Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
GK - IML
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1568674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1570989
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656. 
9 Blättern die Bathseba im Bade vor. Links im Vorgrunde stehen 
drei Frauen, und gegen die Mitte zu sitzt Bathseba bekleidet am 
Rande eines Bassin. Sie streckt das linke nackte Bein einer Dienerin 
zum Waschen hin, während eine zweite Schwamm und Seife bringt, 
unter welcher Zani (Ene. met. III. 2. p. 324) eine Abgeordnete David's 
mit Oonüturen erkennt, da sie auf den königlichen Palast deutet. In 
Mitte des Bassin erhebt sich ein zierlicher Springbrunnen, an welchem 
der Schalksnarr trinken will, während ihn aber ein Höi-ling am Aermel 
zurückhält. Der königliche Palast nimmt einen grossen Theil des Mittel- 
grundes ein, und David mit der Harfe vor zwei Begleitern sitzt rechts 
auf dem Balkon. Links im Mittelgrunde ist eine Ruine, und vier Engel 
tragen eine Tafel mit acht Versen: 
Als david yezend massig wavs. 
dardvrch er gods ge ot vergas. 
das er mit mordt amd eebrvck svndt 
des bosen selten mvssig get. 
Unten rechts ist das Täfelchen mit dem Künstlerzeichen. Das 
Monogramm H B erklärt man auf Hans Brosamer, und es wird sich 
wohl so verhalten. Das Zeichen MB ist jenes des Formschneiders, 
dessen Name unbekannt ist. Er gehört wahrscheinlich der Familie 
Brosamer an. Man nennt einen Martin Brosamer, welcher der Sohn 
unsers Künstlers seyn könnte, da er noch zu Anfang des 17. Jahr- 
hunderts gelebt haben soll. Bartsch kennt das erwähnte Formschnitt- 
werk nicht. Es wurde zuerst von Zani beschrieben, und dieser Schrift- 
steller hielt das Dresdner Exemplar fast für das einzige. Es kommen 
indessen noch etliche andere Abdrücke vor. Den Holzschnitt umgibt 
eine schmale Bordure mit Arabesken. H. 29 Z. 3 L. Br. 36 Z. 3 L. 
Schliesslich bemerken wir noch, dass auch am Ende des vorher- 
gehenden Artikels ein grosses Formschnittwerk mit Bathseba im Bade 
als in Erfurt gedruckt erwähnt wird. Damit hätten wir den Form- 
schneider Hans Brösamer, und das hier beschriebene grosse Blatt ist 
entweder Copie, oder es fehlt die Angabe des Druckortes.  
656- Hans Brosamer, Maler, Kupferstecher und Formschneider, 
wurde nach der gewöhnlichen Annahme 
a  1506 zu Fulda geboren. Gewiss ist, dass 
er 1540 daselbst thiitig war, denn das 
 I H8) von ihm gestochene Bildniss des Abtes 
sein: Johannes von Fulda trägt die Jahrznhl 
1541, und noch ein älterer im k. Cabinet 
, H; zu Copenhagen vorhandener Probedruck 
 IPB als Unicum ist gar von 1536 datirt. Auf 
' zwei andern Blättern von 1542 und 1545 
, 1550 dEB steht: Johannes Brosamer Fuldae de- 
gens faciebat. Ihm gegenüber trltt in Erfurt ein Formschneider Hans 
Brösamer auf, welcher. in der Technik seiner Kunst Ausgezeichnetes 
leistete. Wir haben über diesen Meister N0. 654 gehandelt, und fanden 
annehmbare Gründe, ihn für eine andere Person zu halten. In neuester 
Zeit erklärt man aber den Meister, der sich unter dem Bildnisse des 
Landgrafen Philipp von Hessen: Ilans Brösamer Formschneider m: 
Erjfordt nennt, mit dem Kupferstccher, welcher Fulda als seinen 
Wohnort bezeichnet, für die eine und dieselbe Person, was wir mit 
der Zeit und den Umständen nicht in Einklang bringen können. Der 
Erfurter starb 1552 an der Pest, und Hans Brosamefs Lebenszeit 
wird traditionell bis 1560 ausgedehnt. Wenn er, wie wir glauben, der
        

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