Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
GK - IML
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1568674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1569470
GMAF. 
185. 
geht auch hervor, dass Diana die Tochter des Gio. Battista Mantuano 
gewesen ist. Adam- war ihr Bruder, und Giorgio Ghisi rettet daher 
nur die Landsmannschaft. Der bisherige Gio. Battista Ghisi ver- 
schwindet gänzlich aus der Kunstgeschichte; und der sogenannte 
G. B. Scultore oder de' Scultori ist unsers Wissens ebenfalls 
nicht haltbar. Dagegen steht der auch I. B. M. zeicbnende Ja. Man- 
tuanus oder J. B. Mantuavtus urkundlich, d. h. durch Aufschriften, 
fest. Auch Vasari rühmt den Gio. Battista Mantuauo als Knpferstecher, 
und sagt auch noch, dass er zwei Kinder "gehabt habe, welcheidie 
gleiche Kunst übten. Darunter Sllld Adam und Diana aus Mantua zu 
verstehen, welche bisher ebenfalls Ghisi genannt wurden. Diesen Fa- 
miliennamen führten aber nur Giorgio und Teodoro, welche als Söhne 
des Gio. Batt. Mantuano nicht erwiesensind. 
Mit diesem Gio. Battista. Mantuaxio ist Gio. Batt. Bertano oder 
Britano Mantuano, welcher ebenfalls mit Giorgio Ghisi in Berührung 
kommt, nicht Eine Person. Wir haben im ersten Bande N0. 171.5 über 
ihn gehandelt, und der Kupferstccher G.B. Mantuano findet unter I. BA. 
MA. seine weitere Stelle. Hier ist nur angedeutet, dass er nicht der 
Vater des Giorgio Ghisi gewesen sei, und dass er irrig G. B. Ghisi 
genannt wurde. Mit Bertano steht Giorgio nicht einmal in Verwandt- 
schaft. Es geht diess aus einer Anmerkung in Bertano's Commentar 
zum Vitruv (Gli oscurrf e difficz'lv' passi del! opera dz" Vitruvio. Man- 
tooa 1558) hervor. Der Verfasser sagt, dass er im Pontiiicate Paul III, 
(1534  1549) zweimal nach Rom gekommen sei, und dort viel mit 
Giorgio Ghisi verkehrt habe, einem wahrhaft seltenen Kupferstecher, 
Welcher auch in Damasmaziren verschiedener Art bewandert sei. Ber- 
tano sagt kein Wort von einer Verwandtschaft, und somit kannten sich 
die Künstler nur von Mantua her. Für den Commentar zum Vitruvius 
stach Giorgio den Herkules mit der Hydra, wie I. N0. 1'715 zu ersehen ist. 
Bartsch XV. p. 384 ff. beschreibt 71 Blätter von der Hand dieses 
Meisters, und fügt auch noch zwei andere Stiche bei, welche ihm wahr- 
scheinlich nicht angehören. G. Ghisi stach nach Rafael, Michel Angele, 
Luca Penni, Ginlio. Romano, Larnbert Lombardus, G. B. Bertano, Cor- 
reggio, Giulio Campi, Francesco Salviati, Gio. Batt. Mantuano, Polidoro, 
Perino del Vaga, Primaticcio, Teodoro Ghisi, A. Bronzino u.A. Andere 
Blätter sind nach eigener Zeichnung ausgeführt, man kann aber nicht 
sagen, dass Ghisi auch Maler gewesen sei. Als Zeichner erreichte er 
jedoch eine hohe Stufe, und es ist augenfiillig, dass Michel Angele 
ihm vorgeleuchtet habe, sowohl in seinen Vorzügen, als in seinen 
Uebertreibungen, welche bei Ghisi zuweilen in Manier ausarten. In 
den Blättern aus seiner früheren Zeit sind die Formen seiner Figuren 
scharf hervorgehoben, die Muskeln und die Lichtthcile fast nur im 
Umrisse, die Physiognomien unschön, und die Nebenwerke vernach- 
lässiget. Den Grabstichel führte er damals in grosser Freiheit, küm- 
merte sich aber nicht um regelmttssige Lagen. Später verfiel er ganz 
ins Gegentheil. Jetzt vollendete er fleissiger, und ging in den Bei- 
werken ins Kleinste. Seine Taillen sind regelmässig und zierlich, die 
Conturen verschmolzen, die Körperformen gerundet, und nach und nach 
häuften sich die Punkte statt der freien Strichelungen, wie bei keinem 
anderen früheren Meister. Die bessten Blätter seiner zweiten Periode 
kann man neben Jenen des Marc Anton sehen, doch ist Miliziafs Ur- 
theil nicht zu unterschreiben, wenn er sagt, dass der harte und un- 
biegsame Stichel eines Marc Anton unter Ghisils Händen geschmeidig 
und zart geworden sei. Selbst seine sorgfältigsten Blätter sind nicht 
ganz von Härte frei, und es fehlt die gehörige Abstufung des Tons.
        

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