist nicht abgethau, wenn Bartsch sagt, dass er einen sehr ge- 
schickten Formschneider gehabt habe. Lukas von Leyden war zwar 
Maler, und soll somit nach Bartsch und Passavant nicht in Holz ge- 
schnitten haben, er war aber noch mehr Kupferstecher, und konnte 
daher das Schneidmesser und den Grabstichel leichter handhaben, als 
der Maler von Profession. Der älteste Holzschnitt unsers Meisters 
ist sicher das äusserst seltene Bildniss des Huyg Jacobsz mit dem 
Buchstaben L im Grunde und der Inschrift: IACOFSOE ö Leid. Es 
ist diess die eigenhändige Arbeit des jungen Künstlers, welcher als 
Knabe sicher keinen Formschneider in Diensten hatte. Man kann im 
Gegentheil annehmen, dass er fortan abwechslungsweise in Kupfer 
gestochen und in Holz geschnitten habe. R. Weigel gibt in seinem 
Werke: Holzschnitte berühmter Meister  IX. Heft, den von Bartsch 
N0. H beschriebenen Holzschnitt mit Ahab und Isebel in Copie, und 
erkennt darin mit Recht die Hand des Lucas Jacobsz, wenn das Blatt 
auch kein Zeichen trägt.   
W. Y. Ottley kam auf die Idee, dass Lukas von Leyden 1m Holz- 
schnitte zwei Folgen von Blättern zu geben beabsichtigt habe, welche 
in beiden Reihen lediglich Beispiele von der List oder der Verführ- 
ungssucht der Weiber zum Thema haben. Sotzmann geht im deutschen 
Kunstblatt 185i S. 303 näher darauf ein, und unterscheidet die Folgen 
nach der Grösse. Die grössere von 15 Z. 5 L. Höhe und 10 Z. 10 L. 

        

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