Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
IMM - SH
Person:
Andresen, A. Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1580402
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1590986
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3649. 
Diese Reihenfolge  Priorität, Posteriorität  welche die Schönheit 
und häufig auch die Seltenheit; der Abdrücke hexlingt, ist aber im 
Allgemeinen an Kennzeichen gebunden, welche, wenn auch nicht durch 
verschiedenartige Plattenzustände, doch anderweitig die Zeitfolge cou- 
statiren, in der die Abdrücke aus der Presse hervorgegangen sind. 
Dieser Kennzeichen gibt es vorzüglich drei, nämlich: 
a) Die rauhen Ränder, als Folge der Feilstriche, die an den Kanten 
der Platte nicht fortpolirt werden sind und sich in den Abdrücken als 
kleine, dicht nebeneinander in regelmässig gleicher Entfernung stehende 
Strichelchen oder längliche Punkte zeigen. Durch das Wischen (ler- 
Plattenränder beim Drucken wurden aber diese Feilstriche allmählich 
geglättet und fortpolirt, so dass dieselben immer schwächer werden 
und zuletzt gänzlich verschwinden. Je deutlicher und kräftiger sich 
dieselben daher in den Abdrücken manifestiren, umsomehr lässt sich 
auf die Priorität derselben schliessen. Werden jedoch solche Platten- 
ränder, bei denen die erwähnten Feilstriche bereits verwischt sind, 
zufällig oder absichtlich vom Kupferdrucker nicht rein gewischt, so 
entstehen beim Abdruck die sogenannten schmutzigen Ränder, welche 
sich jedoch von den sogenannten rauben Rändern dadurch unterscheiden, 
dass bei ihnen die Spuren der Feilstriche nicht sichtbar sind, sondern 
der sogenannte Schmutzrat der Ränder mehr einer Tuscharbeit ähnlich 
siebt. Der letztere ist daher auch kein sicheres Zeichen der Priorität 
eines Abdruckes, wenn er nicht dieselbe durch das Vorhandenseyn 
eines der folgenden, von Linck angegebenen Kennzeichen bethätigt. 
b) Das zweite Kennzeichen der Priorität eines Abdruckes ist der 
ungereinigte Grund der Platte. Er ist eine Folge dessen, dass, nach 
dem Schleifen der Platte mit Schieferstein, dieselbe nicht weiter mit 
dem Polirstalil geglättet, sondern sofort vom Künstler zu seiner Arbeit 
vollendet wurde, wie Rembrandt diess sehr häufig zu thun pflegte 
Da. in einem solchen Falle die Platte nicht die erforderliche höchste 
Glätte und Reinheit erhielt, sondern vielmehr der Grund derselben 
(das Plenum) in einem Zustande verblieb, der beim Drucken die aller- 
vollkommenste Beseitigung der Farbe durch Wischen verhinderte, so 
zeigt sich in den von solchen Platten erhaltenen Abdrückeu der Grund 
von mehr oder minder grauem Ton, in welchem man häuüg, ja beinahe 
immer, die Spuren kleiner Haarstriche oder Risse, die vom Schleifen 
zurückbleiben, wahrnimmt. Diese letzteren piiegen, wenn auch einzeln 
oder zerstreut, stets in einer Richtung zu liegen und sind gewöhnlich 
auch mit den vorerwähnten rauhen Plattenrändern verbunden; denn 
wenn diese schon fort sind, ist auch der Schleifgrat des Grundes durch 
das Wischen beim Drucke schon polirt und verschwunden. 
Dieser graue Ton des Grundes ist aber auch zuweilen bei schon 
stark benutzten Platten dadurch hervorgebracht worden, dass derDrucker, 
zufällig oder absichtlich, die Platte nicht rein gewischt, wodurch die 
Abdrücke ebenfalls einen grauen Grundton erhalten. haben. Dergleichen 
Exemplare, denen es überdem an Schärfe und Klarheit des Druckes 
fehlt, sind aber gewöhnlich an den glatten Plattenrändcrn zu erkennen, 
und wenn diese auch, wie oben erwähnt, im Druck schmutzig gehalten 
sind, so fehlen ihnen doch die dort beschriebenen Kennzeichen der 
wirklichen Priorität. 
c) Als drittes Zeichen der Frühzeitigkeit der Abdrücke ist nach 
Linck u. A. der in den Arbeiten Rembrandßs sichtbare Plattengrat 
zu betrachten. Dieser ist eine Folge des Umstandes, dass der Künstler, 
nachdem er sein Werk mit dem Stichel oder der Schneidnadel beendet, 
den dabei entstandenen Grat des Metalls nicht abgeschabt, sondern 
denselben vielmehr dazu benutzt hat, die Schattenpartien zu verstärken
        

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