Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
GK - IML
Person:
Nagler, Georg Kaspar
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1568674
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1570448
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503. 
503- Ob Hans Hemling oder Memling zu lesen,  diess war oft 
die Frage, und man entschied sich zuletzt 
G! mehr für Memling als Hemling. Die Tradition 
ITI 147) ' des Namens Hemling ist alt, und nicht zuerst 
von Descamps verbreitet, wie man auch glaubt. 
 o Schon Jansonius nennt ihn in seinem The- 
ajrum urbium von 1657 Johannes Hemmelinck, freilich nicht nach 
einer Urkunde, da dieser Name auf keinem Gemälde vorkommt. Es 
steht aber auch auf keinem Bilde der Name Memmelinck, welchen 
C. van Mander einzeichnete, wahrscheinlich nach dem Vorgange des 
Anonymus bei Morelli, welcher einen Giovanni Memelino oder Memeg- 
lino kennt, während Vasari und Guicciardini den Meister geradeweg 
Ans oder Hans von Brügge nennen. Der Streit erhob sich vor einem 
Gemälde im Hospitale zu Brügge, wo sich aber gerade der Name 
Hemling durch die Tradition erhalten hat. Im Spitale St. Jans da- 
selbst befindet sich ein Altarbild mit Flügeln, welches die Vermählung 
der heil. Catharina vorstellt. Auf dem Rahmen befindet sich folgende 
Inschrift: o OPVS o IOHANNIS o HEMLING o 1479, und daran 
schliesst sich das zweite, auf den Donator Jan Floreins gedeutete 
Zeichen. Dieselbe Inschrift, aber ohne Jahrzahl, und mit einem ge- 
wöhnlichen H, befindet sich auch auf einem Bilde der Anbetung der 
Könige in dem genannten Hospitalc. In der Inschrift des Rahmens 
der Vermählung der hl. Katharina hat das H im Worte JohaTies, und 
der erste Buchstabe des Namens Hemling die obige Form, welche in 
der Lapidarschrift des Mittelalters gewöhnlich für M gilt, aber aus- 
nahmsweise auch für H gesetzt wird. Diess wäre nun mit H im Worte 
Johannes der Fall, und wenn dieses richtig ist, dann könnte man un- 
bedingt auch Hemling lesen. In Brüssel wird aber jetzt behauptet, die 
Inschrift sei bei der Restauration des Bildes erneuert worden, und 
bei dieser Gelegenheit habe das H im Worte IOHANNES die obige 
Form erhalten, gleich jener des ersten Buchstabens im Worte HEMLING. 
Diese Restauration müsste um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, zur 
Zeit Descamps, stattgefunden haben, da dieser die Lesart Hemling 
annahm. Gegenwärtig hat die Inschrift kein neues Ansehen, man will 
aber dennoch erkennen , dass der Mittelstrich des H im Worte Jo- 
hannes ganz glatt auf den Goldgrund gesetzt, während die Oberfläche 
der übrigen Buchstaben durchaus rauh sei. Dass sich entweder der 
Künstler verschrieben, oder der Hersteller den Mittelstrich, die Linie 
zwischen den unteren Schenkeln des H beigefügt habe, dürfte anzu- 
nehmen seyn, indem auf dem Gemälde der Anbetung der Könige der 
Name Johannes mit einem gewöhnlichen H geschrieben ist. Anderseits 
bleibt es aber auiiallend, dass der Künstler gerade am Anfange seines 
Zunamens, und nicht auch 1Il der Mitte die kopfzerhrechende Form 
des M gebraucht habe. Der Name ist wie oben geschrieben, und man 
kann kaum anders lesen, als Hemlmg, wenn man nicht weiss, dass 
der fragliche Buchstabe gewöhnlich für  genommen ist. Der Künstler 
scheint aber in dem gegebenen Falle nicht streng unterschieden zu 
haben, und man könnte sogar annehmen, dass ihm der Unterschied 
zwischen dem alten und dem neueren M gar nicht bekannt war, da er 
im Namen HEMLING oder MEMLING auch das zweite M in der Form 
des ersten hätte geben müssen. Wenn man sich nun jetzt mehr für 
die Lesart Memling entschieden hat, so ist dann noch der Punkt der 
Schreibart nicht ganz erlediget, indem der Künstler in beiden Namen 
sich H in der obigen Form gedacht haben kann. Keinem Zweifel unter- 
liegt es, wenn die Namensinschrift auf dem Bilde der Vermählung der 
heiligen Katharina unberührt geblieben ist; und dass der Künstler in
        

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