Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
GK - IML
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1568674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1572025
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896. 
entnehmen wir einer Gegenschrift: Lettre de Mr. S. Boisseree, au 
Secrdtaire de la societe royale des Beaux-Art ä Gamt (L. deBasl). 
Der Commentator des Briefes von Boisseree kämpft für Memling, und 
auch die neuesten Belgischen Schriftsteller weisen die Lesart Hemliug 
zurück. Sie schieben dem Descamps den Irrthum in die Schuhe, allein 
dieser Schriftsteller hat den Namen Hemling nicht geschaiien, er fand 
ihn vor. Mehreres siehe N0. 503. 
896- Hans Furtenbaoh nennt man häufig den Verfertiger der 
Holzschnitte, auf welchen die gegebenen 
IfF  I-V-F H Zeichen vorkommen. Wir finden sie in 
. 1 1 Druckwerken aus J. Grüningeüs Offizin 
 in Strassburg, und in solchen von A. Cra- 
    tandcr und A. Petri in Basel. Der Künst- 
l , , ler wird also in den genannten Städten 
gelebt haben, Niemand aber kann einen Hans Furtenbach in Basel 
oder Strassburg nachweisen. Es SChelnt somit. dass dieser sogenannte 
Furtenbach aus der Phantasie gegriifen ist, und wir müssen ihn daher 
aufgeben, Man möchte aber glauben, dass sich zwei Künstler in diese 
Monogramme theilen müssen, ein Zeichner und ein Formschneider HF. 
Der Zeichner, und möglicher Weise als solcher auch Formschneider, 
arbeitete neben Hans Baldung Grien für die Grüningefsche Oftizin in 
Strassburg, und von ihm sind die Blätter in den Brösamlin des Jo- 
hannes Geyler von Kaisersbcrg. Er hält die Mitte zwischen Hans 
Balduug Grien und Hans Holbein, ist aber viel schwächer, als letzterer. 
Auf den Holzschnitten in den Brösamlin kommen die grossen Zeichen, 
theils mit der Jahrzahl 1516 vor, und wenn der mit dem Monogramme 
etwas variirende Meister, welcher für die Baseler Druckwerke gear- 
beitet hat, wirklich derselbe ist, so hat er bald die Holbeimsche Richt- 
ung mit Glück eingeschlagen. Diese Wendung kann aber nur in Basel 
erfolgt seyn, und wir wollen es annehmen, da in den Druckwerken der 
Basler Adam Petri und Andreas Cratander seine schönsten Blätter 
vorkommen, wie z. B. die Holbein'sche Titeleinfassung mit dem Her- 
kules Gallicus von 1519 u. s. w. Und dennoch wäre es möglich, dass 
der Zeichner, oder auch Formschneider der Grüningefschen Offizin 
ein anderer sei, da letzterer sich mehr zu Hans Baldung Grien, als zu 
Holbein hält, übrigens aber schwächer als beide ist. In Strassburg 
lebte damals ein Maler, welcher unter dem Namen Hans v0 n Frank- 
furt bekannt war, und der Sohn jenes Hieronymus Greif seyu könnte, 
welcher 1502 die Apokalypse von A. Dürer copirte. Dieser H. Greif 
war Briefmaler und Formschneider, und nannte sich ebenfalls Hiero- 
nymus von Frankfurt. Der Maler Hans von Frankfurt ist urkundlich. 
Wir wissen aus den Mittheiluugen des Archivar Schneegans von Strass- 
burg in Dr. Naumanms Archiv II. S. 198, dass Hans von Frankfurt 
1516 im Kunstausschusse der Zunft zur_Steltzen in Strassburg eine 
entscheidende Stimme hatte. Dieser Meister könnte für Grüninger 
Zeichnungen zur Illustration der Brösamlln gefertiget haben, und wenn 
er der Sohn des Briefmalers und Formschneiders Hieronymus Greif, 
genannt von Frankfurt war, so kann ihm die Technik der Schnittarbeit 
nicht unbekannt gewesen seyn. Selbst Hieronymus von Frankfurt wird 
1516 noch bei Kraft gewesen seyn, und auf ihn kann das Zeichen 
ebenso gut gedeutet werden, als auf Hans von Frankfurt. Ersterer be- 
diente sich auch auf den Copien der Apokalypse eines aus H VF be- 
stehenden Zeichens, und somit könnte er auf den Holzschnitten der 
Brösamlin variirt haben, da. er mit Albr. Dürer in einen argen Streit 
verwickelt war.
        

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