Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
GK - IML
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1568674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1572018
895. 
311 
395- Hans Hemling oder Memling beschäftigte uns schon N0. 503, 
und wir verweisen hinsichtlich der Lesart auf jenen 
Artikel. Hier handelt es siehvzunächst um das ge- 
gebene Zeichen auf dem schon erwähnten Gemälde 
der Anbetung der Könige im Hospital zu Brügge, 
welches, wie das daselbst vorhandene Bild der Ver- 
mählung der hl. Catharina, den Namen des Künst- 
lers trägt. Das Zeichen auf letzterem Bilde haben 
wir N0. 503 beigefügt, und bemerkt, dass hollän- 
dische Schriftsteller dasselbe auf Johannes Floreins, 
einen Bruder des Spitals, deuten, während iman auch 
IHF und III lesen kann, d. h. Johannes Hemling 
Fecit oder Johann von Konstanz. Man findet es in Belgien unge- 
reimt, dass ein Künstler den Namen und dazu noch sein Monogramm 
beisetzen könne, was aber auch anderwärts vorkommt. Im belgischen 
Lager will man die Lesart Hemling durchaus nicht zugeben, son- 
dern nur einen Memling erkennen, womit auch deutsche Kunstforscher 
einverstanden sind, da. die N0. 503 gegebene Form des H mit einem 
senkrechten Striche im unteren Theile häufig, doch nicht immer für 
M gebraucht wird. Wer positiv Hemling lesen will, wird das erwähnte 
Zeichen auf dem Gemälde der Vermählung der hl. Catharina nicht auf 
den Maler deuten, sondern auf Jan Floreins, den Besteller des Bildes, 
so dass man allenfalls 1 Kp herausliest. Mit der Deutung 11" ist es 
aber misslich, indem das muthmassliehe T; eher als K erscheint. Das 
"gegebene Zeichen auf dem Gemälde der Anbetung der Könige wird 
ebenfalls auf Jan Floreins gedeutet, weil er das Gemälde, wie man 
glaubt, ausführen liess. Hemling oderMemling war damals. als Recon- 
valeszent im Spitale zu Brügge, und er übte mit den erwähnten Ge- 
mälden einen Akt der Dankbarkeit. Die Figur des Bruders Johannes 
Floreins will man auf den Gemälden erkennen , es ist aber nicht bis 
zur Evidenz nachgewiesen, dass obiges Zeichen und jenes N0. 503 
sich auf ihn beziehen. Die sonderbaren Namensinschriften der Ge- 
mälde könnten auch später von anderer Hand beigefügt worden seyn, 
aber nicht bei der Restauration 1812 durch M. Ducq, welcher die 
Namensinschrift sicher im alten Zustande liess. Der Name des Künstlers 
kommt unsers Wissens nur auf den beiden Gemälden im. St. Jans- 
Hospital zu Brügge vor, und bei den vielen Hypothesen, welche über 
die Orthographie des Namens herrschen, könnten wir auch noch die 
Vermuthnng äussern, dass erst nach dem Abzuge, oder nach dem 
Tode des Künstlers der Name mit der fatalen Form des H oder M 
N0. 503 hinzugefügt wurde. In diesem Falle , und bei der Iimmerhin 
apokryphen Inschrift, kann sich das obige Monogramm nur auf den 
Künstler beziehen. Man müsste um so mehr Johannes oder Hans Fecit 
lesen, da er in Urkunden Meister Hans, Johannes oder Hans der 
Deutsche heisst. Nirgends kommt darin der Name Hernling oder Mem- 
ling vor, und auf den Gemälden in Brügge ist er controvers. Gerade 
aber in Brügge hat sich der Name Hans Hemling statt hlemling durch 
die Tradition erhalten, was nicht der Fall wäre, wenn die Inschriften 
wirklich Johannes Memling gelautet hätten. Die Lesart ist noch nicht 
entschieden, und wenn der Name von dem Künstler selbst beigefügt 
wurde, so müsste man ihn jedenfalls für einen schlechten Orthographen 
halten, der die alte Form des M nicht von H unterscheiden konnte. 
Die Inschrift bleibt daher immer problematisch, und somit kann man 
eben so wohl Hemling als Memling lesen. Der deutsche Hans Hemling 
von Constanz wurde aber schon von mehreren Deutschen aufgegeben, 
da die Belgier ihren Memling mit Gewalt reclamiren. Das obige Zeichen
        

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