Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
GK - IML
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1568674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1570458
503. 
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diesem Falle die Form des M als H mit einem Striche zwischen den 
Schenkeln von dem einfachen H nicht streng unterschieden hätte, 
würde dann der Name IOHANNES mit letzterem auf dem Gemälde 
der Anbetung der Könige bewiesen. Ein drittes Werk mit der Namens- 
Inschrift ist unsers Wissens nicht bekannt. Erst wenn ein beglaubigtes 
Bild mit dem Namen MEMLING sich findet, in welchem beide M, wie 
oben das erste Zeichen, geschrieben sind,. ist die Lesart MEMLING 
statt HEMLING unabweisbar. 
Und dann ist es ja auch noch nicht vollkommen entschieden, 0b 
der Künstler ein Deutscher, oder ein Holländer war. Die holländischen 
Schriftsteller begrüssen ihn allerdings als Landsmann, und zwar unter 
dem Namen Memling. Nur Christian Kramm (De Levens en Werken 
der Iwll. en olaam. Kunschilders  Amsterd. 1857) halt an dem 
Namen Hans Hcmling fest, obgleich ihm die Controverse zu Gunsten 
des holländischen Ursprungs bekannt ist. Heisst der Künstler wirklich 
Memling, und ist er mit dem Memelingo des anonymen Reisenden und 
dem Memmelinck des v. Mander Eine Person, dann ist der Deutsche 
Hans, welchen Vaernewyck in seiner Chronik von Brügge neben 
Hugo (van der Goes) und Rogier (van der Weyden) nennt, ein leerer 
Name, da man ihm kein Gemälde zuschreiben kann. Adoptiren wir 
den Namen Memling, so ist Hans Hemling von Constanz für Deutsch- 
land verloren. Wir müssen aber an diesen Meister halten, da er im 
Geschlechtsregister der Hcmling in der Lassbergischen Chronik genannt 
wird. Hans Hcmling wurde nach diesem um 1439 geboren, welches 
Datum mit dem jugendlichen Bildnisse des Künstlers von 1462 in Pas- 
savantis Knnstreise, und dem gereiften in der oben erwähnten Anbet- 
ung der Könige von 1479 im Hospitale zu Brügge übereinstimmt, wie 
E. Harzen (Naumaniüs Archiv I. S. 13) bemerkt. Somit finden wir den 
Hans Hcmling von Constanz in Brügge, wo sein Name traditionell ist, 
nicht der eines Hans Memling. Und vielleicht liegt auch der Name 
der Geburtsstadt in dem zweiten, auf dem Gemälde der Vermählung 
der hl. Katharina im Spitale St. Jans zu Brügge vorkommenden Zeichen. 
Das Bild liess allerdings ein Jan Floreins fertigen, und es ist auch 
die"Portraitfigur desselben beigefügt; wer sagt uns aber mit voller Ge- 
wissheit, dass das Zeichen wirklich die Initialen seines Namens ent- 
halte? Man kann zwar I F darin vermuthen, es bleibt aber dabei 
doch noch der untere Winkel unerklart. Wir können eben sowohl I K 
lesen, und dann wäre Johanns von Konstanz nicht sehr ferne. In 
diesem Falle ist er aber von einem älteren Maler dieses Namens zu 
unterscheiden, welcher gleichfalls in Brügge lebte, und vielleicht als 
Onkel unsers Meisters erscheint. Diesen zweiten Hans von Konstanz 
hat Leo de Laborde aus den Burgundischen Archiven zu Lille ans 
Licht gezogen (Les Ducs de Bourgogne II. 1. p. 206). Er kommt in 
den Rechnungen des Herzogs Philipp des Guten vor, aber nicht unter 
dem Namen Hcmling oder Memling. In den Jahren 1424-1425 wurde 
er von Brügge nach Paris berufen, um die Garderobe für den Herzog 
von Gloncester einzurichten. Dieser Meister Hans ist der Zeitgenosse 
des Jan van Eyek, welcher mit demselben in Philipps Dienste trat. 
Der Meister Hans könnte von J. van Eyck nach Brügge gezogen wor- 
den seyn, wo er der Deutsche blieb, selbst im Falle er daselbst ge- 
boren wäre. Und man nimmt auch an, dass Hcmling oder Memling 
zu Damme bei Brügge das Licht der Welt erblickt habe. Die Familie 
Hemling ist einmal eine deutsche. Sie ist in Konstanz constatirt, und 
ein anderer Zweig sprosste in Bremen. Wir wissen dieses aus der 
Chronik des Gerh. Rynesberg von Bremen, welche Lappenberg heraus- 
gegeben hat. Ein Maler dieses Namens kommt zwar im Geschlechts-
        

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