Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
GK - IML
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1568674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1573247
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1152. 
um eine Art Kartenspiel mit solchen zottenden Mendeln, und leitete 
dann die Vermuthung auf die österreichischen Heiligen, weil auf der 
Rückseite eines Briefes des Dichters Sebastian Brant über die historisch- 
legendarische Grundlage des Oyklus jener Heiligen der Betreff: Mendl 
aufgeschrieben ist, und wohl von Peutingeüs Hand, obgleich der Brief 
am 17. December 1517 an Villingcr gerichtet war. Gegen diese Ver- 
muthung trat H. v. Sotzmann im deutschen Kunstblatt 1852 N0. 28 
auf, indem er unter den zottenden Mendeln jene wilden Männer oder 
Waldmenschen versteht, welche in den Bildern des Mittelalters haarig 
(zottig) oder nackt bis auf einen Blütterschurz, bald einzeln oder paar- 
weise in Wappen und Signeten, bald mit Centauren, Wald- oder See- 
weibern "und anderen Fabelgestalten vermischt, in Randleisten und 
Grottesken so häufig vorkommen. Es sind diess nach Sotzmann die 
Faunen und Satyrn der Alten, aber in christlich-mittelalterlicher Um- 
formung. Sotzmann geht auf diese rohen Naturmenschen noch weiter 
ein, und bemerkt, dass die Mueter der zottenden Mendel nichts anderes 
als die Weiber derselben seyn werden. Diese Ansicht ist allerdings 
sehr plausibel, nur reimt sich damit die Stelle von Kunig Ifarlein 
bis auf den Pawrn nicht recht. Der Bauer ist zwar manchmal ein 
roher Naturmensch, doch eben kein Faun oder Satyr, und am aller- 
wenigsten wird man den König Carl in diese Categorie setzen wollen. 
Und dann ist ganz unbekannt, dass der Kaiser ein Werk dieses phan- 
tastischen Inhalts projektirt habe. Wir kennen das historisch-romantische 
Streben Maximiliams ganz genau, und sind der Meinung, dass er sich 
1517 nicht um phantastische Bildungen bekümmert habe. Dr. Peutinger 
sagt deutlich, dass bezüglich der Mueter der zottendcn Mendel an vielen 
Orten Recherchen gepflogen werden müssten, und die Arbeit zog sich 
daher sicher bis zum Tode des Kaisers hin. Heilige Einsiedler, oder 
andere strenge Büsser sind auch oft sehr haarig oder zottig vorgestellt, 
und so könnte traditionell der Name „z0ttende Mendel" auch auf die 
Namen der Heiligen aus der Vorzeit des Kaisers übergegangen seyn. 
Die Einwendung des kunst- und geschichtskundigen H. v. Sotzmann, 
dass die österreichischen Heiligen von H. Burgkmair gezeichnet seien, 
ist nicht hinreichend zum Ausschlüsse des H. Knoderer. Kein einziger 
Holzschnitt ist H. B. bezeichnet, während Burgkmair sonst nicht er- 
mangelte, seine Autorschaft geltend zu machen. Das Werk mit den 
österreichischen Heiligen fällt in die Zeit von 1515_1518. Diese Jahr- 
zahlen stehen nebst den Namen der Formschneider auf der Rückseite 
der Holzplatten, welche in Wien vorhanden sind. Im Jahre 1517 be- 
schäftigte sich Dr. Peutinger mit der Fortsetzung des Werkes der 
zottenden Mendel und ihrer Frauen (Mueter). Dr. Brant macht 1517 
seinen Bericht über die Legende (Herberger Nota 104), "und kennt 
noch nicht alle Namen der Heiligen, worüber er von dem Kaiser selbst 
Aufschluss erwartet. Die Urkunden über die zottenden Mendel fallen 
gerade mit jenen über die österreichischen Heiligen zusammen, und 
wir glauben daher, dass es sich im Allgemeinen um letztere handle, 
da sich von angeblichen phantastischen Bildungen keine Spur erhalten 
hat. Der Kaiser beschäftigte sich 1517 mit der Heiligenlegende seines 
Hauses, mit welcher sich Faunen und Satyrn, wenn auch in Christnch. 
mittelalterlicher Umformung, nicht vertragen. Die Legende war sein 
letztes Werk, der Text kam aber nicht in den Druck. Aus dem Briefe 
des Dr. S. Brant geht indessen hervor, dass derselbe einen solchen 
hergestellt hatte, aber vielleicht ohne zum Ende zu gelangen. Auf 
der kaiserl. Bibliothek in Wien liegen 122 Platten mit Heiligenbildern, 
doch sind in der Ausgabe von 1799 nur 119 Abbildungen, indem drei 
Platten den Druck nicht mehr aushielten.
        

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