Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
GK - IML
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1568674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1573814
1246. 
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ausbreitet. Dieses mit unsäglichem Fleisse vollendete Altarwerk be- 
urkundet einen knnstfertigen Maler, welcher aber in der manierirten 
Weise seiner Zeit befangen ist. Viel Charakter haben die Bildniss- 
köpfe, welche nach der Natur gemalt zu seyn scheinen. Im Portraite 
leistete Mielich überhaupt das Beste, und obwohl schon der späteren 
Zeit angehörig, folgte er hierin noch immer der guten älteren Schule. 
Der Fleischton fallt ins Braunliche, ohne grössere Sättigung und Tiefe. 
Die Composition ist nicht ohne Verdienst. Die Zeit der Entstehung 
des Altares der Frauenkirche ist nicht angegeben. Auf der Rückseite 
steht nur, dass das Werk auf fürstlichen Befehl von Meister Hans 
Wisreuter dem Kistler und von Hausen Muelich von München aus- 
geführt wurde. Lipowski spricht aber von einer darauf bezüglichen 
Rechnung von 1572: Hans Mielich wegen der gemachten Chortafel 
von U. L. Frauenkirche zu Ingolstadt Abrailung getroffen um 
2000 Gulden. Mielich starb 1572, und somit war dieser Altar wohl 
sein letztes Werk. Im dritten Hefte der Alterthümer und Kunstdenk- 
male des bayerischen Herrscherhauses von Freiherrn von Aretin ist er 
in Farbendruck nachgebildet. 
Von Hans Muelich und Christoph Zwickopf haben wir auch ein 
grosses und ausserst seltenes Formschnittwerk in 16 Blättern, gr. fol. und 
gr. qu. fol. Sie bilden zusammengestellt ein Tableau im grössten qu. 
imp. fol. Dieses Tableau stellt die Belagernng von Ingolstadt zur Zeit 
des Schmalkaldischen Krieges im Jahre 1549 vor. Oben in dsr Mitte, 
in einer Arabeske innerhalb des Plattenrandes steht in Majuskeln: 
APABATVS VICTORIAE FVNDATORISI QVIETIS CAROLIMAXIMI. 
Cum gratia et singularl Sacrae Majestatts Priotlegio   1549. 
Ausserhalb des Plattenrandes liest man ebenfalls in Majuskeln: Carolt V. 
Imperatorts Aug. Castrorum, que anno Sal. MDXLVI supra Ingol- 
stadiü habuit, Plctura, infestas acies resq. ibl gestas luculenter repre- 
sentans. Unten ausserhalb des Plattenrandes ist eine lateinische Be- 
schreibung in Typendruck auf 8 Querfoliobogen: Praefatio ad Specta- 
torem. Inter ommfa Bella quae Carolus V. Maarimus, Imperator 
Augustus, in hanc usq. dtem gessit et confecit, nullum cum eo, 
quod in cöspirationenz Schalkaldlcam patratunz est, conferri 
posse etc. etc. Monacl Earcudebattlr impensis Christophori Zwi- 
kopffti, et Joannis Mueliclty Pictoris ciuium ibidem. Anno Salutis 
M. D. XLIX. Es wurden auch Abdrücke mit deutschen Inschriften und 
unten mit durchlaufender deutscher Erklärung veranstaltet: Des Aller 
Grossmäclzttgslen Römischen Kaysers Karl des Fünfften veldtle er 
vor Ingolstadt   Gedruckt in der loblichen und Fürstlichen 
Statt München durch Christoph Zzviclsltoplf und IIans Muelich, Maler. 
Im Bilde selbst sind an verschiedenen Stellen deutsche Inschriften 
eingedrückt, z. B. im Vordcrgrunde, wo der zeichuende Künstler 
dargestellt ist, liest man: "Aine halbe notschlanng ist diser Zeit mit 
grosser arbeit auf unser lieben frawen Ifirchdurm gebracht wor- 
den uit etlich schüss darauss geschehen. auch diss haiserlich ge- 
leger alda abconterfedt zoorde durch hanns Muelich Maler von 
München. Im Künstler-Lexicon haben _wir auf dieses Formschnittwerk 
nur kurz aufmerksam gemacht, ausführlich beschreibt es aber C. Beker 
in Naumanms Archiv für die zeichnenden Künste, I. S. 130 ff. R. 
Weigel werthet im Kunstkatalog N0. 20,469 ein Exemplar mit lateini- 
scher Erklärung auf 50 Thlr. Es kam in den Besitz des Feld- 
marschall-Lieutenant Hauslab in Wien. In Ingolstadt ist ein defectes 
ausgemaltes Exemplar mit deutscher Schrift. 
Ob Hans Mielich selbst in Holz geschnitten habe, ist nicht zu be- 
stimmen, gewiss aber kann man annehmen, dass er die Zeichnung auf
        

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