Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
GK - IML
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1568674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1573776
HL FVR. 
124i. 
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und man könne daraus sehr wohl schliessen, dass Lützelburger im 
Stande war, Holbein's Todtentanz in Holz zu schneiden. Diese An- 
sicht theilt von Rumohr nicht, und findet im Gegentheil die Arabesken 
und Randverzierungen ärmlich. Im Schnitte der Buchstaben ist in- 
dessen Lützelburger wie immer ausgezeichnet. 
5) Eine Titeleinfassung aus vier figurirten Stäben und in dem 
einen H L F VR. Diese Bordüre wurde zu folgendem Werke ver- 
wendet: Das newe Testamet yetz kläerlich aus dem rechten grundt 
Teutsch.  Auch die Offenbarung Joannis mit biblische" Figuren. 
Basel, Th. Wollf, im Jar 1523. Auf diese Bordüre macht Professor 
Massmnnn im Anzeiger für Kunde des deutschen Mittelalters 1833 
S. 306 zuerst aufmerksam, und er versichert, dass sie zeige, dass 
es Lützelburger weder an Geschick, noch an Gefühl gemangelt habe, 
zu leisten, was in den Todesbildern geleistet worden ist Diese 
Aensserung brachte Herrn von Rumohr, 1. c. S. 13, in vollen Harnisch, 
und er ging nun an die Analyse der Titelbordüre. Er findet den Ab- 
stand zu gröss von der miissigen Leidlichkeit, welche jenem Titel 
darf zugeschrieben werden, zum Feinsten und Kunstreichsten, welches 
die Xylographie überhaupt aufzuweisen hat. Nicht einmal im Techni- 
schen erreicht uach Rumohr die Titelverzieruug das Meisterwerk, dem 
Massmaun sie gleichstellt. In den Formen aber, in der Zeichnung 
und alle dem höheren, so durch sie erreicht wird, findet er einen 
himmelweiten Abstand, und meint, dass dieses freilich nur dem ge- 
übten Auge sich darstellen möge. Kurz, v. Rumohr kann sich nicht 
entschliessen, die seinem Auge so gar unvollkommenen Verzierungs- 
stabe mit St. Petrus, der Taufe Christi, der Bekehrung des Paulus etc. 
den Todesbildern gleichzustellen, in welchen das Feine und Geistreiche 
nicht auf dem Technischen an sich selbst, sondern auf klarer An- 
schauung dessen beruhe, was jedesmal zu bezeichnen war, und zu 
suchen sei in den unvergleichbar ausdrucksvollen Köpfen und Händen, 
in der verstandvollen Bezeichnung sogar der untergeordneten Sachen, 
als der Gewänder, Geräthe und Hintergründe u. s. w. Freiherr von 
Runiohr blieb der Meinung, dass Holbein selbst den Todtentanz ge- 
schnitten, und gab dem Verfertiger der schlichten Alphabete nur das 
Zeugniss eines Technikers von sehr untergeordneter Bildung und 
Geistesbeziehung. Damit sollte sich nun Professor Massmann begnügen, 
und mit Sotzmann et Comp. die Hypothese weiter pflegen, dass Lützel- 
burger den Todtentanz geschnitten habe. Hr. v. Rumohr schrieb ihn 
bekanntlich dem Holbein selbst zu, und zwar consequent bis zum 
letzten Atbemzuge. Einigen Scrupel erregte ihm aber doch das Todten- 
tanzalphabet in dem berühmten einbogigen Exemplare mit Lützel- 
burgeüs Namen zu Dresden und Basel. Er sagt sogar, er würde 
einem solchen Grunde vielleicht sein Gefühl aufopfern, wüsste er nicht, 
dass jenes von Lützelburger oder von ihm nur herausgegebene Todten- 
tanzalphabet die beinahe deckende Copie eines anderen sei, welches in 
Baseler Editionen der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts vorkomme. 
Wir haben auf dieses Alphabet oben aufmerksam gemacht, und auch 
eine andere Stelle bezeichnet, wo weiter darüber gehandelt ist. Ist 
Lützelburger der Copist jenes Alphabets, welches im griechischen 
Galenus von 1538 vorkommt, und welches man für Original des H0l-' 
bein halten wollte, so hat er die Todtentanzbilder nicht geschnitten. 
Denn letztere waren nach 1526, oder schon früher, grösstentheils voll- 
endet, und viel später sind die Initialen des Galenus geschnitten. 
Nur wenige Buchstaben kommen in früheren Druckwerken vor. Es 
handelt sich wohl sicher um Original und Copie. Die Uncialen des 
Lützelburgefschen Folioblattes sind von dem sogenannten Holbeinischen
        

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