Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
GK - IML
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1568674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1570949
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654. 
Dibdirüs Aedes Althorpinae II. p. 20 zu ersehen ist. Das Schreiben 
und Illuminiren führte den Künstler auf die Buehdruckerkunst, es hat 
sich aber die lange geltende Tradition, dass -er schon 1466 und 1467 
zwei deutsche Bibeln geliefert habe, nach ZapPs schärfcrer Kritik 
nicht als wahr bewiesen. Er tritt erst 1472 als Buchdrucker auf, und 
übte diese seine Kunst bis 1495, in der spältern Zeit nur mit grösserer 
Gemächlichkeit. Wenn nun Bemler keine Bibel gedruckt hat, so hal- 
ten wir ihn wenigstens für den Illustrator der bei Hans Schönsperger 
1487 gedruckten Bibel in Folio. Diese Ausgabe enthält 80 Holzschnitte 
und figurirte Titel, welche gewöhnlich colorirt vorkommen. Wir kennen 
keinen Augsburger Meister, welcher zu dieser Ausstattung geeigneter 
war, als Hans Bemler, da er sicher auch den Schnitt der Platten 
überwachen konnte. Auf dem Blatte mit David, wie er links vorn im 
Erdgeschosse seines Palastes die Harfe spielt, ist unten in der Mitte 
das obige Zeichen, welches wir auf Bemler deuten zu dürfen glauben. 
Das erwähnte Blatt ist 3 Z. 3 L. hoch und 5 Z. 6 L. breit. Die 
übrigen Holzschnitte sind etwas grösser, 3 Z. 8-9 L. hoch und 5 Z. 
6-8 L. breit. Sie sind mit zwei Linien eingefasst, kommen aber auch 
mit einer Leiste von Arabesken vor. Die Stöcke wurden nämlich später 
zur Ausschmückung der 1507 und 1515 (1518?) von Silvan Otmar 
gedruckten Bibel benützt. In dieser sind die Columnen breiter, als 
jene in der Schönspergefschen Bibel von 1487 und 1490, und es wurde 
daher bald rechts, bald links eine Leiste mit Arabeskcn beigefügt. 
In der von S. Otmar auf Kosten des Johann Rynmann gedruckten 
Bibel scheinen auch einige frühere Bilder copirt worden zu seyn. Das 
Blatt mit David ist 3 Z. 1 L. hoch und 5 Z. breit, und somit etwas 
kleiner, als jenes in der Bibel von Schönsperger. In der Otmarlschen 
Ausgabe von 1507 ist noch ein anderer Holzschnitt mit dem zweiten 
Zeichen versehen. Er stellt die babylonische Hure auf-dem Thiere 
mit sieben Köpfen und zehn Hörnern vor. Wir haben in dem uns 
vorliegenden Exemplare der Bibel von 1487 diese Vorstellung nicht 
vorgefunden, in der Ausgabe von 1490 ist sie aber enthalten. 
Uebrigens sind diese biblischen Vorstellungen nicht Original-Com- 
positionen, sondern nur Copien nach den grösseren Blättern der Ko- 
bergefschen Bibelbilder von 1483, wie schon Panzer bemerkt. Es liess 
aber Koberger oder Koburger die Darstellungen nicht selbst zeichnen, 
sondern er benützte die Holzschnitte der berühmten Cölnischen Bibel, 
welche zwischen 1.470 und 1480 erschien. In der Vorrede dieses Werkes 
heisst es, dass die Figuren zum Nutzen oder Vergnügen der Leser 
nach den Gemälden, die in vielen Kirchen und Klöstern befindlich 
waren, hergestellt wurden. Die Bilder der Schönspergerlschen Bibel 
haben aber durchaus den gleichen Charakter, so dass sie von der einen 
und derselben Hand zu kommen scheinen. 
654. Hans Brösamer, gewöhnlich Brosamer genannt, gehört 
zu den tüchtigsten Formschneidern, welche in der 
ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts lebten. Das ge- 
Hß gebene Zeichen wurde aber bisher nicht auf H. Brö- 
 samer gedeutet, es treffen jedoch Zeit und Umstände 
 ein, welche es fast zur Gewissheit machen, dass 
Brösamer darunter angedeutet ist. .Der Meister mit diesem Mono- 
gramme lebte in Erfurt zu einer Zeit, in welcher Brösamer daselbst 
tliätig war. Er nennt sich _uiiter einem meisterhaft geschnittenen Bild- 
nisse des Landgrafen Philipp von Hessen: Hans Brösamer Form- 
sclmeider zu Erffordt. Wir haben es also hier mit einem Xylo- 
graphen von Profession zu thun, welcher aber in jeder Hinsicht auch
        

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