Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
GK - IML
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1568674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1573546
464 
1 209. 
Iir. 
dings vergebene Mühe, beweisen zu wollen, dass Holbein selbst die 
Platten geschnitten habe. Eben so misslich wäre es, die fragliche 
Stelle in der Vorrede als eine willkürliche Phrase zu erklären. 
Die Trechsel hatten bis zum Jahre 1547 nur 41 geschnittene Platten, 
es waren aber noch 12 andere mit den Vorzeichnungen vorhanden, so 
dass also nach Holbein's Abreise das Werk unvollendet dalag, und viel- 
leicht nur nach einigen Probedrücken ohne Text bekannt war. Die 
Ausgabe von 1547 ist mit jenen zwölf Bildern vermehrt, und .der Vor- 
redner entschuldigt den früheren Mangel dadurch, dass er sagt, der 
Künstler habe mehrere andere bereits vorgezeichnete Figuren nicht 
vollenden können (qui ne peut pas acheoer plusieurs aultres figures 
jä pur lui trassäes), und ein anderer habe es nicht gewagt, an dieses 
Meisterstiick Hand anzulegen. Wenn also die Zeichnungen auf den 
zwölf Stöcken bereits vorhanden waren, so fehlte es in Lyon bis dahin 
an einem Formschneider. Man hätte sich indessen an Hans Holbein 
wenden können, da er einmal durch Borbonius den Verlegern bekannt 
seyn musste; allein. es fehlt auch in der Ausgabe von 1547 jede Hin- 
weisung auf diesen Meister, und man kann daher annehmen, dass er 
unberücksichtigt blieb. Daraus geht auch der Schluss hervor, dass 
die zwölf letzten Holzschnitte in keinem Falle von Holbein herrühren 
könnten, wenn die Verleger nicht absichtlich seinen Namen verschwiegen, 
um die Correktur der früheren Ausgaben zu vermeiden. Sie hatten 
übrigens nur das Tetrastichon des N. Borbonius beifügen dürfen, wenn 
letzterer die in Holz geschnittenen Bilder meint; allein auch dieses 
unterblieb, während das lateinische Gedicht und das griechische Di- 
stichon desselben allen Ausgaben der Bilder des alten Testaments vor- 
gedruckt wurden. Ungewiss ist es auch noch, ob die vier Verse mit 
Holbeiirs Namen unter dem Bildnisse des. Erasmus in Lyon hinzu- 
kamen. Auf diesem Portraite, und auf den Holzschnitten der Historie;- 
rum ceteris Instrumenti icones  Lugduni 1538, fehlt das Mono- 
gramm, und wir gehen daher nicht weiter darauf ein. Auch den Grund 
der Abwesenheit der Verse des N. Borbonius in der Vorrede zum Todten- 
tanze mag ein Jeder sich selbst erklären. Hinsichtlich des Schnittes 
sind die Ansichten nicht zu vereinigen, obgleich man zugeben muss, 
dass auch ein Maler in der Technik der Formschneidekunst zur Meister- 
schaft gelangen könne. Vgl. aber auch HH. No. 1038, wo das Bildniss 
des Dichters Wyatt erwähnt ist, ein wahrer Zankapfel im Lager der 
streitenden Parteien. 
Die Holzschnitte des Todtentanzes wurden häufig copirt. Wir 
nennen aber hier nur die Original-Ausgaben, und bemerken dabei, 
dass das Monogramm der Exemplare mit weisser Kehrseite um 1530 
dasselbe sei, wie in den Ausgaben von 1545-1562. Im Blatte der 
Herzogin von 1538 erscheint das Zeichen verletzt. Der horizontale 
Balken ist in der Mitte etwas herabgedruckt, und das stehengebliebene 
Ende gibt das Ansehen einer aufgerichteten Spitze. In der Auflage 
von 1542 ist der derbe liegende Keil in eine feine Horizontallinie aus- 
geschärft, und das alte Endchen des L zu einer stumpfen Spitze ge- 
staltet. Die einseitigen Abdrücke in Uebereinstimmung mit denen der 
späteren und spätesten Ausgaben, zeigen nach v. Rumohr das Mono- 
gramm abweichend von allen jenen snccessiven Formen, das ist nach 
einem verhältnissmässig dicken Horizontal-Balken, an dessen Ende eine 
derbe, triangnläre, sich verhaltnissmässig sehr erhebende Spitze. Mit 
anderen Worten: in der Ausgabe von 1538 erscheint der aus dem zweiten 
Schenkel des H gebildete Buchstabe L in der Querlinie verletzt, und 
1542 wurde eine Nachbesserung vorgenommen, so dass man von jetzt an 
das Monogramm H L wieder deutlich erkennt. In vielen Exemplaren,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.