Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
GK - IML
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1568674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1573505
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dürfen, da er schon 1572 Mitglied der Zunft zum Himmel wurde, und 
1616 in sehr vorgerüektem Alter stehen musste. Er hatte aber da- 
mals Söhne, die ausübende Künstler waren. Im Zustande der sehr 
willkürlichen Restauration von 1616 liegen uns die Bilder in Merian's 
Ausgabe vor. Emanuel Büchel copirte 1767 den Todtentanz in seiner 
dritten Restauration, und damals waren die Bilder des Malers und 
seiner Frau durch Erweiterung des Paradieses überdeckt. Aus dem, 
was gesagt ist, lasst sich über die Entstehungszeit des Gross-Basler 
Todtentanzes nichts Sicheres sagen, da es an authentischen Quellen 
fehlt. Derselbe h"all tritt auch hinsichtlich der ursprünglichen Com- 
pesition vor der Restauration von 1568 ein. Professor Fischer glaubt, 
Holbein habe zwischen 1520 und 1526 von den Predigermönchen den 
Auftrag erhalten, den Todtentanz aus dem Klingenthaler Kreuzgang 
an die Mauer ihres Kirchhofes zu übertragen. Dagegen streitet 
P. Vischer im Deutschen Kunstblatt 1850, N0. 32, gesteht aber selbst, 
dass man über die Entstehungszeit des Grossbasler-Todtentanzes zu 
keiner Gewissheit mehr gelangen könne. Er führt zwar mehrere Punkte 
zur weiteren Widerlegung Fischern: an, beweist aber nicht mehr als 
letzterer. Die Einrede, dass die Mönche bei der damals liereinbrechexi- 
den Reformation wohl schon an Wichtigeres, als an eine Verschönerung 
ihrer Kirchhofmaucr zu denken hatten, ist nicht recht stichhaltig. 
Der Maler kann schon vor 1ä20 das Werk begonnen haben, zu einer 
Zeit, in welcher die Mönche noch nicht denken konnten, dass der Todten- 
tanz der Kirchenrcformation so nahe sei. Den jungen Hans Holbein 
halten wir aber nicht für den Maler des Prediger-Todtentanzes, son- 
dern seinen gleichnamigen Vater, unter Mitwirkung des Sohnes. Hans 
Holbein sen. erhielt 1508 einen Ruf nach Basel, um das damals im 
Bau begriffene Rathhaus mit Malereien zu verzieren. Um 1513 war 
er noch in Basel thiitig, scheint aber das Bürgerrecht in Augsburg 
nicht aufgegeben zu haben, indem er 1516 wieder in Augsburg vor- 
kommt. Erst „uff Sontag vor San! Michels Tag 1520" erhielt ein 
Hans Holbein in Basel die Zunftberechtigung. Darunter erkennt man 
gewöhnlich den jüngeren Holbein, welcher aber kaum zwei und zwanzig 
Jahre zahlte, und bei aller Tüchtigkeit als Jüngling den Auftrag zur 
Ausführung des Todtentanzes kaum erhalten hatte. Hans Holbein der 
Vater kommt nach 1516 in den Augsburger Steuerbücbern nicht mehr 
vor, und so liegt es nahe, dass er 1520 in die Reihe der Baseler 
Bürger trat. Wenn Ambrosius Holbein schon 1517 in die Zunft zum 
Himmel in Basel aufgenommen wurde, so beweist dies nur, dass er 
alter war, als sein Bruder Plans, und der Vater hatte an ihm einen 
Gehülfen mehr. Wenn wir uns Hans Holbein den Vater als Maler 
des Todtentanzes denken, können wir das Steife, und so zu sagen, 
das Typische in der Haltung und Bewegung der meisten Personen, 
und dann das Kostümliche, welches dem Professor Fischer aufflel, und 
woran auch P. Vischer halt, leichter erklären. Holbein sen. ging aus 
einer alten Schule hervor, und konnte sich in das Streben der Re- 
naissance nicht in dem Grade fügen, wie sein Sohn. Von dem jün- 
geren Hans Holbein sind die wundervollen Todtentanzbilder im Holz- 
schnitte, und die vorhandenen Skizzen desselben könnten dem Vater 
bei den Gemälden des Todtentanzes gedient haben. Ich sage dem 
Vater, obwohl ich weiss, dass meine Annahme eben so wenig historisch 
begründet werden kann, als alle anderen Hypothesen über Hans Hol- 
bein junior. Die Gebrüder Trechsel in Lyon, oder der Schreiber der 
Vorrede zu den Todtentanzbildern, 1538, wussten, dass der Maler der- 
selben bereits vom Tode dahingeraift worden war. Der alte Holbein 
ist im Zunftbuche zu Augsburg 1524 unter den Todten eingetragen, 
und der junge starb 1554 in England.
        

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