Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
GK - IML
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1568674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1574346
544 
13934 
1394. 
geschah mittelst Lithographietinte auf Pflanzenpapier, und wurde dann 
auf Stein umgedruckt. Ein anderes grosses Blatt, mit dem zweiten 
Zeichen, stellt ein phantastisches Thier vor, dessen Hintertheil jener 
eines Löwen ist, während der vordere Theil dem Basilisken nachgeahmt 
ist. Es windet den Schweif von unten auf, und ist mit zwei Flügeln mit 
langen Federn versehen, welche über den Rücken des Löwen sich legen. 
Der Schnabel des Undings ist geöffnet und die Zunge dringt hervor. Vorn 
ZWISChBII den Flügeln sitzt ein nackter bausbackiger Mann mit herab- 
hängenden Füssen, und blässt auf einem Horn, welches aus einem rund- 
gedrehten Candelaher besteht, aus dessen Oeifnung Rauch und Flammen 
gehen. Das Monstrum schreitet nach rechts auf steinigem Boden mit 
spärlichem Graswuchs. Das Monogramm steht rechts unten ausserhalb 
der Einfassung. Diese Vorstellung ist in derselben Weise auf Stein 
übertragen, und in Ton gedruckt, gr. fol. 
1393. Unbekannter Formschneider, dessen Lebenszeit die bei- 
8 J y IHM  8 gefügte Jahreszahl bestimmt. Das ge- 
" 1'  r a" gebene Zeichen findet man auf einem 
Blatte mit dem Embleme des Willibald Pirkheimer, der Birke. Der 
Schnitt ist gering, und wird von Heller dem Hans Rogel zugeschrieben. 
Diese Vermuthung ist ohne Grund, so wie jene, dass das Zeichen sich 
auf Hieronymus Resch beziehe. Der eine, wie der andere Meister 
leistete ungleich Höheres. 
1394. Hieronymus Rasch oder Rösch, der berühmte Formschneider, 
PR] dessen Theilnahme an der Ausführung der Ehrenpforte des 
Kaisers Maximilian nach A. Dürer's Zeichnungen constatirt ist, 
und der ausserdem noch als Buch- und Kunstdrucker seinen Namen 
verewiget hat, soll durch das gegebene Zeichen die Autorschaft eines 
Holzchnittes beanspruchen. Dieses Blatt illustrirt den Spruch Salo- 
mon's XXVII, 22., wo er sagt, dass der Narr, wenn man ihn auch im 
Mörser zerstiesse, doch von seinen Narrheiten nicht lassen würde. 
Der Künstler componirte nun eine Narrenmühle und scheint damit 
eine Satyre auf die Pastorenschaft beabsichtigt zu haben. Links unten 
ist das Zeichen. H. 9 Z. 6 L. Br. 13 Z. 3 L. Dieses Blatt wird 
gewöhnlich dem Hieronymus Resch zugeschrieben, allein es ist noch 
nicht vollkommen erwiesen, dass der Künstler wirklich Resch geheissen 
habe. Er nennt sich immer nur Hieronymus oder Iheronymus Form- 
schneider, nie H. Resch oder Rösch. Auf einer der in Wien vor- 
handenen Holzplatten zur kaiserlichen Ehrenpforte steht Hieronymus 
Andre als Formschneider. Ein Formschneider dieses Namens starb 
nach Doppelmayer den 7. Mai 1556. Auch Neudörffer nennt den 
berühmten Formschneider Hieronymus Andre, und somit ist es etwas 
bedenklich, das Monogramm HR auf ihn zu deuten. Schreyer zählt 
zwar in seinem Todtengelaute einen Jeronymus Resch den älteren 156i 
unter den Todten auf, dieser ist aber kaum der von Neudörffer 
gerühmte Formschneider der Ehrenpforte. Man wird also unter dem 
obigen Monogramme einen unbekannten Meister vermuthen dürfen. 
Die alten Abdrücke des Holzchnittes mit der satyrischen Narren- 
mühle sind sehr selten. Die Platte besass der Hauptmann H. A. von 
Derschau. R. Z. Becker in Gotha liess neue Abdrücke machen, und 
diese kommen in dem sogenannten Derschau-Beckenschen Holzschnitt- 
werke vor. Becker nannte den Meister Hieronymus Resch, aus dem 
aber, was wir vernommenyhaben, ist es zweifelhaft, ob Hieronymus 
Andre der Formschneider ist, und noch weniger ersichtlich, dass Hie- 
ronymus Resch durch obiges Zeichen seinen Namen angedeutet habe.
        

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