Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
GK - IML
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1568674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1575803
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HVGO. 
1642. 
illustrissime signorie Vostre si degni per sua clementia concedermi 
ehe niuno mm possi, m3 0st contrafare aleum mio disegno, intaglio, 
sempre cum ognz" recerentia parlando, che non sia contra alle gra- 
zie per altri tolte: solum per el mio inzegno, il qual dimostrerö 
esser necessario et utile, ct chi colesse esser presunmoso di can- 
lrafare alla mia gratia, et volendo quelle" stampav" chi, 012er fuora 
da" qui mm passe! venderli nelle luogki subditz" allilllustrissimo Do- 
mino Voslro sotto pena di perder le Figure, et per ogni figura du- 
cati dese diloisi in tre etc. 
Hugo da Carpi nimmt also in dieser Eingabe an den Rath in 
Venedig die Erfindung des Verfahrens in Helldunkel von mehreren 
Platten für sich in Anspruch, und sagt, dass dergleichen noch gar 
nicht gesehen worden sei. Darauf hin erklärten die Italiener mit Va- 
sari an der Spitze den Hugo da Carpi für den eigentlichen Erfinder 
der Kunst des Druckes in Helldunkel. Diese Behauptung ist in ihrer 
Allgemeinheit jedenfalls irrig, denn wir haben einen deutschen Holz- 
Schnitt von 1509, die Ruhe der heil. Familie in Aegypten von Lukas 
Cranach, welche von zwei Platten gedruckt ist. Auch die Helldunkel- 
blätter von J. Ulrich, dem sogenannten Pilgrim oder Wachtelin, sind alter 
als jene von Hugo da Garpi. Wenn nun letzter sagt, dass vor ihm 
kein Versuch in Helldunkel (chiaroscuro, camaieu) gemacht wurde, 
so hat er entweder das Factum verschwiegen, oder er hat unabhängig 
von den Deutschen die gleiche Erfindung gemacht. Bartsch XII. p. 11 
sucht einen Ausweg, indem er ihn den ersten italienischen Künstler 
nennt, welcher farbige Holzschnitte (an clair- obscur) gefertiget hat, 
und nennt ihn dann noch speziell den Erfinder des Verfahrens, mit 
drei oder vier Platten zu drucken. Allerdings sind die alten deutschen 
Holzschnitte in Helldunkel nur mit zwei Farbenplatten überdruckt. 
solche Buntdrucke konnten aber dem Hugo da Oarpi leicht zu Gesicht 
gekommen seyn. Er hatte daher nur die Manipulation zu erforschen, 
und wenn dieses gelungen, konnte er ebensowohl drei oder vier als 
zwei Platten anwenden. Die Priorität der Erfindung der Kunst des 
farbigen Druckes fällt aber dann bei ihm weg, indem Lukas Cranach 
1509 vorausging, und kein Holzschnitt des Hugo da Carpi vor 1518 
datirt ist. 
m Die Resolution auf das Bittgesuch des Künstlers yon Seite der 
Signoria. in Venedig ist nicht bekannt, er scheint aber nicht abgewiesen 
werden zu seyn. Doch verliess er Venedig, um in Rom seine Kunst 
zu üben, wahrscheinlich von der Schule RafaePs angezogen. Das erste 
datirte Blatt in Helldunkel von drei Platten stellt den Tod des Ananias 
nach Rafael vor, 1518. Aus der Unterschrift des sehr seltenen ersten 
Druckes ersehen wir, dass Hugo ausser dem römischen auch ein veneti- 
anisches Privilegium hatte. Man liest im Rande: Quisquis. Has. Ta- 
bellas. Imaito. Autore. Imprimet. Ex. Divi. Leonis. X. Ac. Ill. 
Principis. Et. Senatus. Venetiarum. Decretis. Excomunicatzonis. 
Sententiam. Et. Alias. Penas. Incurret. Rome. Apud. Vgum. De. 
Carpi. Impressum. MDXVIII. 
 Dieselbe Unterschrift kommt auch auf dem Blatt mit Aeneas, 
B. 12, vor. 
Bartsch zählt 30, Gualandi beinahe 50 Holzschnitte auf, Hugo da 
Carpi hat aber sicher nicht 30 Blätter geliefert. Authentisch sind jene 
nach Rafael, obgleich nur zwei den Namen tragen. Der Künstler starb 
in Rom um 1520. Ein Aktenstück bei Gualandi vom 20. Juli 1523 
spricht bereits entschieden von seinem Tode. Eines seiner letzten 
Blätter muss jenes mit Diogenes vor seinem Fasse seyn, B. XI.No. 10. 
Unten steht: Franciscus Parmen. Per Vgo Carp. Parmigianino war
        

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