Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
GK - IML
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1568674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1572791
1038. 
389 
2) Maria mit dem Kinde auf dem Throne, links St. Ulrich, rechts 
St. Afra stehend. Oben auf dem Throne sitzen zwei posaunende Engel. 
Darüber spielt in der Ecke links ein Engel auf dem Delphin die Geige, 
und ein anderer gegenüber bläst den Dudelsack. In der Mitte schwebt 
ein Cherub. Unten bemerkt man das Wappen des Bischofs von Augs- 
burg mit dem liegenden Balken der von Lichtenau. Neben diesem 
Wappen und jenem der Stadt Augsburg sind die Stiftswappen von 
St. Ulrich und St. Afra. H. 9 Z. 6 L. Br. 6 Z. 2 L. 
Dieser Holzschnitt gehört zu dem höchst seltenen Gradualc iuxvta 
ritü ecclesie AugusteTl_ nuper accurattssinte emädatü, und kommt 
auch im Missale sccundum ritum Augustensis ecclesie  Augusta 
Vind, Erhard Radtolt 1510 vor. Beide Werke wurden auf Ver- 
anlassung des Bischofs Heinrich IV. von Liechtenau gedruckt, und 
daher kommt dessen Wappen auf dem Blatte mit der Madonna. vor. 
R. Weigel,  No. 21,492, möchte das höchst seltene Blatt dem 
Hans Holbein jun. zuschreiben, oder wenn man die Arbeit einem 
Knaben von 13 (10 oder 1-1) Jahren nicht zutrauen wollte, den Am- 
brosius Holbein dafür substituiren. Die Composition ist nicht originell, 
indem ein älterer Holzschnitt mit dem Wappen des 1505 verstorbenen 
Bischofs Friedrich von Zollern zum Vorbilde diente. Die Zeichnung 
zum älteren Bilde ist von Hans Holbein dem Vater, und dieser Meister 
wird auch jene zum Holzschnitt für das Graduale und Missale geordnet 
haben. Ob Holbein der Sohn 1509 oder 1510 im Stande war, die Platte 
zu schneiden, lassen wir dahin gestellt. Er müsste später viel Ge- 
ringeres geleistet haben, was nicht anzunehmen ist. Wir möchten den 
alten Holbein dafür eintreten lassen. 
3) Holbeinls Bibel. Biblia. Vtriusque Testament-i juwta emlga- 
tam translationem, et eam, quam luzberi potuit, ementatissimam: 
addttis verum praecipuis in locis icontbus. Interpetatio nominum 
Hebraicorum etc. etc. Lugduni apud Hugonem a porta 1538, fol. 
In dieser Bibel sind fast sämmtliche Formschnitte mit den Bildern 
des alten Testaments: Icones raeteris Instrumenti etc. Die erste Aus- 
gabe ohne Text auf der Rückseite ist äusserst selten und von kost- 
barem Drucke. Nur in dieser findet man das Blatt mit Adam und Eva 
unter dem Baume mit der Schlange, oder dem Sündenfalle, nicht mehr 
in den späteren Ausgaben der Bilderbibel von 1538 an. Alle enthalten 
92 Blätter und vier Scenen aus dem Todtentanze statt des Sündenfalles. 
Die Platte zu letzterem wurde aber in der erwähnten Bibel abgedruckt, 
welche dadurch einen besonderen Werth erhält. B. Weigel gibt im 
zweiten Hefte seines Prachtwerkes: Ilolzschnitte berühmter Meister etc. 
eine Copie, da. man die biblischen Holzschnitte dem Holbein selbst bei- 
legt, oder wenigstens einen Theil für Original erklärt. Dieselbe Vor- 
stellung, so schon, dass man im Probedrucke ohne Text sie nicht leicht 
für Copie nehmen würde, kommt auch in der Froschauefschen deut- 
schen Bibel von 13331 mit den anderen Copien der biblischen Bilder 
vor. Wir können daraus auf die Zeit des Schnittes der Originalplatten 
schliessen. Holbein begann mit der Illustration der Apokalypse in 
21 Vorstellungen, welche im neuen Testamente bei Henric Petri 1523, 
iol, vorkommen, und auch für die Froschaueüsche Bibel copirt wurden. 
Die Zeichnungen zu den Büchern des alten Testamentes unternahm 
Holbein später, vielleicht kurz vor seiner 1526 erfolgten Abreise nach 
England. Gegen 1530 müssen auch die Platten geschnitten gewesen 
Seyn, weil sie Froschauer für seine Bibel von 1'531 copiren liess. 
4) Das alte Testament, deutsch. 2 Theile. Basel, Adam Petri 
1524 im Hebstmon, fol.
        

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