Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
GK - IML
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1568674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1573396
1200. 
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Sie ist blau lavirt auf schwarzem Grunde, mit der Feder umrissen 
und weiss gehöht, 4. R. Weigel beschreibt seine Zeichnungen in 
B. v. Rumohr's Schrift: Hans Holbein der jüngere in seinem Ver- 
hältniss zum deutschen Formschnittwesen, 1836 S. 116, Er nimmt 
sie für I-Ians Holhein in Anspruch, und daher haben wir derselben 
auch im Artikel über H. Holbein S. 461 erwähnt. Passavant, Peintre- 
graveur III. p. 337 gesteht diesen Zeichnungen zwar eine gewisse Ana- 
logie mit den Produktionen Holbein's zu, vermisst aber jene Lebendigkeit 
und jenes Naturgefühl, welches die Werke dieses Meisters charakterisirt. 
Passavant scheint die genannten Zeichnungen unserm Monogrammisten 
zuschreiben zu wollen, könnte sich aber dennoch irren, da die anderen 
Zeichnungen und die Holzschnitte mit dem Monogramme an Holbein 
und Lützelburger nur entfernt erinnern. 
Ein Monogrammist H L begegnet uns auch im Dome zu Breisach 
mit einem grossen Altarschrein. Die Mitte desselben enthält in reicher 
dem Altarbilde des Hans Baldung Grien im Freiburger Dom verwandter 
Cßmposition die Krönung Maria in überlebensgrossen Verhältnissen. 
Ein Engel hält ein Täfelchen mit dem Monogramm HL, und auf dem 
Psalterium eines anderen steht die Jahrzahl 1526. In dem einen 
Flügel sind die gleichgrossen Standbilder der Heiligen Gervasius und 
Prota-sius, in dem anderen der'Heiligen Stephan und Lanrentius. Unter 
den mittleren Vorstellungen sind die vier Evangelisten, und zu ihren 
Seiten in Oel gemalt ein Ecce homo und eine Mater dolorosa. Die 
fünf oberen Aufsätze, deren mittlerer bis an die Decke reicht, sind 
1m spätgothischen Style ausgeführt. In zwei Nischen des höchsten 
Aufsatzes ist oben der Heiland mit der Dornenkrone, unten Anna mit 
Maria und dem Kinde, und weiter sind andere Figuren vertheilt. Die 
Arbeit ist ungleich, am meisten zeichnen sich die Maria und die Evan- 
gelisten aus. Eine genaue Beschreibung dieses Werkes gibt Professor 
Grieshaber im Kunstblatt 1833 N0. 9. 
Kanu nun dieser Altarschrein auch von Hans Leu herrühren, ist 
nur die Zeichnung zu demselben, und sind nur die Malereien von ihm? 
Diese Frage können wir nicht beantworten. Hans Leu ist nur als 
Maler genannt, und als solcher kann er auch Zeichnungen hinter- 
lassen haben. Die alten Maler übernahmen bei Herstellung von Altären 
auch die Arbeit des Schnitzwerkes, theils selbst, theils mit Beihülfe 
von Bildschnitzern von Profession, und die Ungleichheit der Arbeit 
des genannten Altarschreines deutet auf mehrere Hände. Der Artikel 
hat einmal einen Namen, und wer einen sicherern weiss, streiche den 
EWS Leu. dem Bildhauer gegenüber. Als Maler wird man ihn nicht 
leicht abweisen können, es frägt sich aber noch, wie lange er thätig War. 
Leu war ein Anhänger des Ulrich Zwingli, und zuletzt so fanatisch, 
daSS er kein Heiligenbild mehr malen wollte. Wenn er der Mono- 
Sfammist H L des Altarschreines im Münster zu Breisach ist, so hatte 
Ihn 1526 der Paroxysmus noch nicht befallen, wir glauben aber eher, 
daSS das genannte Altarwerk von H. Leu nicht herrühre, und dass er 
auch auf die erwähnten Zeichnungen von 1525 und 1526 keinen An- 
Spruch habe, welche demnach nur dem Hans Holbein zufallen könnten, 
wenn auch Passavaut dagegen ist. Dieser Schriftsteller bringt auch 
den Hans Leu in unsern Artikel, und es ist immerhin sehr wahr- 
Ascheinlioh, dass das Gemälde mit Orpheus, die Zeichnungen älteren 
Datums, und dann auch die Zeichnungen zu den Holzschnitten von 
Ihm herrühren. Als Anhänger ZwinglPs müssen wir den Meister Leu 
zu den Bilderstürmern rechnen. In Zürich wurden nämlich 1523, nach- 
49m ZwinglPs Glaubensartikel angenommen waren, alle Bilder aus de" 
Kirchen entfernt, und am Aschermittwoch 1529 gingen Sie zu Basel 
Monogrammisten Bd. III, 29
        

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