Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
GK - IML
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1568674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1572356
971. 
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Bartsch im Appendix zu Dürer's Holzschnitten p. 185 N0. 33 beschreibt, 
und Heller N0. 2061 als Allegorie auf die Thorheit bezeichnet. Unten 
ist ein Gedicht von Hans Sachs aufgedruckt, mit der Adresse am 
Schlüsse: Hans Guldenmund 1526. Das Gedicht hat weder Bartsch 
noch Heller gelesen, indem Hans Sachs die Darstellung anders erklärt. 
Er erkennt darin das tyrannische, unkluge Verfahren der Machthaber 
gegen das dumme geplagte Volk. Der Tyrann sitzt auf dem armen 
gemeinen Esel (Volk), und der Mann hinter ihm (der Wucher) schneidet 
dem Langohr die Haut auf. Die Vernunft hält dem Esel das vor 
Augen, was er nicht begreift, und die allegorische Figur des Wortes 
Gottes mit Buch und Schwert scheint auch eher das letzte als das 
erste anwenden zu wollen. Die Gerechtigkeit kratzt sich hinter den 
Ohren u. s. w. Das Gedicht des ehrsamen Schusters und Poeten be- 
ginnt: Man hat yn gröfzer clug erhort, der Tyrann mich erschröck- 
lich spart etc. etc. Heller kennt diesen Origiualdruck nicht, sondern 
beschreibt eine mittelmässige Copie. In dieser hat die allegorische 
Figur der Vernunft nur eine Feder auf dem Hute, während dieser im 
Original mit fünf Federn geziert ist. Ueber dem rechten Flügel des 
Eselschinders steht im Original Wucher, in der Copie Geitz. Die 
späteren Abdrücke des Originals haben die Ueberschriften und das Ge- 
dicht des Hans Sachs nicht mehr. Ueber die Copie s. den unbekannten 
Monogrammisten PH. Diese hatte Heller vor sich. Es fehlen die Ueber- 
schriften, das Monogramm und oft auch die Adresse von Georg Lang. 
Wir müssen aber zwei Künstler Namens Guldenmundt unter- 
scheiden, wie aus der Adresse folgenden Werkes hervorgeht: Ursprung 
und Herkuäen der z-wölff ersten alten König imd Fürsten deutscher 
Nation, wie vnd zu welchen zeyten jr yeder Regiert hat. Nurnberg, 
Hans Guldenmundt der Ellere 1542, fol. Die Verse dieses sehr 
seltenen Werkes sind von Burkart Waldis, und die 12 Holzschnitte 
der Fürsten in ganzen Figuren von Peter Flötner, Bartsch IX. p. 162 
No. 1. Hans Guldenmundt der Aeltere war vielleicht nur Verleger, 
und die Holzschnitte mit seiner Adresse gehören daher in den meisten 
Fällen einer anderen Hand an. Den jüngeren Hans Guldenmundt 
glauben wir im Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen 
III. Jahrg. 1850 S. 725 gefunden zu haben. In diesem Werke sind 
kunstgescbichtliche Beitrage von J. Schlager, und dieser Schriftsteller 
fand die Notiz, dass Hans Guldenmundt 1543 für den Entwurf zu einer 
Ehrenpforte für den Kaiser Ferdinand I. die Summe von fi Gulden er- 
halten habe. Ein Hans Guldenmundt war also zeichnender Künstler, 
welcher als solcher auch das Schneidmesser geführt haben könnte. 
Der Artikel im Künstler-Lexicon V. S. 450 ist ungenügend, und 
wir müssen daher nachhelfen. Die Initialen des Namens kommen sehr 
selten- auf Holzschnitten vor, und es ist auch Hans Glaser zu unter- 
scheiden. Bartsch IX. p. 150 beschreibt nur den Triumphwagen des 
Kaisers Carl V. 
1) Das Bildniss des Hans Sachs, halbe Figur von vorn. Er hält 
in seiner linken Hand eine Papierrolle und in der rechten ein Tuch. 
Unter der Figur steht: Hans Sechs Alters 51 Jar. Im oberen Rande 
stehen 16 lateinische Verse, und im unteren eben so viele deutsche 
von Leonhart Keiner und Johann Betz. Die Schlussschrift lautet: 
Im Jor 151116 gedruckt durch H. Guldemund. Die Verse und die 
Adresse fehlen in den späteren Abdrücken, und daher überging Bartsch 
diesen schönen Holzschnitt. H. 15 Z. Br. 10 Z. 
2) Der Triumphwagen des Kaisers Carl V. in 9 Blättern, welche 
zusammengefügt einen sehr langen Fries bilden, B. N0. 1.
        

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