Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
GK - IML
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1568674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1573521
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1209. 
Jahrzahl, stimmt aber mit jener von 1528. Weitere Ausgaben sind 
von 1641 und 1729, und Varlot liess die noch vorhandenen Platten 
abdrucken: Illustration de Fancienne imprimerie Troyenne, 210 Gra- 
oures sur Bois  Publiees pur V. L. Troyes. Varlot Päre, 1850, 
gr. 4. Wenn auch schon 1528 in Frankreich Holzschnitte der Danse 
Macabre vorhanden waren, so ist es doch nicht die Folge, dass Holbein 
allenfalls 1529 bei seinem ersten Besuche in Basel die. Zeichnungen 
zum Schnitte auf die l-lolzplatten geiertiget habe. Es kann auch nie- 
mand angeben, ob sie in Basel oder in England geschnitten wurden. 
Der Künstler blieb indessen bis 1532 in Basel, und im Jahre 1538 
müssen die Platten vollendet gewesen sein. Holbein besuchte damals 
seine Heimath zum dritten Male, und jetzt tritt auch die Zeit ein, 
in welcher die Gebrüder Melchior und Gaspar Trechsel zu Lyon die 
wundervollen Todtentanzbilder im Druck vervielfiiltigten. Sie nannten 
aber in der Vorrede ihrer Ausgabe von 1538 weder den Zeichner, noch 
den Formschneider, und es fragt sich daher, ob sie die Platten un- 
mittelbar von Holbein erhalten hatten. Nicolaus Borbonius aus Troyes, 
welcher den Holbein in England kennen gelernt hatte, wusste aber 
schon früher von Todtentanzbildern, er spricht jedoch von Gemälden, 
wenn er nicht in dichterischer Freiheit unter Mors picta colorirte 
Zeichnungen zum Todtentanze, wenn nicht die Holzschnitte gemeint, 
wie dies auch anderwarts der Fall ist. In seinen Nugae, Lugduni 
1538, p. 427, steht folgendes Gedicht; 
De Morte picta a Hanso pictore nobilz". 
Dum, mortis Hansus pictor imaginem emprimit, 
Trmta arte artem rettullit, ut mors viuere 
Videatur ipsa: et ipse se immorlalibus 
Parem Diis fecerit, operis huius gloria. 
Diese Verse waren zu einer Zeit geschrieben, in welcher die Ge- 
brüder Trechsel die Todtentanz-Holzschnitte noch nicht veröffentlicht 
hatten, denn man muss annehmen, dass Borbonius vor 1538 in London 
dazu gekommen sei, wo Holbein auch sein Bildniss gezeichnet hatte, 
welches mit den lateinischen Versen in Chamberlaynäs Imitations of 
drawings by Hans Holbein  London, 1792, nachgebildet ist. Die 
beiden Disticha sind aber auch in den Nugae von 1538, p. 338, ab- 
gedruckt, und beziehen sich nicht hieher, da sie nur ein Lob auf den 
Verfertiger des Bildnisses enthalten. N. Bonrbon lebte zur Zeit, als 
die Trechsel den Todtentanz herausgeben, in Lyon, er wusste von 
einer Mors picta, von Bildern, in welchen der Tod zu leben schien 
(ut mors vivere videatur ipsa), also wohl in Farben des Lebens gege- 
benen Scenen, und es ist daher schwer zu glauben, dass er nur Holz- 
schnitte, und wenn auch colorirte, im Sinne gehabt habe. Es möchte 
wohl sein, dass Holbein in London dem Nikolaus Borbonius von 
Todtentanzgemälden erzählt, oder sie in colorirten Zeichnungen dem 
Dichter vorgezeigt habe. Dies wären nun die Vorbilder zum Todten- 
tanz des Prediger-Kirchhofes in Basel, von Holbein Vater und Sohn 
gemalt, wenn eine solche Ketzerei der gegentheiligen Ansicht nicht 
gar zu gross ercheint. Die Holzschnittbilder machen jedenfalls ein 
anderes Werk aus, und wie die Trechsel dazu gekommen, ist vorläufig 
nicht zu ermitteln. Hatten sie die Platten von Holbein selbst erhalten, 
so konnte es nicht fehlen, den Maler sogar auf dem Titel zu nennen, 
da ihn Borbonius über Apelles stellt, und neben ihm nur einen noch 
immer unbekannten Georg Reperdius von Lyon nennt. Es ist schwer 
zu glauben, dass die Trechsel in Lyon nicht gewusst haben, wer der 
Zeichner und F ormschneider der Todtentanzbilder sei, und nicht minder 
bedenklich ist es, die Verleger zu beschuldigt-in, dass sie absichtlich
        

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